Eliteunis Hoffen auf Millionen

Am heutigen Freitag werden die neuen Eliteuniversitäten gekürt. Acht deutsche Hochschulen sind in die engere Auswahl gekommen. Sie können auf eine millionenschwere Förderung in den kommenden fünf Jahren hoffen. Drei Favoriten stehen angeblich schon fest.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat nahmen die Konzepte zum Ausbau der Spitzenförderung von acht Hochschulen in die engere Auswahl: RWTH Aachen, FU Berlin, Humboldt-Universität Berlin sowie die Universitäten Bochum, Freiburg, Göttingen, Heidelberg und Konstanz. Zugelassen wurden außerdem 44 Anträge auf Förderung von Graduiertenschulen sowie 40 Anträge von Uni-Einrichtungen, bei denen eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie im Vordergrund steht.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE stehen die drei Favoriten bereits fest: Auf der grünen Karte für die drei besten Bewerber aus Sicht der Wissenschaftler stehen die RWTH Aachen sowie die Universitäten in Heidelberg und Konstanz. Gelb markiert wurden die Anträge der Universität Freiburg und der FU Berlin - sie sind noch im Rennen, aber auf der Kippe. Auf Rot steht die Ampel für die Universitäten in Bochum und Göttingen sowie für die Humboldt-Universität Berlin. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE eigenen Angaben zufolge aus Teilnehmerkreisen.

Auch Informationen des "Handelsblattes" deuten nach den Gesprächen vom Donnerstag in die gleiche Richtung. Aachen und Heidelberg wurden ohnehin als Favoriten gehandelt, die Ruhr-Universität Bochum als Außenseiter. Dass aber Konstanz in der "grünen" Gruppe landete, ist ebenso überraschend wie das vorzeitige Aus, das sich für die Humboldt-Universität anbahnt. Ob es Freiburg und die FU Berlin noch unter die Gewinner schaffen, dürfte am Freitag für heftige Diskussionen im Bewilligungsausschuss sorgen, der die endgültige Entscheidung fällen soll.

Aus der ersten Runde um die Vergabe von etwa 1,9 Milliarden Euro Fördermittel der sogenannten Exzellenzinitiative bis 2011 waren vor einem Jahr die Universität Karlsruhe (TH), die Universität München und die Technische Universität München als Sieger hervorgegangen.

Sie sollen dank einer jährlichen Unterstützung von durchschnittlich 21 Millionen Euro konkurrenzfähiger mit internationalen Spitzenuniversitäten werden. Für die zweite Runde der Mittelvergabe bewarben sich sieben in der ersten Runde abgelehnte und 20 weitere Hochschulen.

Wettbewerb unter den Universitäten

Wettbewerb unter den Universitäten

Die Entscheidung trifft ein Bewilligungsausschuss, dem Vertreter der DFG, des Wissenschaftsrats sowie von Bund und Ländern angehören. Die Ergebnisse sollen am Nachmittag auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Die 2005 gestartete Exzellenzinitiative ist mit dem Zuschlag für die zweite Vergaberunde abgeschlossen. DFG und Wissenschaftsrat forderten aber bereits eine Fortsetzung, um den eingeleiteten Prozess der Dynamisierung des deutschen Hochschulsystems nicht gleich wieder zu stoppen.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) lobte die Exzellenzinitiative. "Alle begrüßen es, dass endlich ein Wettbewerb unter den Universitäten entsteht, bei dem sie als Zentren des deutschen Wissenschaftssystems sichtbar werden", sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel der "Berliner Zeitung". "Die Exzellenzinitiative ist eine herausragende, aber nicht die einzige Fördermöglichkeit. Die Länder müssten diesbezüglich allerdings noch viel mehr Unterstützung leisten." Wintermantel forderte neben der Forschungsförderung aber auch eine Qualitätsoffensive für die Lehre.

Auch der Präsident der im vergangenen Jahr zur Eliteuni gekürten TU München, Wolfgang Herrmann, forderte mehr Aufmerksamkeit für die Lehre. Das Ziel, die Spitzenforschung zu fördern, sei zwar richtig, sagte Herrmann am Donnerstag im Saarländischen Rundfunk. Die Forschung müsse aber genauso hoch bewertet werden, was momentan nicht der Fall sei. "Ich halte nichts davon, wenn sich jetzt einige Universitäten Forschungsuniversität nennen", sagte Herrmann. "Das geht gegen die Idee der Universität. Wir sind dazu da, die jungen Menschen am wissenschaftlichen Gegenstand und am wissenschaftlichen Fortschritt auszubilden."

manager-magazin.de mit Material von ap

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