Bewerbungen Bunt ist nicht gleich originell

Papier in Regenbogenfarben, verfremdete Fotos, eine rosafarbene Mappe - das ist bei Bewerbungen zu viel des Guten. Der Kreativität sind in diesem Fall durchaus Grenzen gesetzt. Denn bei zu viel Styling fehlen überzeugende Argumente. Allerdings kommt es auf die Branche und das Unternehmen an, für das man sich bewirbt.

Dresden/Freiburg - "Es ist wie auch sonst im Leben: Entweder man malt sich die Lippen rot oder schminkt die Augen. Bei zu viel Make-up geht die Wirkung verloren", sagt etwa Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg.

"Rosa Papier, eine grausige Vorstellung", findet auch Michael Hoppenburg, Personalberater aus Dresden. Allerdings kommt es auf die Branche und das Unternehmen an, für das man sich bewirbt: "Wenn ein 'Kreativer' für eine Werbeagentur gesucht wird, liegt es auf der Hand, dass seine Bewerbung schon eine erste Arbeitsprobe ist." Jedoch sollte man das Wesentliche nicht vergessen: "Die Bewerbung beinhaltet die ersten Verkaufsargumente für die eigene Person und diese Fakten müssen transportiert werden", sagt Hofert.

Es sei ein Irrtum zu glauben, dass man der Einzige ist, der kreativ sein möchte, warnt Peter Modler, Unternehmensberater aus Freiburg: "Personaler kriegen oft das große Gähnen, wenn wieder einer unglaublich originell sein möchte, die wollen einfach wissen, was der Bewerber alles kann." Die Kreativität muss also passen: "Wenn es um eine Stelle in einer Werbeagentur geht, kann daher schon eine CD oder DVD mit Bildern beigefügt werden."

Im positiven Fall kann man einer kreativen Bewerbung ansehen, "dass sich jemand ernsthaft mit genau dieser einen Position, auf die er sich bewirbt, auseinander gesetzt hat", erklärt Hoppenburg. Grundsätzlich ist Kreativität von Vorteil, solange der Bewerber verstanden hat, was die Firma will. "Man muss rauskriegen, wie die Firma tickt, erst wenn man das wirklich verstanden hat, kann man sich bewerben", meint auch Modler.

Recherche im Internet

Recherche im Internet

Dazu sollten Bewerber intensiv im Internet recherchieren und sich ausgiebig mit der Firma auseinandersetzen. "Sie können sich sogar ein wenig in der Eingangshalle rumdrücken, um mal einen Eindruck zu haben, was für Leute dort arbeiten", rät Modler.

Nur wer die Firma sehr gut kennt, weiß wo er sich an diese Firma "andocken" kann, und welche Argumente ihn einzigartig machen. "Da kann im Einzelfall ein freakiges Bewerberfoto zu einem freakigen Start-Up-Unternehmen schon passen." Man müsse sich immer die Arbeitsabläufe im Unternehmen vorstellen.

Eine gebundene Bewerbungsmappe sieht zwar schön aus, macht aber der Personalabteilung nur Umstände, "wenn beispielsweise einzelne Dokumente rausgenommen oder kopiert werden müssen", erklärt Hofert. Eine Mappe mit einem dezenten rosa Streifen oder eine transparente Mappe sei hingegen in einem Stapel schwarzer Mappen einfacher wieder zu finden und erleichtert die Arbeit.

Viel Spielraum für Kreativität bieten der Lebenslauf und das Anschreiben. Im Lebenslauf können wichtige Positionen mit fetter Schrift oder unterlegten Schatten noch besser hervorgehoben werden, "so bekommt der Leser eine Navigationsstruktur und behält sich diese Punkte leichter", sagt Hofert. Das Anschreiben ist die eigentliche Bewerbung und kann kreativ formuliert werden: "Es kommt dabei darauf an, Aufmerksamkeit zu erzeugen, das Interesse an Ihnen zu wecken und den Wunsch auszulösen, Sie kennenlernen zu wollen", erklärt Hoppenburg.

Miriam Braun, dpa

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