Berufswahl Der Weg zum Traumjob

Viele Menschen sind unglücklich im Job. Das kann an der Berufswahl liegen, am Arbeitsumfeld oder an den Kollegen. Tatsächlich kann jeder seinen Traumjob finden. Man muss sich nur die Mühe machen, herauszufinden, was man will.

Hannover/Berlin - Kinder wissen meist ganz genau, was sie später einmal werden wollen: Feuerwehrmann, Polizist oder Tierarzt. Ein paar Jahre später sieht das meistens ganz anders aus.

Erwachsene müssen herausfinden, was sie wollen, bevor sie Änderungen im Berufsleben in Angriff nehmen können. Ein Blick in die Kindheit hilft dabei, sagt Angelika Gulder. "Kinder sind ehrlich und noch nicht so sehr von der Gesellschaft beeinflusst", so die Psychologin aus Hofheim. Aufschlussreich seien etwa Lieblingsfähigkeiten wie zum Beispiel Zuhören, Analysieren, Helfen oder Einrichten. "Berufliche Orientierung ist das Zusammensetzen eines großen Puzzles", sagt Gulder. Der Austausch mit Freunden oder einem Coach könne helfen.

Eine schrittweise Begleitung für alle, die ohne Berufsberater an die Sache gehen möchten, gibt der Autor und Berufsberater Jürgen Hesse. In seiner "Praxismappe Berufsfindung" müssen sich die Suchenende harten Fragen stellen: Was würden Sie tun, wenn Sie nur noch ein Jahr zu leben hätten? Was erwarten Sie vom Leben? "Man muss sich auf die Fragen einlassen", sagt Hesse. Manchmal dauere es Monate, bis die richtigen Antworten formuliert sind. "Auf diesem Wege kann man viel erreichen", sagt der Berufsberater. Das Unterbewusste gebe Hinweise, was man sich beruflich tatsächlich wünscht.

Nicht jeder, der unzufrieden ist mit seinem Job, sei dort tatsächlich völlig fehl am Platz. "Sie müssen genau betrachten, ob es wirklich die äußeren Umstände sind oder vielleicht doch Gründe, die mit der Persönlichkeit zu tun haben", sagt Psychologin Gulder. Manchmal sei die Unzufriedenheit eine Projektion von Privatem auf den Beruf. "Dann ist vielleicht gar nicht der Job schlimm, sondern mit der Beziehung stimmt was nicht", so Gulder weiter.

Traumjob mit Tücken

Traumjob mit Tücken

Kleine Änderungen mit großer Wirkung sind möglich, wenn die eigenen Bedürfnisse ernster genommen werden. Wer beispielsweise ein Bedürfnis nach Kommunikation hat, aber in einem Einzelbüro sitzt, kann vielleicht seinen Schreibtisch mit einem Kollegen tauschen.

Manchmal sei es gut, eine Zeit lang Listen zu führen mit allem, was gut gefällt und was nicht. Einzelne unangenehme Dinge könnten vielleicht delegiert oder mit Kollegen getauscht werden. Es müsse nicht gleich das ganze Leben radikal auf den Kopf gestellt werden, sagt Gulder.

Auch Hesse warnt davor, alle Brücken hinter sich abzubrechen und einer Traumvorstellung hinterherzulaufen. "Jeder Job hat seine Schattenseiten", sagt der Psychologe. "Wenn man sich mit diesem Gedanken versöhnt, ist es gar nicht mehr so schlimm", sagt Hesse. Die Orientierung an den positiven Dingen erleichtere das Leben. Viele schaffen es auch, sich so mit ihrer Situation zu arrangieren.

Das Umsetzen neuer Zukunftspläne muss in jedem Fall gut vorbereitet sein. "Das ist nichts, was man nebenbei machen kann", weiß Rüdiger Hoff, Trainer für Life Work Balance. Dabei spielten andere Menschen eine zentrale Rolle. "Wir stellen die Aufgabe, Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die genau das tun, was Sie machen möchten." Auf diese Weise kann der Suchende herausfinden, ob die Realität auch wirklich so ist, wie er sie sich vorstellt. Am Anfang sei es vielleicht eine Hürde, die Menschen einfach anzusprechen - aber nach Hoffs Erfahrung reden die meisten Menschen gerne über ihren Job.

Daniel Raabe sieht im aktiven Engagement auch den besten Weg für Jugendliche: "Die schönsten Info-Filme bringen nichts, wenn ich nicht ausprobiere, wie die Realität aussieht." Eigeninitiative komme auch bei Chefs gut an. Dabei seien aber Ausdauer und Mut gefragt: "Vielleicht werde ich neun Mal abgewiesen, aber dann klappt es beim zehnten Mal", sagt Raabe. Berufsfindung ist eben ein langer Prozess und harte Arbeit, da sind sich die Berufsberater einig.

Kirsten Westhuis, dpa

Aufsteiger-Check: Testen Sie Ihr Potenzial!

Test: Wie gut können Sie sich bewerben?

Mehr lesen über