IG-Metall Huber soll Peters ablösen

Richtungsentscheidung bei der IG Metall: Der als reformorientiert geltende Berthold Huber wurde vom IG-Metall-Vorstand als Nachfolger des scheidenden Vorsitzenden Jürgen Peters nominiert. Als Vize wurde der Huber-Getreue Detlef Wetzel vorgeschlagen.

Frankfurt am Main - Der bisherige IG-Metall-Vize Berthold Huber soll neuer Chef der größten deutschen Gewerkschaft werden. Darauf einigte sich der Vorstand am Montag in Frankfurt am Main, wie die IG Metall mitteilte. Der bisherige Erste Vorsitzende Jürgen Peters wird sein Amt im November aufgeben.

Neuer Zweiter Vorsitzender soll der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Detlef Wetzel werden. Er setzte sich gegen seinen niedersächsischen Amtskollegen Hartmut Meine durch. Wetzel wird dem Reformerlager um Huber, Meine dem traditionalistischen Peters-Flügel zugerechnet. Peters und Huber führen die IG Metall seit Mitte 2003.

Peters sprach nach Bekanntgabe des Vorstandsbeschlusses von einer schwierigen Entscheidungsfindung mit langen Debatten, die aber mit einem guten Ergebnis geendet habe. Huber sei einstimmig nominiert worden, bei Wetzel habe es eine "überwältigende Mehrheit" gegeben.

Auch für die übrigen Vorstandsposten gab der Vorstand einen Vorschlag ab. Peters sagte, er gehe davon aus, dass der gefundene Personalvorschlag einen breiten Konsens darstelle. Es sei darum gegangen, einen einigungsfähigen Vorschlag zu finden, der auf dem Gewerkschaftstag Anfang November eine breite Mehrheit finden würde.

Die Entscheidung des Vorstands war angesichts des erbitterten Nachfolgekampfs bei der IG Metall vor vier Jahren mit Spannung erwartet worden. Im Jahr 2003 hatte eine Kontroverse um die Führung die IG Metall vor eine Zerreißprobe gestellt. Seinerzeit hatte der damalige Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Zwickel Huber an seinem Vize Peters vorbei zum neuen Chef machen wollen. Der Vorstand wollte aber damals Peters als Ersten und Huber als Zweiten Vorsitzenden haben.

Warnende Stimmen gab es viele, als Peters vor vier Jahren den Machtkampf um die Spitze der IG Metall für sich entschied. Peters, den seine Gegner einen verbohrten Betonkopf schimpfen, werde die kampfstärkste deutsche Gewerkschaft in einen rückwärtsgewandten Kurs zwingen und damit den Mitgliederschwund noch verstärken, lautete eine verbreitete Befürchtung. Manch einer sah die IG Metall gar in der Gefahr, am Streit zwischen den Peters-Gefolgsleuten und dem eher reformorientierten Flügel um den Zweiten Vorsitzenden Berthold Huber zu zerbrechen.

"Reformer in der Warteschleife"

"Reformer in der Warteschleife"

Tatsächlich ist nichts von all dem geschehen. Vielmehr hat das Tandem aus Peters und Huber die Gewerkschaft in stilleres Fahrwasser geführt. Die IG Metall fiel hauptsächlich mit ihren Tarifabschlüssen auf, ansonsten blieb es ruhig um die mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern größte deutsche Arbeitnehmerorganisation. Große politische Initiativen fehlten gleichwohl; nur zuletzt blies Peters zum Kampf gegen die Rente mit 67, die nun zumindest abgemildert werden soll.

Huber dagegen ist schon als "Reformer in der Warteschleife" bezeichnet worden. Mit seinem Einzug in die IG-Metall-Spitze wird sich einiges ändern bei der größten deutschen Gewerkschaft: Ganz im Gegensatz zu Peters ist Huber eher der Mann der leisen Töne und liebt die Analyse. Sich selbst hatte Huber einmal als "Ausgeburt des Modernismus" bezeichnet.

Huber gilt als begabter Strippenzieher im Hintergrund, und zeigte dies unter anderem, als es um den "Pforzheimer Abschluss" ging, der Öffnungsklauseln zulässt, wenn Stellen oder die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs auf dem Spiel stehen. Der 1950 in Ulm geborene Schwabe stand seit November 1998 an der Spitze des zweitgrößten Metall-Tarifbezirks Baden-Württemberg. Mit dem Tarifabschluss 2002 gelang ihm bereits der zweite große Wurf. Schon 1999 hatte er in Böblingen in einer festgefahrenen Tarifrunde ein ordentliches Schlichtungsergebnis mit den Arbeitgebern ausgehandelt.

Der 57-Jährige ist seit 1991 SPD-Mitglied. Doch ob der Gewerkschaft wieder eine Annäherung an die SPD gelingt, hängt nicht nur von Huber ab, sondern auch von der Zusammensetzung des übrigen neuen Gewerkschaftsvorstandes. Auch Huber hatte wie alle anderen Gewerkschaftsfunktionäre in den vergangenen Monaten Front gegen die Rente mit 67 gemacht.

Die abschließende Entscheidung über Huber Nominierung zum IG-Metall-Chef treffen die Delegierten beim Gewerkschaftstag vom 4. bis 10. November in Leipzig.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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