August von Finck Milliardär gewinnt Machtkampf in der Schweiz

Das Tauziehen um den Schweizer Technologiekonzern Von Roll hat ein Ende. Die Gruppe um den deutschen Großaktionär und Milliardär August von Finck hat sich gegen Verwaltungsratschef Oskar Ronner durchgesetzt. Vier Mitglieder des fünfköpfigen Von-Roll-Verwaltungsrats treten zurück, ebenso CEO Walter Vogel.

Zürich - Dem bayerischen Milliardär August von Finck ist in der Schweiz ein weiterer Coup gelungen: Nach monatelangem Ringen haben die Aktionäre des Schweizer Traditionsunternehmens Von Roll  auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag von Fincks Leute in den Verwaltungsrat gewählt, womit sie dort die Mehrheit stellen.

Unter ihnen ist auch der ehemalige Chef des Technologiekonzern Unaxis, Thomas Limberger, dem guten Chancen auf den Verwaltungsrats-Chefsessel nachgesagt werden. Gleichzeit beschlossen die Aktionäre eine Kapitalerhöhung von bis zu 323 Millionen Franken (knapp 200 Millionen Euro).

Im Vorfeld hatte die unterlegene Fraktion um den Großaktionär und bisherigen Verwaltungsratspräsidenten Oskar Ronner mit Zeitungsanzeigen kräftig die Werbetrommel gerührt, um möglichst viele Investoren zum Kommen zu bewegen. Ronner und die drei auf seiner Seite stehenden Verwaltungsratsmitglieder haben nach der Niederlage angekündigt, auf der kommenden Sitzung des Gremiums am Donnerstag zurücktreten zu wollen.

Der auf einer Burg im Kanton Thurgau lebende von Finck kontrolliert rund 32 Prozent der Von Roll-Titel und will nach früheren Aussagen nun das Wachstumstempo forcieren. "Neben der Erweiterung des existierenden Geschäfts werden wir nach ertragreichen Technologiefeldern Ausschau halten", sagte Limberger.

Gegenwärtig stellt Von Roll vor allem Strom sparende Elektroisolatoren für Generatoren und Elektromotoren her. 2006 betrug der Umsatz knapp 550 Millionen Franken Umsatz, der Reingewinn lag bei 23 Millionen Franken. Das Unternehmen war Anfang des Jahrzehnts nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt und hatte sich seinerzeit im Rahmen eines groß angelegten Umbaus von traditionellen Industriesparten wie etwa dem Geschäft mit Müllverbrennungsanlagen getrennt.

August von Finck hatte 1990 für Aufsehen gesorgt, als er die von seinem Großvater gegründet gleichnamige Privatbank verkaufte. Von Finck ist mit einem geschätzten Vermögen von rund sieben Milliarden Euro nach Berechnungen des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" einer der zehn reichsten Deutschen.

Der 77-Jährige und zunehmend auch seine beiden Söhne mischen seit Jahren in der Schweizer Industrielandschaft mit und kontrollieren den Hotel- und Nahrungsmittelkonzern Mövenpick vollständig. Am Genfer Warenprüfungs-Riesen Societe Generale de Surveillance  halten sie knapp ein Viertel der Anteile.

Für von Finck ist die Beteiligung an Von Roll schon jetzt ein gutes Geschäft. Der Wert der Von-Roll-Aktie  hat sich seit Jahresbeginn nahezu verdreifacht.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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