Otto Group Die Zeit nach Michael

26 Jahre stand Michael Otto an der Spitze des von seinem Vater gegründeten Versandhauskonzerns. Der Otto-Umsatz betrug zuletzt über 15 Milliarden Euro, die Online-Tochter ist der weltweit zweitgrößte Webhändler nach Amazon. Am Donnerstag wird Michael Otto mit einer Gala verabschiedet.

Hamburg - Am Donnerstag feiert Michael Otto mit einer festlichen Gala seinen Abschied von der Spitze des Hamburger Familienkonzerns Otto: Nach fast 26 Jahren gibt er zum 1. Oktober seinen Vorstandsposten ab und wechselt danach in den Aufsichtsrat.

Rund 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur versammeln sich dann in den Börsensälen der Handelskammer Hamburg, um den Unternehmer und Mäzen von der Kommandobrücke zu verabschieden. Als Gast angesagt hat sich unter vielen anderen auch Bundespräsident Horst Köhler; Ansprachen halten der Hamburger Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer, Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD).

Der große Rahmen scheint dem Ereignis angemessen. Führungswechsel sind beim Hamburger Weltkonzern Otto ein höchst seltenes Ereignis. Wenn Hans-Otto Schrader auf dem Chefsessel Platz nimmt, ist er erst der vierte Otto-Chef in der bald 60-jährigen Unternehmensgeschichte.

Schon einmal hat ein familienfremder Manager das Unternehmen geführt: Zwischen dem Unternehmensgründer Werner Otto und seinem ältesten Sohn Michael stand von 1966 bis 1981 Günter Nawrath an der Spitze des Unternehmens. Werner Otto, der heute 98-jährig in Berlin lebt, hatte sich nach einem Herzinfarkt anderen unternehmerischen Aktivitäten zugewandt. In Nawraths Amtszeit schaffte der damalige Otto Versand die erste Umsatzmilliarde.

Geschichte wiederholt sich: Die beiden Kinder von Michael Otto arbeiten nicht im Unernehmen. Tochter Janina engagiert sich eine Zeit lang als Entwicklungshelferin in Afrika; sie strebt nicht in die Firma. Sohn Benjamin ist 32 Jahre alt und hat in Berlin ein erfolgreiches Unternehmen gegründet. Seine Firma "Intelligent House Solutions" plant und gestaltet gewerbliche und private Räume und rüstet sie mit modernster Elektronik aus. Das Unternehmen des Otto-Sohnes floriert. Er soll und will mittelfristig bei Otto einsteigen; der Zeitpunkt ist jedoch völlig offen.

Vom Mittelständler zum Weltkonzern

Somit können sich Schrader und sein Vize Rainer Hillebrand auf eine lange Amtszeit einrichten. Die Ansprüche an das neue Führungsduo sind hoch: Michael Otto hat in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten aus dem Mittelständler einem Weltkonzern geformt.

In den knapp 26 Jahren, die der 64-jährige dem Hamburger Otto-Konzern vorstand, stieg der Umsatz des Unternehmens von 3,7 Milliarden Mark auf 15,3 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern betrug zuletzt 507 Millionen Euro. Die Anzahl der Mitarbeiter kletterte im gleichen Zeitraum von 10.800 auf 53.000, die Zahl der wesentlichen Konzernunternehmen von 13 auf 123.

Otto kaufte oder gründete Firmen und Gemeinschaftsunternehmen in allen wichtigen Industrieländern, diversifizierte die Konzernaktivitäten im Inland und trieb innovative Vertriebsformen wie den Internethandel energisch voran. Nach starkem Wachstum im Online-Geschäft ist Otto der zweitgrößte Onlinehändler weltweit nach Amazon .

Neben dem Hamburger Stammhaus gehören zum Konzern unterdessen Versandhändler wie Heine, Schwab und Baur, Einzelhandelsketten wie Sportscheck und Zara-Deutschland, der Finanzdienstleister Eos und die Logistik-Gruppe Hermes. Zu den vielfältigen und verzweigten Aktivitäten zählen weiterhin Tourismus sowie Bank-, Inkasso- und Versicherungsdienstleistungen. Insgesamt umfasst die Gruppe 123 Unternehmen in 19 Ländern.

Die Eigentümerstruktur der Gruppe ist vielfach verschachtelt zwischen den Mitgliedern der Familie Otto und diversen Holdings, Zwischenfirmen und operativen Gesellschaften. Michael Otto gehören die meisten Anteile, er kann den größten Einfluss ausüben. Mit einem Anteil von 25 Prozent sind die Eigentümer der Essener WAZ-Gruppe, die Familien Brost und Funke, an Otto beteiligt.

Neben dem unternehmerischen Erfolg lag Otto die Verantwortung des Unternehmers für Umwelt und Gesellschaft stets besonders am Herzen. Er warf Pelze aus dem Programm, optimierte die Logistik auf möglichst geringen CO2-Verbrauch und setzte schon Mitte der achtziger Jahre Umweltschutz als ausdrückliches Unternehmensziel fest.

"Ich werde ein aktiver AR-Chef sein"

"Das galt zunächst als etwas exotisch", beschrieb er in hanseatischer Zurückhaltung die Reaktion seiner Manager-Kollegen. "Heute haben alle verantwortlichen Unternehmer erkannt, wie wichtig ihre Verantwortung für Mensch und Umwelt ist."

Otto prüft die Arbeitsbedingungen bei seinen Lieferanten, fördert Bio-Baumwolle in der Türkei oder leistet Entwicklungshilfe in Afrika. Nebeneffekt ist ein stark positives Image des Unternehmens, das sich bei Kunden und Mitarbeitern auswirkt.

Seinen Nachfolgern hat Otto einiges Gepäck aufgeladen: "Die Otto Group soll im Jahr 2020 die renditestärkste global agierende Gruppe von Einzelhändlern und handelsnahen Dienstleistern sein und sich dabei mit überlegenen Unternehmenskonzepten auszeichnen", fordert er. Das Fundament sei gelegt, die Gruppe bestens für die Zukunft gerüstet.

Künftig will Otto als Vorsitzender des Aufsichtsrats weniger als die Hälfte seiner Arbeitszeit mit dem Unternehmen verbringen. Nach dem Wechsel in den Aufsichtsrat will sich der Unternehmer verstärkt seinen zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben widmen, vor allem seiner Umweltstiftung und dem Projekt "Cotton for Africa".

Zahlreich sind auch seine Engagements in den Bereichen Kunst und Kultur, etwa für die Hamburger Elbphilharmonie, die Staatsoper, das Museum für Hamburgische Geschichte oder die Kunsthalle Hamburg. Der Unternehmer wurde dafür vielfach ausgezeichnet. Neben seinen bleibenden Aufgaben bei Otto erhofft er sich auch mehr Freizeit für Familie und Sport.

Aber auch in Zukunft wird Otto die Geschicke seines Unternehmens mit Argusaugen beobachten. "Ich werde ein aktiver Vorsitzender sein", sagt Otto. "Das bringt schon die Rolle des Hauptgesellschafters mit sich." Aus dem operativen Geschäft will er sich heraushalten, eine Schlüsselfigur für das Unternehmen bleibt er dennoch.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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