Metro/Haniel Zwei Konzerne, ein Chef

Die Ernennung von Eckhard Cordes zum Metro-Chef war sorgfältig vorbereitet. Im Interview mit manager-magazin.de sagt Kienbaum-Vize Jürgen Kunz, warum Eckhard Cordes bei der Führung von Haniel und Metro erfolgreich sein wird. Und er wagt einen heißen Tipp, wer neuer Metro-Aufsichtsratschef wird.
Von Karsten Langer

mm.de: Herr Kunz, trauen Sie es Eckhard Cordes zu, Haniel und Metro gleichermaßen erfolgreich zu führen?

Kunz: Ich glaube, dass Cordes das schafft. Die Aufgabe ist aber selbst bei optimaler Organisation eine gewaltige Herausforderung. Wenn man andere große Konzerne betrachtet, geht das aber durchaus. DaimlerChrysler hat 360.000 Mitarbeiter und einen weltweiten Umsatz von 150 Milliarden Euro. Addiert man den Umsatz von Haniel und Metro, liegt man bei 88 bis 90 Milliarden Euro und 320.000 Mitarbeitern. Man kann also Unternehmen von einer solchen Größenordnung erfolgreich führen. Und wie die (Gesamt)struktur beider Unternehmen am Ende aussieht, wird sich zeigen.

mm.de: Was wird Cordes bei Metro verändern?

Kunz: Ich bin mir sicher, dass der jetzt eingeschlagene Weg sehr gut vorbereitet gewesen ist und die strategischen Konzepte in der Schublade lagen und liegen. Das war kein Sprung ins kalte Wasser. Um erfolgreich zu sein, wird es für Cordes jetzt darauf ankommen, die zukünftige Unternehmensstrategie nach innen und nach außen schlüssig zu kommunizieren.

mm.de: Muss Cordes wegen seiner Doppelrolle mit Machtverlusten bei Haniel oder Metro rechen?

Kunz: Cordes ist ein sehr guter Kommunikator und Motivator. Er hat gute Chancen, die entscheidenden Führungskräfte beider Unternehmen auf seine Seite zu ziehen. Denn bei aller Strategie und aller Vision kommt es darauf an, dass er seine alte und neue Mannschaft entsprechend formiert. Er wird sich genau ansehen, wer aus den Führungsteams für die zukünftigen Herausforderungen geeignet ist und wer ihn unterstützen kann.

mm.de: Wird Haniel unter Cordes neuer Aufgabe leiden?

Kunz: Cordes wird sich sicher bei Haniel ein Stück frei machen können. Bei Haniel kann Cordes Zeit einsparen, da greift er auf ein Team zurück, das ihm den Rücken von allen operativen Aufgaben freihält.

Strategischen Leitlinien festlegen

mm.de: Welche Aufgaben sollte Cordes delegieren?

Kunz: Cordes sollte die strategischen Leitlinien festlegen. Die Umsetzung sollte er kontrollieren. Alle operativen Ziele sollte er durch die Linien-Manager umsetzen lassen. Cordes muss den Kopf freihaben für die wesentlichen Dinge.

mm.de: Einen vergleichbaren Posten wie Cordes hat in Europa nur Nissan-Renault-Chef Carlos Goshn. Denken Sie, dass Cordes sich an dessen Strategie orientieren kann?

Kunz: Ich glaube, dass Cordes seinen eigenen Weg geht. Er wird keinen Topmanager kopieren. Es gibt sicherlich Vorbilder, etwa Jack Welch. Der hat vorgemacht, wie man ein Unternehmen ganz nach vorne bringen kann.

mm.de: Zwei Unternehmen parallel zu führen ist dennoch mit vielen Risiken verbunden.

Kunz: Ich sehe das etwas anders. Wenn man etwa Thyssen als Beispiel nimmt, dann gibt es dort auch die entsprechenden Sparten. Ob dann nachher in der Struktur eine Holding über die verschiedenen Geschäftsfelder gesetzt wird, das wissen wir jetzt ja noch gar nicht. Ein Konglomerat kann durchaus funktionieren. Sich breiter aufzustellen, gehört meines Wissens zur Familienpolitik von Haniel. Dafür muss man eine gewisse Managerstruktur haben, und oben muss die Gesamtstrategie zusammenlaufen. So könnte man das Unternehmen Haniel / Metro auch betrachten und so führen. Ich denke, es wird eine strukturelle Weiterentwicklung geben, und ich glaube auch, dass die längst ausgearbeitet ist.

mm.de: Wieso ist gerade Cordes für diesen Job geeignet?

Kunz: Cordes hat ein gutes Rollenverständnis. Er wird sich im Schwerpunkt auf die strategische Komponente bei Metro konzentrieren. Das ist für ihn besonders günstig, denn die kennt er. Cordes war ja bisher Metro-Aufsichtsratsvorsitzender und ist Mitglied in allen wichtigen Metro-Ausschüssen: im Präsidiums-, im Personal- und Nominierungsausschuss, im Prüfungsausschuss und im Vermittlungsausschuss. In all diesen Gremien ist er Vorsitzender. Cordes ist also bis ins letzte Detail in alle wichtigen strategischen Fragen und Entscheidungen eingeweiht, er hat sie als Aufsichtsratschef auch mitgestaltet.

Wer Metro-AR-Chef werden könnte

mm.de: Und der kommende Metro-Aufsichtsratschef ist mit Sicherheit ein Cordes-Vertrauter?

Kunz: Ich will nicht sagen, dass der Vorstand sich seinen eigenen Aufsichtsrat aussuchen kann. Aber es ist doch nahe liegend, dass man sich über diese Personalie im Vorwege genaueste Gedanken gemacht hat.

mm.de: So ist auch von dieser Seite kein Widerstand zu erwarten?

Kunz: Die Eigentümer wissen ganz genau, was sie wollen. Cordes weiß auch, was er will. Seine Ideen decken sich mit denen der Eigentümer. Und ich wette, man hat schon jetzt einen Metro-Aufsichtsratsvorsitzenden in petto, der genau in diese Konstellation passt.

Wenn man zugrunde legt, wer sonst noch im Aufsichtsrat und den wichtigen Ausschüssen sitzt, gibt es da einen Herren, der auch Mitglied im Aufsichtsratspräsidium ist und der für den Posten in Betracht käme. Bayer-AR-Chef Manfred Schneider war auch im Personalausschuss, der für Cordes votiert hat. Außerdem sitzt Schneider im Nominierungsausschuss, der vorschlägt, wer in den Aufsichtsrat aufgenommen werden soll.