Friede Springer Vom Kindermädchen zur Milliardärin

Friede Springers Lebensgeschichte gleicht einem Märchen. Die mächtige Verlegerin begann 1965 als Kindermädchen im Hause des Großverlegers Axel Springer, wurde 1978 dessen fünfte Ehefrau und erbte 1985 Teile des Imperiums. Heute feiert Springer, die zu den reichsten Frauen Deutschlands zählt, ihren 65. Geburtstag.

Berlin - Friede Springer, die Witwe des 1985 verstorbenen Verlagsgründers Axel Springer, hält das Erbe ihres Mannes in Ehren. Seit 2002 ist sie wieder Mehrheitseignerin des Springer-Verlages mit seinen knapp 10.000 Beschäftigten, in dem mit "Bild" Europas größte Tageszeitung erscheint. Besonnen wacht sie über die Geschicke des Medienkonzerns. Heute feiert Friede Springer, die mit einem geschätzten Vermögen von 2,3 Milliarden Euro zu den zehn reichsten Frauen Deutschlands zählt, ihren 65. Geburtstag.

Trotz offiziellen Rentenalters sind keine Anzeichen für einen baldigen Ruhestand zu erkennen - auch wenn Springer in den vergangenen Jahren ihren Privatanteil an der Axel Springer AG nach und nach von 10 auf 5 Prozent reduziert hat. Weiterhin kontrolliert sie aber mehrheitlich die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, die wiederum zu gut 50 Prozent an der AG beteiligt ist.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich Springer eher selten und meidet das Rampenlicht. Doch gilt sie nicht zuletzt wegen ihrer freundschaftlichen Beziehung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als einflussreich. Als die CDU-Chefin im November 2005 zur Kanzlerin gewählt wird, klatschte Springer in Begleitung von Sabine Christiansen auf der Zuschauertribüne Applaus.

Geboren wurde Springer am 15. August 1942 als Tochter eines Gärtners und einer Hauswirtschaftsleiterin in Oldsum auf der Insel Föhr. Nach dem Volksschulabschluss besuchte sie weiterführende Schulen und arbeitete zunächst im Hotelgewerbe. Im Sommer 1965 las Springer, geborene Riewerts, die für sie schicksalhafte Anzeige: "Villenhaushalt sucht Kindermädchen" - und landete im Haus des 30 Jahre älteren Axel Cäsar Springer.

Es dauerte nicht lange, und die beiden waren ein Liebespaar. 1978 wurde sie Axel Springers fünfte Ehefrau - und eine unentbehrliche Mitarbeiterin. Auf Wunsch ihres Mannes bereitete sich die kühl wirkende Friesin systematisch auf die Aufgabe vor, einmal als Erbin wesentliche Funktionen im Springer-Konzern zu übernehmen, lernte Sprachen, belegte die Fächer Kunstgeschichte, Philosophie und Religion an der Weltwirtschaftsschule in Kiel.

"Ich bin sein Produkt"

"Ich bin sein Produkt"

In einem Zeitungsinterview beschrieb sie ihre Situation im Schatten des Großverlegers einmal so: "Ich habe mich an seiner Seite entwickelt. Ich gebe es zu: Ich bin sein Produkt."

Nach Axel Springers Tod 1985 erbte sie, zusammen mit den Kindern und Enkeln aus Springers früheren Ehen, das Verlagsimperium. Das drohte zu zerfallen: Großaktionäre, Konzernvorstände und Erben lieferten sich Machtkämpfe.

Doch der jungen Witwe gelang, was eigentlich niemand erwartet hätte: Sie setzte sich gegen die Widersacher durch, steuerte das Imperium in den folgenden Jahren durch viele Wirrnisse um Aktienbeteiligungen und Kontroversen mit den Burda-Brüdern und der Kirch-Gruppe.

1985 wurde sie in den Aufsichtsrat berufen. Seit 2002 hält sie die Mehrheit der Aktien am Springer-Verlag. Mit Mathias Döpfner, einem Mann ihres Vertrauens als Vorstandsvorsitzendem an der Spitze der AG, machte sie den Verlag zukunftssicher. Den amtierenden Axel-Springer-Chef mag sie so sehr, dass sie ihm jüngst einen 2-Prozent-Anteil am Konzern zum Vorzugspreis verkaufte, der rund mit 52,4 Millionen Euro ein Drittel unter dem Marktwert lag. Auch privat dürften sich Döpfner und Springer häufiger treffen: Beide wohnen in Potsdam.

Der letzte große Coup, die Übernahme der TV-Kette ProSiebenSat.1, misslang jedoch. Das Geschäft scheiterte am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienkommission KEK. Das allerdings war mehr eine Niederlage Döpfners als die von Friede Springer

Torsten Holtz, ap

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