Investmentbanken Die Party ist vorbei

Zwar haben gute Geschäfte im ersten Halbjahr die Bonustöpfe der Investmentbanken ordentlich gefüllt. Doch dann kam die Kreditkrise. Özcan Acikel vom Headhunter Smith & Jessen erwartet nun sinkende Bonuszahlungen und Entlassungen für die erfolgsverwöhnte Branche.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Investmentbanker sind Realisten. Im Dezember wissen sie, was sie an Boni von ihren Arbeitgebern erhalten - und im nächsten Jahr beginnt dann für viele freiwillig oder erzwungen das Kofferpacken. Für Özcan Acikel steht schon jetzt fest: Auch in Deutschland werden die Bonuszahlungen generell sinken und die Entlassungen steigen.

"Der Höhepunkt bei den Bonuszahlungen wurde auch in Deutschland im vergangenen Jahr erreicht", sagt der Geschäftsführer des Frankfurters Büros des Personalberatungsunternehmens Smith & Jessen. Rekordzahlungen von mehr als 50 Millionen Dollar an Spitzenmanager in den USA gehören seiner Ansicht nach vorerst der Vergangenheit an.

In Großbritannien hat das Londoner Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmens Centre for Economics and Business Research bereits herausgefunden, dass der Bonustopf um etwa 15 Prozent schrumpfen wird. Acikel ist dagegen für Deutschland mit seiner Prognose noch vorsichtig. Für eine genauere Aussage sei es noch zu früh.

Auf der einen Seite sei im ersten Halbjahr das Geschäft im Investmentbanking in Deutschland sehr gut gelaufen, berichtet Acikel. Nach der Untersuchung des Finanzdatenanbieters Thomson Financial haben die Investmentbanker im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen in Deutschland bis dato 1,63 Milliarden Euro an Gebühren reingeholt. 2006 waren es 1,45 Milliarden Euro.

Auf der anderen Seite ist die Gemengelage derzeit seiner Ansicht nach noch immer zu unübersichtlich. Noch könne niemand genau abschätzen, wie stark sich die Vertrauenskrise unter den Banken, die von der Krise am amerikanischen Subprime-Markt losgetreten wurde, auswirken werde.

Die Bekanntgabe der Geschäftsentwicklung von den großen amerikanischen Investmentbanken hat noch keine wirkliche Klarheit gebracht. So glänzte Goldman Sachs  mit einem Gewinnsprung um fast 80 Prozent, während der kleinere Konkurrent Bear Stearns  einen 61-prozentigen Gewinnrückgang melden musste.

Gute Leute, interessante Konditionen

Gute Leute zu interessanten Konditionen

Der Chef der Deutschen Bank , Josef Ackermann, hatte erst vor wenigen Tagen eine Kehrtwende vollzogen. Anfang September hatte er berichtet, dass die Deutsche Bank kaum von der Krise betroffen sei. Vor wenigen Tagen gab er bekannt, dass die Erfolgsrechnung im dritten Quartal belastet sei.

Deshalb gibt sich Acikel mit seiner Prognose noch zurückhaltend. "Wenn aber die Märkte aber weiter einbrechen", so der Headhunter, "dann wird der Bonustopf für die Investmentbanker in Deutschland um etwa ein Viertel zusammenschrumpfen".

Acikel hat zudem festgestellt, dass die Zahl der Beschäftigten in den Bereichen Handel, Verkauf und Strukturierung im Bereich der Asset-Klasse Kredite von den Instituten auch in Deutschland derzeit auf ein Minimum heruntergefahren wird. Dieser Bereich gehörte zu den Zugpferden für die Gewinne der Häuser in den vergangenen Jahren. "Dort werden verstärkt Stellen abgebaut werden", sagt er. Auf der anderen Seite betreiben manche Häuser aber auch das "Cherry Picking". "Sie nutzen die Marktsituation, um gute Leute zu interessanten Konditionen zu bekommen", sagt Acikel.

"Leute gesucht, die Krisenmanager sind"

Bei dieser Suche nach qualifiziertem Personal zu niedrigeren Konditionen steht auch die in die Krise geratene Mittelstandbank IKB  im Blickpunkt. "Im Bereich der Verbriefung ist die Zahl der Abgänge doch sehr auffällig", hat Acikel beobachtet.

Hoch ist die Nachfrage dagegen nach wie vor für den Bereich der in Not geratenen Kredite. In diesem Bereich herrscht für deutschsprachige Experten ohnehin Knappheit, erläutert der Personalberater. Viele deutsche Banken würden diesen Bereich in der Erwartung einer Restrukturierungswelle unter den deutschen Unternehmen massiv aufstocken.

Restrukturierungsexperten sind auch bei den Private-Equity- und Hedgefonds jetzt sehr gefragt. Die Hysterie bei der Suche nach Personal in diesem Bereich sei beendet. "Aber jetzt werden von Finanzinvestoren massiv Leute gesucht, die Krisenmanager und nicht Zahlenspieler sind", sagt Acikel.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.