Nestlé Vorstandsumbau kommt voran

Der Nestlé-Vorstand wird nach der Ernennung von Paul Bulcke zum neuen Chef weiter umgebaut. Der jetzige Finanzchef Paul Polman, der lange Zeit als Kronprinz des scheidenden Nestlé-Chefs Peter Brabeck gehandelt wurde, wird Chef der Region Amerika und übernimmt damit Bulckes alten Posten.

Zürich - Nestlé-Finanzchef Paul Polman wird ab Februar 2008 die Leitung des Amerika-Geschäfts übernehmen. Das gab der Schweizer Lebensmittelkonzern gestern bekannt. Der Posten war frei geworden, nachdem der bisherige Leiter Paul Bulcke an die Konzernspitze berufen worden war.

Der scheidende Nestlé-Chef Brabeck will sich nun auf seine Aufgabe im Verwaltungsratspräsidium konzentrieren. Polman selbst war lange als einer der Favoriten für die Nachfolge von Brabeck an der Konzernspitze gehandelt worden; er verfügte aber über keine operative Erfahrung bei Nestlé . Neuer Finanzchef wird James Singh.

Nestlé hat trotz Preiserhöhungen auf breiter Front in den ersten neun Monaten beim Umsatz weiter zulegen können. Mit Marken wie Nescafe, Kitkat-Schokoriegeln und Babymilch setzte der weltweit größte Nahrungsmittelkonzern bis Ende September 9 Prozent mehr um als im Vorjahr und kam auf einen Umsatz von 78,7 Milliarden Franken (rund 47 Milliarden Euro). Wie Danone  und andere Konzerne der Branche will Nestle wegen der steigenden Kosten für Milch, Kaffee und Getreide seine Preise noch weiter erhöhen und bestätigte seinen Ausblick.

"Die Stärke des Nestlé-Marken erlaubte es der Gruppe, Preiserhöhungen vorzunehmen, um so die steigenden Rohstoffkosten auszugleichen", erklärte Nestlé am Donnerstag weiter. Die Gruppe sei entschlossen, "profitables Wachstum unabhängig von Marktbedingungen zu generieren". So erhöhte Nestlé die Preise quer durch die Produktpalette um durchschnittlich 2,7 Prozent. In Schwellenländern wie etwa Brasilien und Indien, wo Nestlé genauso präsent ist wie in Frankreich oder den USA, wurden dabei geringere Preiserhöhungen vorgenommen, so der designierte Amerika-Chef und amtierende Finanzchef Polman. Zur Strategie des Nahrungsmittelriesen gehöre es, nicht nur eine kaufkräftige Kundschaft zu halten, sondern auch bei den Armen dieser Welt präsent zu sein.

Ganz ohne Folgen blieben die höheren Preise aber wohl nicht. Das interne Wachstum über die Menge betrug nach neun Monaten noch 4,5 Prozent nach 5,3 Prozent für die ersten sechs Monate. Für das Gesamtjahr 2007 bestätigte Nestlé das Ziel, die Umsätze über die Menge und über Preiserhöhungen um fast 7 Prozent zu steigern und zugleich die EBIT-Marge zu verbessern.

Angesichts der turbulenten Rohstoffmärkte sieht sich Nestlé in seiner Strategie bestätigt, auf veredelte Produkte wie zum Beispiel LC1-Joghurt oder Nespresso zu setzen, für die ohnehin höhere Preise verlangt werden können. "Für die nächsten Jahren denken wir, dass sich die Rohstoffpreise stabilisieren werden, jedoch auf einem höheren Niveau", sagte der scheidende Nestle-Chef Brabeck. Brabeck, der sich im kommenden Jahr auf das Verwaltungsratspräsidium beschränken wird, deutete eine Konzentration des Konzerns auf das Nahrungsmittelgeschäft an.

Die 75-Prozent-Beteiligung an dem Augenpharma-Spezialisten Alcon und der knapp 30-prozentige Anteil am weltgrößten Kosmetikkonzern L'Oreal stehen offenbar zur Disposition. " Nestlé braucht Alcon nicht", sagte Brabeck. Dies habe schon der Teilbörsengang gezeigt. Auch für L'Oreal sei ein Verkauf der Anteile ein Szenario.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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