Valentino Abschied einer Stilikone

Seit 45 Jahren floriert das italienische Modeimperium von Valentino Garavani. Ob Sofia Loren, Lady Diana oder Farah Diba - Valentinos Roben durften bei keinem großen Auftritt fehlen. Nun hat der Stardesigner seinen Rücktritt angekündigt.

Rom - Mit Tränen in den Augen hatte Valentino Garavani im Juli das Jubiläum zum 45-jährigen Bestehen seines Modeimperiums gefeiert. Ganz in weiß gekleidet lief der Modemacher zum Abschluss seines großen römischen Defilees über den Laufsteg, winkte den Zuschauern zu und konnte seine Rührung nicht verbergen. Das alles sah schon nach Abschied aus. Jetzt wurden die Spekulationen zur Gewissheit: Der 75-jährige Stardesigner nimmt seinen Hut - und tut dies wie gewohnt in ganz großem Stil.

In einem bewegenden Brief erklärte er am Dienstag der Modewelt die Beweggründe für seine Entscheidung: "I would like to leave the party when it's still full." - Er wolle sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere verabschieden, bevor irgendwann der Niedergang beginne. Typisch Valentino. Eitel ist er, ehrgeizig und perfektionistisch. Einer wie er hätte es kaum ertragen, irgendwann im Schatten irgendwelcher Jungstars und nicht mehr im Mittelpunkt der Modeszene zu stehen.

Ein ganz großer Auftritt steht dem gebürtigen Norditaliener mit der glatten Föhnfrisur aber noch bevor: Seinen endgültigen Abschied nimmt er erst im Oktober, wenn in Paris zum letzten Mal eine von ihm kreierte Pret-à-Porter-Schau vorgeführt wird. Die Modewelt ist gespannt: Sicher wird der Maestro mit einem furiosen Finale von den Laufstegen der Welt abtreten und noch einmal eine unvergessliche Kollektion zeigen.

Und sicher wird dabei auch wieder das berühmte "Rosso Valentino" mit von der Partie sein - jenes einzigartige Rot, mit dem er seit den 60er Jahren Diven und Prinzessinnen aus allen Teilen der Welt betört hat. "Seine Klasse, sein Talent und sein unvergleichliches Rot haben die ganze Welt verführt", sagte Italiens Superstar Sofia Loren, als sie von Valentinos Rücktritt erfuhr.

Nachfolgerin von Gucci

Nachfolgerin von Gucci

Wie so viele andere ist Loren seit Jahrzehnten eine eingefleischte Valentino-Verehrerin und holte sich sogar den Oscar für ihre Karriere in einem Kleid des Designers ab. So richtig bekannt wurde der Stylist 1968, als er Jacqueline Kennedy bei ihrer Hochzeit mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis in ein kurzes Cocktail-Kleid aus weißer Spitze hüllte.

Ob Farah Diba beim Weggang aus dem Iran, Lady Diana bei einer Charity-Veranstaltung des Royal Ballet oder Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung - Jet-Set-Schönheiten setzten bei großen Anlässen immer gerne auf die Eleganz einer Valentino-Robe. Es sei einfach großartig gewesen, "trotz aller Veränderungen in der Mode stets meinen eigenen Stil bewahren zu können", erklärte der Modeschöpfer nun.

Eine Nachfolgerin für Valentino steht bereits fest: Die frühere Gucci-Designerin Alessandra Facchinetti wird seine Posten übernehmen. Facchinetti wird neue Kreativchefin für die Damenmode des italienischen Unternehmens. Die Designerin hat bei Gucci an der Seite von Tom Ford gearbeitet.

In Branchenkreisen hieß es, die Beteiligungsgesellschaft Permira, die die Valentino Fashion Group im Juni übernommen hatte, habe den Posten mit einem jüngeren Nachfolger besetzen wollen, der kommerzieller denke und die Expansion in neue Geschäftsbereiche vorantreibe. Permira gehört auch der Modekonzern Hugo Boss , bei dem der Finanzinvestor inzwischen rund 81 Prozent der Stimmen und gut 41 Prozent des Kapitals kontrolliert. "Das Haus, das meinen Namen trägt, wird sich verändern, aber ich hoffe, dass das Kreativteam meine Arbeit auf eine Art fortsetzt, auf die ich stolz sein kann", ließ Valentino verlauten.

Dennoch sieht er sich noch lange nicht als Rentner, sondern hat große Pläne - ehrgeizig, wie er nun mal ist: "Meine Zukunft wird voller neuer Aufgaben und Interessen sein", schrieb er in seinem Brief. Unter anderem wird er als neuer Chef der römischen Alta-Moda-Tage gehandelt, die seit Jahren im Schatten der Defilees von Paris und Mailand stehen und einen Mann wie ihn an der Spitze vertragen könnten. Und so geht er zwar, "während sein Stern noch am höchsten steht", wie Kollege Giorgio Armani bemerkte - aber so ganz will Valentino die Party dann doch noch nicht verlassen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters