Samstag, 20. Juli 2019

Boris Becker 108.000 Euro weniger

Boris Becker muss mit rund 108.000 Euro für das insolvente Internetportal "Sportgate" haften. Das verkündete das Münchener Oberlandesgericht in einem heute ergangenen Urteil. Der Sportgate-Insolvenzverwalter Hartwig Albers hatte von Becker 1,5 Millionen Euro gefordert.

München - Der frühere Tennisprofi Boris Becker muss mehr als 100.000 Euro an den Insolvenzverwalter des Internetportals Sportgate zahlen. Das Oberlandesgericht München verurteilte den ehemaligen Sportler am Donnerstag zur Zahlung von gut 108.000 Euro und verschärfte damit das ursprüngliche Urteil, das vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben worden war.

Verhängnisvolle Unterschrift: Becker bei der Präsentation seiner Tenniskollektion im Sommer diesen Jahres in Hamburg
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Verhängnisvolle Unterschrift: Becker bei der Präsentation seiner Tenniskollektion im Sommer diesen Jahres in Hamburg
Hartwig Albers, der Insolvenzverwalter des im Juni 2001 Pleite gegangenen Internetportals, hatte 1,5 Millionen Euro von Becker gefordert, dem 60 Prozent des Unternehmens gehörten. Becker hatte 2000 in einer schriftlichen Erklärung den Ausgleich von etwaigen Sportgate-Verlusten zugesichert.

Das Landgericht München verurteilte Becker Ende 2003 zu einer Zahlung von knapp 6000 Euro. Das Oberlandesgericht München bestätigte diese Entscheidung. Doch der BGH hob das Urteil im Mai 2006 wieder auf, da die Richter die schriftliche Erklärung Beckers - anders als das Oberlandesgericht - als "formlos gültig" ansah.

Boris Becker hatte am 16. Juli 2000 in der Rezeption eines Hotels in der US-Hauptstadt Washington seine Unterschrift unter die Verpflichtungserklärung gesetzt, die der "Sportgate"-Gründer Paulus Neef einer Hotelangestellten auf Englisch diktierte. Das Internetportal war für die rund 87.000 Vereine des Deutschen Sportbundes bestimmt. Becker sollte Werbeträger und Leitfigur des Internetportals sein. Es wurde im März 2001 angemeldet, musste aber schon wenige Monate später Insolvenz anmelden.

Becker lehnte die Haftung ab. Die Verpflichtungserklärung sei nicht rechtswirksam, trugen er und sein Anwalt Laurenz Schmitt in der mündlichen Verhandlung im Juli vor. Das Papier sei damals völlig unvorbereitet "aus der Hüfte" entstanden und habe nur für die Übergangszeit bis zur Eintragung von "Sportgate" ins Handelsregister gelten sollen.

Paulus Neef, Gründer von Sportgate und früherer Chef der Internetfirma Pixelpark, sagte dagegen, er sei mit der bereits vorbereiteten Erklärung nach Washington geflogen. Dort habe er sie von Becker unterschreiben lassen, um eine Sicherheit zu haben. Becker identifizierte vor Gericht das Originalblatt der Erklärung. Dabei handelte es sich um ein DIN A4-Blatt - ein Format, das es laut Vorsitzendem Richter in den USA nicht gibt.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und ap

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