China Kein Paradies für Millionäre

Die neuen Millionäre im Reich der Mitte haben einen schlechten Ruf. Sie kümmern sich wenig um ihre Mitmenschen, sind arrogant und nur mit unlauteren Methoden wohlhabend geworden. Das denken Chinesen über ihre reichen Landsleute - eine Umfrage enthüllt, wie tief die soziale Kluft im Land ist.

Peking - Reiche Chinesen sind bei ihren Landsleuten nicht gut angesehen. Wie schlecht ihr Ruf ist, das zeigt jetzt eine neue Umfrage der Jugendzeitung "Zhongguo Qingnianbao". Zwei Drittel der knapp 4000 Befragten sind der Ansicht, ihre neureichen Mitbürger seien auf unlauteren Wegen an ihr Geld gekommen. Außerdem halten sie ihnen mangelnde Sozialverantwortung vor - und arrogantes Verhalten. "Viele Reiche kommen durch illegale Geschäfte wie Bestechung an ihr erstes Vermögen", sagte ein Teilnehmer der Umfrage. "Und viele berauschen sich danach an materiellen Gütern wie schicken Autos und Luxusvillen."

"Die schlechte Meinung über Reiche in China spiegelt deren unzureichenden Beitrag zur Gesellschaft wider", wird Xia Xuelan zitiert, Soziologieprofessor an der Peking-Universität. Einen solchen Beitrag forderten in der Umfrage auch viele Befragte. Außerdem wünschen sie sich von den Neureichen mehr Gutherzigkeit und Redlichkeit.

Die Umfrage zeigt, wie tief die soziale Kluft in der chinesischen Gesellschaft inzwischen ist. Vom Boom der vergangenen Jahre hat nur ein geringer Anteil der Bevölkerung stark profitiert - der große Teil lebt zwar in besseren Bedingungen als noch vor Jahren, aber im Vergleich deutlich schlechter als die neue Elite.

Schon seit langem weisen Kritiker des chinesischen Wirtschaftssystems auf das zunehmende Verteilungsproblem hin. Die Regierung in Peking habe es nicht geschafft, ökonomisches Wachstum und sozialen Frieden in Einklang zu bringen, wird immer wieder moniert. Vor allem in ländlichen Regionen sei vom Aufschwung nichts zu spüren - während in den Städten durch Spekulationen an der Börse viele Menschen reich würden. Tatsächlich aber auch dort viele aufgrund schlechter Beratung und dem grassierenden Spekulationsfieber ihre Rücklagen verloren. Kürzlich hatte der chinesische Aktienmarkt einen drastischen Kurseinbruch verzeichnet.

Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge liegt die Zahl der Chinesen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Dollar schon bei 1,5 Millionen - mit einem jährlichen Zuwachs von 15 Prozent. Rund zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz machen Hersteller von Luxusgütern in China - das Land ist damit hinter den USA und Japan der drittgrößte Markt für Luxusprodukte. Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge wächst dieser Markt jährlich um 20 Prozent.

Chinas Wirtschaft wächst seit 2003 jährlich um mehr als 10 Prozent. Berichten zufolge gibt es etwa eine halbe Million Dollar-Millionäre, China ist nach den USA der zweitgrößte Markt für die Mercedes-S-Klasse - selbst in Deutschland verkauft DaimlerChrysler  weniger Autos aus dem Luxussegment.

Um die Korruption im Land zu unterbinden, geht die chinesische Regierung inzwischen mit aller Härte gegen bestechliche Staatsdiener vor. Nicht selten werden verurteilte Beamte hingerichtet. Chinas Präsident Hu Jintao bezeichnete den Kampf gegen Korruption jüngst als "Angelegenheit von Leben und Tod" für die kommunistische Partei Chinas.

manager-magazin.de mit Material dpa-AFX

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