ABN Amro Rücktritt nach Übernahme

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Zerlegung seiner Bank durch die neuen Besitzer RBS, Fortis und die Bank Santander hat der Chef der niederländischen ABN Amro seinen Rücktritt angekündigt. Rijkman Groenink, der sich gegen die Zerschlagung gewehrt hatte, will sich nach vollzogener Übernahme aus seinem Amt verabschieden.

Amsterdam - Das Ende der niederländischen Traditionsbank ABN Amro  ist endgültig besiegelt. Am Mittwoch stufte das Übernahme-Konsortium um die Royal Bank of Scotland  (RBS) alle Bedingungen der Offerte als erfüllt ein.

Daraufhin kündigte ABN-Chef Rijkman Groenink, der sich lange gegen die Zerschlagung durch das Trio RBS, Fortis  und die Bank Santander  gewehrt und eine Übernahme durch die britische Barclays  bevorzugt hatte, seinen Rücktritt an. RBS, Fortis und die Bank Santander wollen die bisher angebotenen Aktien am 17. Oktober gegen Bargeld und RBS-Anteile tauschen. Damit ist die bisher größte Übernahme in der Finanzbranche im Wert von mehr als 70 Milliarden Euro praktisch unter Dach und Fach.

Groenink begründete seinen Rücktritt mit der Zustimmung seiner Aktionäre für das von ihm abgelehnte Übernahmeangebot des Konsortiums. In seinen Augen sei es nun angemessen, den Weg für einen Nachfolger frei zu machen, der die Pläne des Konsortiums ausführen "will und kann". Groeninks Rücktritt wird auf einer außerordentlichen Hauptversammlung erfolgen, die im Anschluss an die Übernahme stattfinden soll. Dann sollen auch ein neuer Vorstand und ein neuer Verwaltungsrat berufen werden.

Am vergangenen Freitag war die Anmeldefrist für die Aktionäre von ABN Amro abgelaufen. Sie boten dem Konsortium insgesamt 86 Prozent der Anteile zum Verkauf. RBS-Chef Sir Fred Goodwin sagte bei einer Pressekonferenz, die Akzeptanz der Aktionäre sei größer als gedacht und er rechne damit, dass auch die Eigentümer der restlichen 14 Prozent sich bald zu einem Verkauf entscheiden würden. Das Trio zahlt 35,60 Euro in bar und 0,256 RBS-Aktien (entspricht etwa 1,40 Euro) für jeden Anteil der niederländischen Bank. Nachzügler können noch bis Ende des Monats zu diesem Preis an das Konsortium verkaufen. Der Kurs von ABN Amro stand am Mittwochnachmittag in Amsterdam bei knapp 37,97 Euro pro Aktie.

Sieben Monate Übernahmekampf

Sieben Monate Übernahmekampf

Die Entscheidung der drei Konkurrenten bedeutet das Aus für die Amsterdamer Großbank. RBS, Fortis und Santander wollen den Konzern unter sich aufteilen. Gewerkschafter befürchten den Verlust von bis zu 19.000 Arbeitsplätzen. "Niemand kann sich seines Arbeitsplatzes sicher sein", sagte eine niederländische Gewerkschaftsfunktionärin in einer ersten Reaktion.

Die Aufsichtsbehörden haben der Übernahme von ABN Amro bereits zugestimmt. Jedoch muss Fortis, das die Filialen des Konkurrenten in den Niederlanden weiterführen will, einen Teil des Geschäfts abstoßen. Fortis-Chef Jean Paul Votron bestätigte, dass er den Auflagen der EU zugestimmt habe und 10 Prozent des niederländischen ABN-Geschäfts verkaufen werde. Er habe aber keine Eile und werde sich die Zeit nehmen, die es brauche, um gute Lösungen zu finden.

RBS wird das Großkundengeschäft von ABN Amro und die Aktivitäten in Asien übernehmen, Santander übernimmt die Tochterbanken der Niederländer in Italien und Südamerika.

Der Kampf um die Übernahme von ABN Amro hatte im März begonnen. Der Vorstand der Amsterdamer Bank Amro empfahl damals ein Zusammengehen mit der britischen Bank Barclays, die jedoch eine Übernahme vorwiegend mit eigenen Aktien und somit kursabhängig bezahlen wollte. Im April begann das Konsortium, eine feindliche Übernahme vorzubereiten und überbot Barclays mit einem Barangebot.

Der ABN-Amro-Vorstand konnte die Bevorzugung von Barclays schließlich nicht durchhalten, am vergangenen Freitag zogen die Briten ihre Offerte zurück. RBS-Chef Goodwin verteidigte den Preis, den seine Bank für ihren Anteil an ABN gezahlt hat. "Die Zahlen werden die Attraktivität des Deals zeigen und die entsprechende Überzeugungsarbeit leisten."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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