Gehaltsreport Was Topmanager verdienen

Am Ende der Gehaltskette stehen die Alphatiere, die Geschäftsführer der Unternehmen. Deren Einkünfte schwanken zwischen 70.000 und über 1,7 Millionen Euro jährlich. Am meisten zahlen Autokonzerne, am wenigsten Versicherungen. Weitere Topthemen für Topmanager: Boni, Abfindungen, Pensionen und der Dienstwagen.

Hamburg - Die Grundgehälter der deutschen Geschäftsführer sind im vergangenen Jahr wieder deutlicher gestiegen als im Vorjahr. Wie die Managementberatung Kienbaum in ihrer aktuellen Gehaltsstudie ermittelt hat, legten die Bezüge im Zeitraum vom 1. Mai 2006 bis zum 1. Mai 2007 um durchschnittlich 4,9 (Vorjahr 3,0) Prozent zu. Die Gehälter der Gesellschafter-Geschäftsführer wurden mit 3,8 Prozent etwas zurückhaltender erhöht als die der Angestellten-Geschäftsführer mit durchschnittlich 5,5 Prozent.

"Die Gehaltszuwächse sind ein Indiz für die anhaltend gute Konjunktur und die positive Ertragslage in vielen Unternehmen", sagt Christian Näser, Projektleiter der Studie. Die Gehaltssteigerungen fallen allerdings individuell sehr unterschiedlich aus.

Ein beträchtlicher Teil insbesondere der Gesellschafter-Geschäftsführer hat im Beobachtungszeitraum keine oder eine nur geringe Erhöhung der Grundbezüge erfahren. Auf der anderen Seite verzeichnete eine Reihe vor allem jüngerer Geschäftsführer erheblich höhere Gehaltserhöhungen – teilweise um mehr als 10 Prozent. Im Rahmen der Studie wurden 679 Geschäftsführer-Positionen in 391 Unternehmen untersucht.

Foto: Quelle: Kienbaum 2007

Die Höhe der Jahresgesamtbezüge von Geschäftsführern weist eine außerordentlich hohe Spannbreite auf. Sie reicht von weniger als 70.000 Euro bis zu mehr als 1,7 Millionen Euro im Jahr. Ein Drittel der Geschäftsführer verdient dabei bis 175.000 Euro, bei einem weiteren Drittel bewegt sich das Gehalt zwischen 175.000 und 275.000 Euro, das letzte Drittel liegt noch darüber. 9 Prozent der Geschäftsführer überschreiten in diesem Jahr die Schwelle von 500.000 Euro.

Größe zählt

Größe zählt

Nach wie vor übt dabei die Unternehmensgröße gemessen an Umsatz, Beschäftigtenzahl oder Bilanzsumme den stärksten Einfluss auf die Gehaltshöhe aus. So erhält der Geschäftsführer eines Unternehmens mit bis zu 50 Mitarbeitern durchschnittlich 178.000 Euro, während die Gesamtbezüge eines Geschäftsführers in einem Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern durchschnittlich 486.000 Euro betragen.

Das gleiche gilt für den Umsatz. Ein Angestellten-Geschäftsführer in einem Unternehmen mit bis zu 7,5 Millionen Euro Umsatz erhält durchschnittlich 139.000 Euro, bei einem Umsatz von zwischen 250 und 500 Millionen Euro werden im Schnitt 415.000 Euro gezahlt.

Die vergleichbare Spanne reicht bei Gesellschafter-
Geschäftsführern von 182.000 bis hin zu 605.000 Euro. "Gesellschafter-Geschäftsführer haben die Möglichkeit, Vergütungsspielräume nach oben auszunutzen. Andererseits treten sie häufig in jungen Jahren in die Geschäftsführung ein und sind zunächst niedrig dotiert. Zudem sind Gesellschafter-
Geschäftsführer häufig bereit, eine Unterbezahlung in Kauf zu nehmen, wenn die Unternehmenssituation dies erfordert", erklärt Näser die stärkere Streuung.

Welche Branche am besten zahlt

Welche Branche am besten zahlt

Bei den tariflichen Mitarbeitern lassen sich aufgrund der unterschiedlich hohen Tarifentgelte relativ eindeutige Vergütungsunterschiede zwischen den einzelnen Branchen oder Wirtschaftszweigen identifizieren. Mit zunehmendem Aufstieg in der Führungshierarchie lassen sich Branchenunterschiede aber immer weniger eindeutig ausmachen.

Zwar bestehen durchaus Unterschiede in der Vergütungshöhe zwischen produzierenden Unternehmen, Vertriebsgesellschaften und Dienstleistungsunternehmen oder zwischen unterschiedlichen Branchen. Diese Unterschiede sind jedoch bei näherer Analyse auf andere Einflussfaktoren wie auf die unterschiedliche Größenstruktur der Branchen, abweichende Ertragslagen oder Eigentümerstrukturen zurückzuführen. Die prozentualen Unterschiede der Gehaltssteigerungen zwischen den Branchen sind deswegen relativ gering.

Grundgehaltssteigerungen vom 1.5.2006 bis 1.5.2007 nach Branchen (in %)

Branche
Metall (Erzeugung, Halbprodukte) 6,8
Maschinen-/Anlagen-/Fahrzeugbau 6,7
Energie-, Versorgungsunternehmen 6,3
Eisen-, Blech-, Metallwaren 5,8
Pharma, Medizin, Biotechnik 5,5
Banken, Finanzdienstleistungen, Versicherungen 5,1
Wirtschafts-/Rechts-/Steuerberatung 4,8
Holz und Papier 4,6
Grund- und Wohnungswirtschaft 4,3
Steine/Erden, Keramik/Glas 4,1
Kunststoff, Gummi 4
Druckereien, Verlage, Medien 3,5
EDV-Beratung, Rechenzentren, Softwarehäuser 3,3
Nahrungs- und Genussmittel 3,3
Bauwirtschaft 3,2
Elektrotechnik, Elektronik, IT, Telekommunikation 3,2
Transport, Verkehr, Logistik 3,1
Groß- und Außenhandel 3
Einzelhandel, Versandhandel 2,9
Feinmechanik, Optik 2,9
Chemie, Mineralölverarbeitung 2,3
Leder, Textil, Bekleidung 2,3
sonstige Dienstleistungen 8,1
sonstige Branchen 4,3
insgesamt 4,9
Quelle: Kienbaum 2007:

Je mehr Gewinn, desto mehr Gehalt

Je mehr Gewinn, desto mehr Gehalt

Geschäftsführer bilden die letzte Entscheidungsinstanz im Unternehmen. Ihre Leistung beeinflusst in hohem Maße die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Wie keiner anderen Mitarbeitergruppe wird ihnen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zugerechnet. Diese Verantwortlichkeit spiegelt sich auch in der hohen Ertragsabhängigkeit ihrer Vergütung wider.

Unternehmen mit überdurchschnittlichen Gewinnen honorieren ihre Geschäftsführung überdurchschnittlich (plus 13 Prozent), bei unterdurchschnittlicher Gewinnlage oder Verlusten müssen Geschäftsführer erhebliche Einkommenseinbußen hinnehmen (minus 22 Prozent). "Die Unterschiede erklären sich zum großen Teil durch die unterschiedliche Häufigkeit und Höhe der variablen - durchweg gewinnorientierten – Vergütungselemente", sagt Näser.

Gehälter in Aktiengesellschaften

Gehälter in Aktiengesellschaften

Die Rechtsform eines Unternehmens hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Höhe der Vergütung. Wenn bei Aufgliederung nach Rechtsformen die Gehälter in den Aktiengesellschaften auch generell vorne liegen, so resultiert das allein aus der Unternehmensgröße: Die Aktiengesellschaft ist die typische Rechtsform des Großunternehmens. Großunternehmen aber besitzen ein höheres Vergütungsniveau.

Untersuchungskreis und Durchschnittsbezüge nach Branchen

Rang Branche Untersuchungs-kreis Unternehmen/Vorstandsmitglieder Bezüge in Tsd. € Pro-Kopf-Einkommen der Mitglieder
1. Fahrzeugindustrie/Automotive 35/156 855
2. Textil/Bekleidung 18/49 842
3. Einzelhandel 20/63 649
4. Pharma/Biotech 42/156 640
5. Chemie/Gummi 51/169 614
6. Maschinenbau/Anlagenbau 56/192 605
7. Druckereien/Verlage/Medien 33/89 587
8. Großhandel/Außenhandel 23/67 560
9. Energiewirtschaft 71/230 528
10. Telekommunikation 27/99 527
11. Bau/Steine/Erden 22/67 523
12. Finanzdienstleister/Leasing/ 67/199 515
13. Verkehr/Lagerwirtschaft 59/197 470
14. Holding/Verwaltung 46/129 466
15. Banken 224/751 459
16. Eisen/Stahl/NE-Metalle 20/58 450
17. Glas/Keramik/Porzellan 15/39 444
18. Zellstoff/Papier/Holz 14/39 423
19. Elektrotechnik/Feinmechanik/Optik 94/286 388
20. EBM-Industrie 12/41 387
21. Dienstleistungen 93/313 378
22. IT 106/288 370
23. Nahrung/Genuss/Brauereien 39/120 363
24. Wohnungswirtschaft/Immobilien 45/109 286
25. Versicherungen 273/1115 264
Summe 1505/5026
Durchschnitt aller Branchen 504
Durchschnitt aller Unternehmen 444
Quelle: Kienbaum 2007:

Hierarchiestufen, Gehaltsstufen

Hierarchiestufen, Gehaltsstufen

Besteht das Gremium "Geschäftsführung" aus mehreren Geschäftsführern, so haben diese im Hinblick auf Vertretung und Geschäftsführung der Gesellschaft grundsätzlich die gleichen Befugnisse. Das gilt auch für stellvertretende Mitglieder. In der Praxis hat sich aber in vielen Fällen eine hierarchische Gliederung der Geschäftsführung in Vorsitzender, ordentliche Mitglieder und (eventuell) stellvertretende Mitglieder als sinnvoll erwiesen.

Das gilt vor allem für größere Unternehmen. Der Vorsitzende ist oft durch Satzung, Beiratsbeschlüsse oder stillschweigende Übereinkunft in besondere Rechte und Pflichten gesetzt. Dazu gehören Repräsentation der Geschäftsführung nach außen, Verantwortung für besonders wichtige Ressorts, Koordination der einzelnen Ressorts, interne Überwachung und Kontrolle von Entscheidungen der Geschäftsführung sowie Leitung der Geschäftsführungssitzungen.

Zum Vorsitzenden oder Sprecher der Geschäftsführung wird häufig der dienstälteste Geschäftsführer oder aber der für ein wichtiges Ressort Verantwortliche bestellt. Ist ein Anteilseigner gleichzeitig als Geschäftsführer tätig, so fällt in aller Regel ihm dieses Amt zu. Die hervorgehobene Position des Vorsitzenden schlägt sich in einer eindeutigen Gehaltsdifferenzierung nieder.

Die Höhe der Erfolgsbeteiligung

Die Höhe der Erfolgsbeteiligung

Für 93 Prozent aller Geschäftsführer ist heute eine variable Vergütung vorgesehen. Für 88 Prozent kam diese für das Jahr 2006 auch zum Tragen. Die Erfolgsbeteiligung erreicht im Durchschnitt 35 Prozent der Gesamtbezüge.

Bei guter Ertragslage werden zum Teil überaus hohe variable Zahlungen geleistet, während bei Unternehmen mit unterdurchschnittlicher oder durchschnittlicher Ertragslage die Tantiemen sowohl absolut als auch gemessen an den Gesamtbezügen deutlich niedriger ausfallen. Besonders bei Gesellschafter-Geschäftsführern werden bei schlechterer Ertragslage Erfolgsbeteiligungen – obwohl vorgesehen – häufig überhaupt nicht ausgezahlt.

Rente, Abfindungen, Altersruhegeld

Rente, Abfindungen, Altersruhegeld

Die betriebliche Altersversorgung ist für Geschäftsführer die mit Abstand wichtigste – gleichzeitig für die Unternehmen die mit Abstand teuerste – Zusatzleistung. Bei Geschäftsführern reicht die gesetzliche Sozialversicherungsrente bei weitem nicht aus, um nach der Pensionierung den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Steuer- und Sozialabgabenbelastung gilt heute ein Satz von etwa 60 Prozent (bis 65 Prozent) der letzten Gesamtbezüge (brutto) für den pensionierten Geschäftsführer als ausreichende Vollversorgung.

Versorgungslücke

Versorgungslücke bei Geschäftsführern Einkommens-beispiel A Einkommens-beispiel B Einkommens-beispiel C
(1) Gesamtbezüge 180.000 € 240.000 € 300.000 €
(2) Grundbezüge bei normaler Vergütungsstruktur 135.000 € 168.000 € 195.000 €
in Prozent der Gesamtbezüge 75 70 65
(3) Vollversorgung bei normalem Versorgungsbedarf 108.000 € 144.000 € 180.000 €
in Prozent der Gesamtbezüge 60 60 60
(4) Sozialversicherungsrente (knapp 40 Prozent von 63.000 €) ca. 25.000 € ca. 25.000 € ca. 25.000 €
(5) Eigenvorsorge 18.000 € 36.000 € 60.000 €
in Prozent der Gesamtbezüge 10 15 20
(6) Versorgungslücke für betriebliche Altersversorgung
absolut 65.000 € 83.000 € 95.000 €
in Prozent der Gesamtbezüge 36 35 32
in Prozent der Grundbezüge 48 49 49
Quelle: Kienbaum 2007

Die erreichbare Sozialversicherungsrente liegt heute bei knapp 40 Prozent der Bruttobezüge bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (in 2007 63.000 Euro im Westen, 54.600 Euro im Osten).

Auch die vertragliche Abfindungszahlung hat für Geschäftsführer eine große Bedeutung. Von den in der Studie befragten Geschäftsführern hat etwa jeder sechste eine derartige Abfindungszusage. Insbesondere von außerhalb des Unternehmens berufene Geschäftsführer bestehen zunehmend auf den vorsorglichen Einbau einer solchen "Versicherung".

Die Abfindung wird in verschiedenen Formen zugesagt, am häufigsten als vorgezogenes Altersruhegeld. Dazu wird im Pensionsvertrag festgelegt, dass die Pensionszahlung nicht nur bei Invalidität oder Erreichen des Pensionsalters eintritt, sondern auch bei Ausscheiden des Geschäftsführers infolge Nichtverlängerung des Dienstverhältnisses oder unverschuldeter Kündigung durch die Gesellschaft. Die Höhe der Pensionszahlung richtet sich dabei durchweg nach der Höhe des Ruhegeldanspruches, den der Geschäftsführer bis zu diesem Zeitpunkt erworben hat.

Dienstwagen - von Ringen und Sternen

Dienstwagen - von Ringen und Sternen

Für Geschäftsführer gehört der Dienstwagen, den sie auch unbegrenzt privat nutzen können, heute zur Normalausstattung. 98 Prozent aller Geschäftsführer kommen in den Genuss dieser gleichermaßen kosten- wie steuergünstigen Zusatzleistung. In über 40 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Leasingfahrzeuge. Mietfahrzeuge spielen als Firmenwagen fast keine Rolle. Die Wagen sind durchschnittlich 36 Monate oder 120.000 Kilometer im Einsatz.

Dienstfahrzeugmarken und –typen (in Prozent der Unternehmen bzw. der jeweiligen Marken)

Marke in % häufigste Typen (Anteil in % der Marke)
Mercedes 32 E-Klasse ab E 280 (36 %), E-Klasse bis 280 (19 %), S-Klasse (12 %)
Audi 30 A6 (55 %), A8 (30 %), A4 (6 %)
BMW 24 5er-Klasse ab 530 (42 %), 7er-Klasse (15 %), 5er-Klasse bis 523i (15 %)
VW 6 Passat/Touareg
Volvo 3 Volvo S 80/V 70
Porsche 3 Cayenne, 911 Carrera
Sonstige 2 Renault, Jaguar, Range Rover
Quelle: Kienbaum 2007:

Bei den Dienstfahrzeugen der Geschäftsführer sind die Marken Audi oder Mercedes am häufigsten in den Unternehmen vertreten. Mit etwas Abstand dahinter folgt BMW. Alle anderen Hersteller spielen auf der Geschäftsführerebene eine untergeordnete Rolle.

In vielen Unternehmen werden unterschiedliche Marken gefahren. Dabei verfügen Geschäftsführer im Vergleich zu den leitenden Angestellten über stärkere und größere Fahrzeuge: Vorherrschend sind bei Mercedes Modelle ab E 280, bei BMW die stärker motorisierten Typen der 5er- sowie der 7er-Reihe und bei Audi der A6 und der A8. In den neuen Bundesländern werden tendenziell kleinere und schwächer motorisierte Modelle gefahren. Die Anteile von VW, Opel und Ford sind größer als im Westen.

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