Post Medienmanager schreckt Konkurrenz

Der ehemalige WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt wird neuer Bereichsvorstand bei der Post. Offiziell soll Glandt das Geschäft mit Medienunternehmen ausbauen. Er könnte aber auch eine Gratiszeitung entwickeln - als Konkurrenzprodukt zu den Medienkonzernen, die gerade versuchen, auf dem Postmarkt Fuß zu fassen.

Bonn - Lutz Glandt, (51), wird zum 1. Oktober 2007 Mitglied des Bereichsvorstandes Brief Deutschland bei der Deutschen Post. Das teilte der Logistikkonzern gestern in Bonn mit. Glandt wird für den Bereich Presse Services zuständig sein und rund 10 Prozent des Umsatzes im Unternehmensbereich Brief verantworten. Zu seinen künftigen Aufgaben gehören der Ausbau des Geschäfts mit Medienunternehmen und die Weiterentwicklung von unadressierten Sendungsformen.

Brancheninsidern zufolge ist die Einstellung Glandts ein Warnschuss vor den Bug der Medienkonzerne. Die engagieren sich gegenwärtig verstärkt auf dem Markt für Briefzustellung und machen so der Post Konkurrenz. So hat etwa der Axel-Springer-Verlag  erst kürzlich für 500 Millionen Euro den Post-Wettbewerber Pin gekauft. Auch die Otto-Tochter Hermes kündigte an, mit dem Wegfall des Post-Monopols in den Briefmarkt einsteigen zu wollen.

Im Gegenzug könnte die Post auf dem Medienmarkt wildern. Glandt wäre der richtige Mann, um in kurzer Zeit eine Gratiszeitung auf den Markt zu bringen. Ein solches Blatt könnte etwa in Konkurrenz zur "Bild" treten. Der Vertrieb einer solchen Gratiszeitung wäre für die Post absolut kein Problem.

Glandt gilt als Medienfachmann und verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Führungspositionen der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche. Seit zwei Jahren berät er den Post-Konzernvorstand in Medienfragen. Zuvor war er langjähriges Mitglied der Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe in Essen.

Dort hatte Glandt im September 2005 als einer von vier Geschäftsführern seinen Posten geräumt. Sein Vertrag war nicht verlängert worden. Nach offizieller Lesart verließ Glandt den Medienkonzern im besten Einvernehmen. Es gab aber auch Spekulationen, dass der einstige Verlagsleiter der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" konservativen Anteilseignern zu reformfreudig war.

Glandt wird an Jürgen Gerdes, Vorstand Brief und Paket Deutschland im Konzern Deutsche Post World Net, berichten.

manager-magazin.de

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.