Conergy Finanzchef geht, Aktie fällt

Jörg Spiekerkötter, ab November neuer Finanzchef bei Conergy, ist ein Mann mit guten Reputationen: Sowohl bei Schering als auch bei der Akzo-Nobel-Tochter Organon kümmerte er sich erfolgreich um die Bücher. Auf seinen Einstieg bei Conergy reagiert die Börse indes verschnupft: Analysten fürchten negative Nachrichten.

Frankfurt am Main - Der überraschende Austausch des Conergy-Finanzvorstands hat die Aktie des Solar- und Windkraftanlagenbauers am Montag unter Druck gesetzt. Conergy-Aktien  fielen im Handelsverlauf um fast 6 Prozent auf 62 Euro und führten damit mit Abstand die Verliererliste im Technologieindex TecDax  an.

Das Hamburger Unternehmen holt sich den ehemaligen Schering-Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter ins Haus. Spiekerkötter trete am 1. November die Nachfolge von Finanzchef Heiko Piossek an, teilte Conergy mit. Piossek war seit Anfang 2005 Finanzvorstand bei Conergy. Sein Vertrag lief eigentlich bis zum 31. Januar 2008.

"Wir hatten die Chance, mit Herrn Spiekerkötter einen sehr renommierten ehemaligen Dax-Finanzvorstand bereits zum 1. November in das Unternehmen zu holen und die haben wir genutzt", begründete ein Conergy-Sprecher die vorzeitige Ablösung von Piossek. Dem bisherigen Finanzchef sei eine andere "attraktive Führungsposition" angeboten worden. Er werde in den nächsten Wochen entscheiden, ob er diese annimmt, sagte der Sprecher.

Der überraschende Wechsel wurde an der Börse negativ aufgenommen. Der Börsenbrief "Czerwensky intern" hatte bereits am Freitagabend berichtet, dass bei Conergy über Piossek diskutiert werde und für ihn noch nach einer "gesichtswahrenden Lösung" gesucht wird. Grund sei, dass die Deutsche Bank  als Kreditgeber mit der Geschäftsentwicklung unzufrieden sei und mit der Streichung der Kreditlinien drohe. Es sei absehbar, dass die Jahresziele von Conergy kaum zu realisieren seien, berichtet der Börsenbrief unter Berufung auf "gut informierte Kreise".

Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern. Auch der Conergy-Sprecher wollte zu dem Bericht keine Stellungnahme abgeben. Er bekräftigte aber, dass Coneryg an seinem Umsatz- und Ergebnisziel für 2007 festhalte. Das Unternehmen erwarte unverändert einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 60 Millionen Euro. Die Sorgen der Conergy-Anleger konnte dies allerdings nicht besänftigen. Die Aktien machten im Handelsverlauf zwar kurzfristig einen Teil ihrer Verluste wieder wett, lagen dann aber wieder deutlich im Minus.

Spiekerkötter war bis September 2006 Finanzvorstand bei Schering  und wechselte dann zur Pharmasparte Organon von Akzo Nobel , die das niederländische Unternehmen an den US-Pharmakonzern Schering-Plough verkaufte.

Conergy gewinnt nicht zum ersten Mal einen ehemaligen Schering-Manager für sich. Bereits im vergangenen Jahr war der ehemalige Chief Information Officer (CIO) der Berliner zu Conergy gewechselt. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer  hatte Schering im vergangenen Jahr übernommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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