Flowtex-Skandal Freiheit für Schmider

In der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Flowtex-Skandal als der größte Fall von Wirtschaftskriminalität. Im Oktober wird der ehemalige Chef Manfred Schmider aus der Haft entlassen. Dem Ex-Manager wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Stuttgart/Freiburg - Der frühere Flowtex-Chef Manfred Schmider kommt nach mehr als siebeneinhalb Jahren Gefängnis Anfang Oktober auf freien Fuß. Wie ein Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums sagte, werde Schmider zum 3. Oktober auf Bewährung aus der Haft entlassen. Dies habe eine Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Freiburg beschlossen.

Schmider wurde wegen des Flowtex-Milliardenbetrugs mit fingierten Bohrmaschinen im Februar 2000 verhaftet. Nach einem ersten, später wieder aufgehobenem Urteil aus dem Jahr 2001 wurde er im Mai 2003 vom Landgericht Mannheim rechtskräftig zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Unter Anrechnung der vorherigen Untersuchungshaft sind am 3. Oktober zwei Drittel der Strafe verbüßt.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim kann gegen den Bewährungsbeschluss noch Beschwerde einlegen. In Justizkreisen hieß es jedoch, dass die Behörde der Entlassung Schmiders wahrscheinlich nicht entgegentreten werde. Auch Schmiders Rechtsanwalt Alexander Keller geht davon aus, dass der Freilassung nichts mehr im Wege steht. Die JVA Freiburg habe Schmider ein "exzellentes Zeugnis" ausgestellt. Zudem gelte er als Ersttäter, da er sich vor dem Flowtex-Betrug nichts habe zuschulden kommen lassen.

Die Kammer selbst begründete die vorgesehene Entlassung vor allem mit einer günstigen Prognose für Schmider. Das Verhalten Schmiders im Gefängnis sei ohne Beanstandungen geblieben, teilte das Gericht mit. Auch seien bei den seit Dezember 2005 gewährten Vollzugslockerungen keine Unregelmäßigkeiten aufgetreten. Die Bewährungszeit legte das Gericht auf drei Jahre fest.

Ex-Chef bekommt Bewährungshelfer

Ex-Chef bekommt Bewährungshelfer

Schmider genießt bereits seit Ende 2005 Vollzugslockerungen. Er befindet sich im offenen Vollzug und hat eine Arbeitsstelle. Nach dem Beschluss der Strafvollstreckungskammer vom 17. August bekommt er nach seiner Haftentlassung einen Bewährungshelfer zugeteilt. Seinen dem Gericht bekannten Wohnsitz in Baden-Württemberg und seinen Arbeitsplatz darf er nur mit Zustimmung des Bewährungshelfers wechseln. Nach Angaben von Rechtsanwalt Keller will Schmider seinen bisherigen Arbeitsplatz behalten.

Der Flowtex-Betrug gilt als größter Fall von Wirtschaftskriminalität in der deutschen Geschichte. Die Ettlinger Firmengruppe Flowtex hatte jahrelang mit größtenteils nicht existierenden Bohrsystemen gehandelt. Banken und Leasinggesellschaften war dadurch ein Schaden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro entstanden.

Schmider wurde deshalb unter anderem wegen Betruges in 145 Fällen sowie bandenmäßigen Betruges in 97 Fällen und Kapitalanlagebetruges verurteilt.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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