PSA-Chef Streiff "Die deutsche Industrie ist Vorbild"

Im Herbst 2006 quittierte der damalige Airbus-Chef Christian Streiff nach nur drei Monaten seinen Job. Besonders die deutsche Airbus-Fertigung kritisierte der Franzose: "Das Werk Hamburg ist das schwächste Glied in der A380-Produktion", mäkelte er. Heute sind deutsche Hersteller Streiffs Vorbilder für die PSA-Sanierung.

Paris - Wenn Christian Streiff mit seinen Vorstandskollegen spricht, dann greift er gerne mal zu einem deutschen Wort. Dabei ist Streiff wie seine Kollegen Franzose und erhielt seine Ausbildung an der elitären französischen Hochschule X-Mines. Doch für die Sanierung und weltweite Expansion von PSA Peugeot Citroen  verweist der Lothringer, der lange in Deutschland gearbeitet hat, über den Rhein. "Die deutsche Industrie ist Vorbild", sagt Streiff.

"Ich habe viel Achtung vor den Deutschen", betonte Streiff am Dienstag bei der Vorstellung seiner Effizienzkur für den zweitgrößten europäischen Autohersteller. "Die deutschen Hersteller etablieren in der Welt die Standards für Qualität, Leistung, Zuverlässigkeit."

Streiffs Erfolgsstrategie für PSA richtet sich daran aus. So will der Starmanager die Mängelquote halbieren, die Zeit zur Fehlerbehebung um zwei Drittel verkürzen und PSA bei der Servicequalität in die Spitze führen. Am Erfolg lässt er keinen Zweifel. "Die Gene von PSA kommen denen der Deutschen am nächsten", sagt er.

Als Streiff im Oktober 2006 seinen Chefsessel bei Airbus räumte, bewertete er die Leistungen der deutschen Tochter seines eigenen Unternehmens noch ganz anders: "Das Werk Hamburg ist das schwächste Glied in der A380-Produktion", befand der Manager. PSA verschreibt Streiff nun eine Sanierungskur, die ein wenig an Airbus erinnert. In seiner Zeit bei dem Flugzeugbauer hatte Streiff das Sanierungsprogramm "Power8" entworfen, das eine Globalisierung der Fertigung, Stellenabbau in der Verwaltung und Risikopartnerschaften mit Lieferanten vorsieht.

Für PSA plant Streiff neue Werke außerhalb Westeuropas, die Senkung der Verwaltungs- und Fixkosten um 30 Prozent und langfristige Entwicklungspartnerschaften mit den Zulieferern. Anders als bei Airbus, wo Streiff sich massivem politischem Einfluss ausgesetzt sah, muss er sich aber bei PSA nur mit der Peugeot-Familie verständigen.

Im Wettbewerb setzt Streiff auf die Zwei-Marken-Strategie. Peugeot und Citroen sollen dabei gleichermaßen die einzelnen Marktsegmente bedienen, aber mit unterschiedlicher Formensprache andere Kundengruppen ansprechen. "Peugeot soll robust und elegant sein und Sicherheit geben, Citroen soll als Avantgarde überraschen", sagt er. Übersetzt heißt das wohl: Peugeot ist für die konservativere Klientel und die kleine Schwester Citroen für jüngere, städtischere Käufer.

Streiff hat die Ziele hoch gesetzt. Doch voll überzeugen konnte er am Dienstag die Märkte nicht: Die Peugeot-Aktie  brach nach seiner Ankündigung um 2 Prozent ein. Schließlich ist auch der ewige Konkurrent Volkswagen  aus seinem Zwischentief heraus und wieder voll angriffsbereit. Auch Renault  setzt gerade zu einer Modelloffensive an und hat mit dem Billigauto Logan in den Schwellenländern einen Vorsprung rausgefahren. Und selbst die schon totgesagte Fiat-Gruppe  feiert fröhliche Auferstehung mit Modellen in PSA-Segmenten, von der japanischen Konkurrenz ganz zu schweigen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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