Workaholics Kein Schlaf, keine Karriere

Wer viel arbeitet, schläft wenig. Wer wenig schläft, arbeitet schlecht. Außerdem essen und trinken Kurzschläfer schneller und sehen mehr fern. Das alles ist nicht förderlich für einen gesunden Lebenswandel - und auch nicht für die Karriere.

Hamburg - Arbeit ist Schlaf raubend. Was klingt wie eine Binsenweisheit, wurde jetzt von amerikanischen Wissenschaftlern in einer Studie bestätigt. Die Forscher stellten fest, dass Menschen, die besonders viel arbeiten, wesentlich weniger schlafen als jene, die einen klassischen Achtstundentag haben.

Für ihre Studie befragten Mathias Basner und sein Team von der University of Pennsylvania 47.731 Erwachsene über einen Zeitraum von drei Jahren. In Telefoninterviews wollten die Forscher von den Probanden wissen, wie sie ihre Zeit zwischen 4 Uhr morgens am Vortag bis 4 Uhr morgens am Interviewtag verbracht hatten.

Das Ergebnis: Berufstätige, die maximal viereinhalb Stunden schlafen, arbeiten im Mittel an jedem Wochentag 93 Minuten und am Wochenende sogar 118 Minuten länger als der Durchschnitt, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Sleep". Im Gegensatz zu den Kurzschläfern schlummern Langschläfer elfeinhalb Stunden und mehr. Dafür arbeiten sie wesentlich weniger - an Wochentagen 143 Minuten weniger als der Durchschnitt und am Wochenende 71 Minuten.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitszeit für die Schlafzeit eine bedeutende Rolle spielt", sagt Mathias Basner. "Das ist wichtig, wenn man die Verbindung von Schlafzeit, Krankheiten und Sterblichkeit untersucht."

Dieser Meinung ist auch Jürgen Zulley, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg. "Wer zu viel arbeitet, schläft zu wenig und das ist ungesund", sagt er gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Das sollte man als Warnhinweis sehen, denn Schlaf ist die Vorraussetzung für Gesundheit und Leistung."

"Am Schreibtisch hocken ist kein Qualitätsmerkmal"

"Am Schreibtisch hocken ist kein Qualitätsmerkmal"

Ein Kurzschläfer und Vielarbeiter sei nicht automatisch produktiver. "Am Schreibtisch hocken ist kein Qualitätsmerkmal", sagt Zulley. In der Studie seien die Schlaf- und Arbeitszeiten verglichen worden, was nichts über die tatsächlich erbrachte Leistung aussage. Auch die Ursachen für den wenigen Schlaf wurden in der Studie nicht untersucht.

Nach Meinung des Regensburger Schlafforschers gibt es zwei Gründe, warum Vielarbeiter so wenig schlafen. Zum einen hätten sie weniger Zeit zum Schlafen: Sie kommen spät nach Hause und schlafen später ein. Zum anderen schlafen sie unruhiger - die viele Arbeit führt zu Stress und dieser wiederum zu Schlafstörungen. "Die wollen nicht weniger schlafen, aber ihre Lebensbedingungen rauben ihnen den Schlaf", sagt Zulley.

Basner und seine Kollegen stellten außerdem fest, dass die Kurzschläfer auch schneller essen und trinken und auch mehr Fernsehen. Alles nicht förderlich für einen gesunden Lebenswandel.

Was aber nicht bedeute, dass die Langschläfer besser abschneiden. Beides sei ungesund, sagt Zulley - am besten für gute Gesundheit und Leistungsfähigkeit sei eine mittlere Schlafdauer von sieben Stunden.

SPIEGEL ONLINE

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