VW-Affäre Ex-Aufsichtsrat Lenz verurteilt

Günter Lenz ist in der VW-Affäre zu einer Geldstrafe von 11.250 Euro verurteilt worden. Der frühere Aufsichtsrat habe auf Konzernkosten Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen und sich damit in ein "System von Begünstigungen" einbinden lassen, befand die Staatsanwaltschaft.

Braunschweig - Gegen den ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten und VW-Betriebsrat Günter Lenz ist wegen der VW-Affäre eine Geldstrafe von 11.250 Euro verhängt worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig erließ das Amtsgericht Wolfsburg gegen Lenz einen Strafbefehl über 45 Tagessätze wegen Beihilfe zur Untreue. Lenz habe die Strafe akzeptiert, teilte die Ermittlungsbehörde in Braunschweig am Donnerstag mit. Damit kommt es nicht zu einem Prozess gegen ihn.

Der Strafbefehl sei erlassen worden, weil Lenz zwei Mal von VW bezahlte Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete bei zwei Reisen des Gesamtbetriebsausschusses von VW in den Jahren 2001 und 2002 in Indien und in Südkorea jeweils auf Firmenkosten Kontakte zu Prostituierten. Der Ex-VW-Manager Klaus-Joachim Gebauer habe dafür mit Billigung von Lenz bei VW insgesamt 600 Euro abgerechnet.

Zu Gunsten von Lenz habe man die vergleichsweise geringe Schadenshöhe, die seit den Straftaten vergangene erhebliche Zeit und dessen bislang strafrechtlich unbescholtenes Leben berücksichtigt, erklärte die Ermittlungsbehörde weiter. Straferhöhend habe sich ausgewirkt, dass sich der ehemalige Betriebsratsvorsitzende des VW-Werks Hannover in ein System von Begünstigungen habe einbinden lassen.

Vom Angeklagten zum Zeugen

Lenz hatte Mitte Juli sein Amt als Betriebsratsvorsitzender von VW Nutzfahrzeuge in Hannover und seinen Posten im VW-Aufsichtsrat aufgegeben. Bereits einen Monat zuvor legte er sein Mandat als niedersächsischer Landtagsabgeordneter nieder.

Sobald der Strafbefehl rechtskräftig ist, könnte Lenz in weiteren Verfahren der VW-Affäre als Zeuge aussagen. Der nächste Prozess wird im Herbst gegen den früheren VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert sowie den ehemaligen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer erwartet. Beide gelten als Schlüsselfiguren des Skandals. Lenz hatte Mitte Juni unter dem Druck der SPD-Landesspitze sein Mandat als Landtagsabgeordneter niedergelegt.

Im Zuge der VW-Affäre, die im Sommer 2005 ins Rollen gekommen war, waren bereits unter anderem Volkert, Ex-Arbeitsdirektor Peter Hartz und der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl zurückgetreten. In der Affäre hatte es anfangs 14 Beschuldigte gegeben.

Bisher kam es in der VW-Affäre zu zwei Prozessen. Uhl erhielt eine Geldstrafe von 39.200 Euro, Hartz eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von rund 576.000 Euro.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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