Sonntag, 17. November 2019

Zeitarbeit Polygame Karriere

2. Teil: "Die Umsatzrendite liegt bei 15 bis 20 Prozent"

"Die Umsatzrendite liegt bei 15 bis 20 Prozent"

Tatsache ist, dass die Zeitarbeitnehmer, wenn sie nicht gerade zu den hochqualifizierten Kräften gehören, häufig weniger verdienen als reguläre gewerbliche Kräfte. "Unsere Zeitarbeitnehmer erfüllen eine andere Aufgabe als die Stammmitarbeiter", argumentiert Ingrid Hofmann, Geschäftsführerin der I.K. Hofmann in Nürnberg mit 8000 Zeitarbeitskräften. "Sie sorgen dafür, dass weder Engpässe noch kostspielige Überkapazitäten entstehen." Das sei eine andere Aufgabe als die einer Stammbelegschaft.

Was unausgesprochen hinzukommt: Auch die Zeitarbeitsfirmen müssen von dem Geschäft leben können - derzeit läuft es nicht schlecht: "Die Umsatzrendite im Personalleasing liegt derzeit bei 15 bis 20 Prozent. Hier sind auch die Abnehmer gefragt, sich darüber zu informieren, was von ihrem Geld eigentlich beim Leiharbeiter ankommt", betont Christoph Lamoller. Der Berater hat immer wieder mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen: Wer gut ist, geht nicht zur Zeitarbeit, lautet eines davon.

Dabei müssten die Unternehmer eigentlich wissen, dass es ihre vorsichtige Einstellungspolitik ist, die "normale Karrierewege" erschwert: Zwar hat der Aufschwung schon in den vergangenen Monaten 560.000 neue Stellen gebracht. Ein Viertel davon geht aber auf das Konto von Zeitarbeitsfirmen, so die Bundesagentur für Arbeit (BfA).

"Zeitarbeit ist längst keine Konkurrenz mehr für uns, sondern ein ernstzunehmender Partner", erklärt BfA-Sprecher Ulrich Waschki. Daher verteilen die Arbeitsagenturen Infohefte und Merkblätter an die Arbeitslosen und vermieten Büroräume an Zeitarbeitsfirmen. "Das ist oft nicht der Traumarbeitgeber", sagt Waschki, "aber doch die bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit."

Damit die Alternative nicht zum Alptraum wird, sollten Interessenten sich über die Arbeitgeber informieren, die Verträge genau lesen und darauf achten, dass das Zeitarbeitsunternehmen das "Merkblatt für Leiharbeitnehmer" der Bundesagentur für Arbeit mit aushändigt. Wendet der Arbeitgeber keinen der drei mit unterschiedlichen Gewerkschaften abgestimmten Tarifverträge an, gelten die Arbeits- und Lohnbedingungen des jeweiligen Einsatzbetriebes.

Wer keine Urlaubsansprüche oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gewährt, gehört zu den schwarzen Schafen: "Davon gibt es leider immer noch zu viele", so Christoph Lamoller, der den Betroffenen rät, die Arbeitsagentur über solche Vorgänge zu informieren.

Deike Uhtenwoldt, dpa

Seite 2 von 2

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung