Deutsche Post Ein Mann für die Börsen

Die internationale Investorenkritik an der Deutschen Post zeigt Wirkung: Der zuständige Vorstand, Edgar Ernst, tritt ab. Neuer Finanzchef wird der bisherige Logistikvorstand John Allan. Auch Frank Appel, der als Kronprinz von Post-Chef Klaus Zumwinkel gilt, erhält mehr Macht.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Post  hat ab Oktober mit John Allan einen neuen Finanzchef. Der bisherige Finanzvorstand, Edgar Ernst (55), werde zum 30. September ausscheiden, teilte das Unternehmen am Freitag in Bonn mit. Der langjährige Weggefährte von Post-Chef Klaus Zumwinkel wird sich künftig auf seine Honorarprofessur in Koblenz-Vallendar konzentrieren.

Noch Ende August hatte die Post erklärt, Finanzchef Ernst stehe nicht zur Disposition, nachdem in einem Pressebericht von einer vorzeitigen Abberufung des langjährigen Vorstandsmitglieds die Rede war.

Der 59-jährige Allan war seit 2006 im Vorstand für den Bereich Logistik zuständig, dessen Hauptquartier in Bracknell/London angesiedelt ist. Neben den Finanzen wird er künftig auch für die Global Business Services (GBS) verantwortlich sein. Darunter sind im Konzern Querschnittsaufgaben wie IT, Einkauf, Immobilien und Recht zusammengefasst.

Bevor er zur Deutschen Post stieß, war der Brite Chef des britischen Logistikers Exel , den die Post vor zwei Jahren kaufte. Allan hatte Exel aus 16 Einzelunternehmen geschmiedet und blickt auf rund 20 Jahre Erfahrung in der Branche. In seiner neuen Funktion als Finanzchef soll er auch die Kapitalmarktstrategie der Post verantworten.

Allans bisherige Aufgabe als Logistikvorstand soll Frank Appel (46) übernehmen. Diese Funktion hatte er schon einmal inne, bevor die Deutsche Post Exel übernahm. Er wird künftig außerdem die Bereiche Brief International, Regulierungsmanagement und Global Customer Solutions (GCS) verantworten.

Allan soll die Börsen umschmeicheln

Allan soll die Börsen umschmeicheln

Appel habe nun die Verantwortung für mehr als die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes, kommentierte ein Post-Sprecher. Der Manager gilt als wahrscheinlicher Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel, dessen Amtszeit Ende 2008 nach dann 18 Jahren ausläuft.

Von Allans Berufung erhofft sich das Bonner Dax-Unternehmen neue positive Impulse auf dem Kapitalmarkt. Man habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Wahrnehmung der Post bei den Investoren zu wünschen übrig lasse, was wohl auch mit der Kommunikation gegenüber den Anlegern zusammenhänge, sagte der Unternehmenssprecher.

Unter anderem auf der Hauptversammlung im Mai hatte die Post heftige Kritik von Investoren zu hören bekommen. Sie warfen dem Unternehmen Intransparenz und Verschleierungstaktik vor. Mit der neuen Strategie, die sie im November verkünden wird, will die Post dieser Kritik Rechnung tragen. So betont sie in ihrer Ad-hoc-Mitteilung, Allan verfüge über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Finanzberichterstattung, Buchhaltung, Controlling sowie Fusionen und Übernahmen. Daneben genießt er wohl als Selfmade-Man gutes Ansehen in der Londoner "City".

Offenbar hatte das Unternehmen schon eine ganze Weile nach einem Nachfolger gesucht. Mit Allan hat man einen englischen Muttersprachler gefunden, der den globalen Anspruch des Logistikers unterstreicht.

Der scheidende Ernst gilt als enger Vertrauter von Post-Chef Zumwinkel. Wie er und Frank Appel hat er seine Sporen bei McKinsey verdient. Seit 1990 war Ernst führend im Management der Post und früheren Deutschen Bundespost tätig. Gemeinsam mit Zumwinkel begleitete Ernst die Privatisierung und den Börsengang des früheren Staatsunternehmens sowie die internationale Expansion.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afx, reuters und dow jones

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