Anita Roddick Body-Shop-Gründerin gestorben

Als Lehrerin hatte sie keine Ahnung vom Geschäft, Betriebswirtschaft war ihr fremd. Dennoch schuf die Body-Shop-Gründerin Anita Roddick mit einer gewagten Strategie ein weltweit erfolgreiches Firmenimperium. Für ihr Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet.

London – Den ersten Body Shop eröffnete Anita Roddick 1976 in Brighton in Südengland. Die damals ziemlich revolutionäre Idee: Ein Kosmetikgeschäft mit Produkten, die ohne Tierversuche hergestellt sind und nur aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen.

Roddicks Unternehmensphilosophie schien dabei genauso exotisch wie die Produkte in den kleinen dunkelgrünen Flaschen. "Firmen, die nicht moralisch, sondern nur aus Profitgier handeln, schaden ihrem Geschäft", so Roddicks Überzeugung. Es folgten provokante Kampagnen gegen Gewalt und Kinderarbeit, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen. "Unternehmen haben die Kraft, Gutes zu tun", schrieb Roddick auf der Website ihrer Firma.

Sie wurde für ihr Engagement vielfach ausgezeichnet. Gleichzeitig wurde der Body Shop zum äußerst lukrativen Geschäft. Heute ist der Konzern eine weltweite Kette mit mehr als 2000 Läden in 54 Ländern.

Einen solchen Erfolg hätte sich Roddick nach eigenen Worten nie träumen lassen, als sie anfing. Sie habe als Lehrerin keine Ahnung vom Geschäft gehabt, erklärte sie gern. Die einzige betriebswirtschaftliche Weisheit, über die sie 1976 verfügte, sei der Rat ihres Mannes gewesen, pro Woche einen Umsatz von 300 Pfund zu erzielen. "Ich startete den Body Shop nur, um ein Auskommen für mich und meine beiden Töchter zu haben, während mein Mann, Gordon, den amerikanischen Kontinent bereiste." Ihr Umweltbewusstsein, das die Unternehmensstrategie prägte, habe sie ebenfalls von verschiedenen Reisen mitgebracht.

2002 gaben Roddick, eine gelernte Lehrerin, und ihr Mann ihre Posten als Co-Vorsitzende von Body Shop ab und arbeiteten nur noch als Berater. 2003 bekam Roddick den Titel Dame of the British Empire verliehen. Im vergangenen Jahr verkaufte Roddick ihr Unternehmen an die französische L'Oreal Group, es wird aber weiter unabhängig geführt.

John Sauven, Chef von Greenpeace, sagte, Roddick sei eine "unglaubliche Frau" gewesen, die "schmerzlich fehlen" werde. Mit ihrer Geschäftsidee sei sie "ihrer Zeit voraus" gewesen. Im Februar hatte die "Queen of Green" mitgeteilt, sie habe sich vor 30 Jahren mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt. Nun erlag sie einer Hirnblutung, wie es in einer Erklärung hieß. Ihr Mann und ihre beiden Töchter seien bei ihr gewesen.

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