Tchibo Familienstreit vor Gericht

Der Tchibo-Erbe Joachim Herz zerrt zwei seiner Brüder vor Gericht. Herz klagt gegen die Umbenennung des Unternehmens in "Maxingvest" und gegen sämtliche Beschlüsse der Tchibo-Hauptversammlung. Seiner Auffassung nach haben seine Brüder Michael und Wolfgang Herz gegen aktienrechtliche Meldepflichten verstoßen.

Hamburg - Der im Streit mit seinen Geschwistern unterlegene Tchibo-Erbe Joachim Herz geht gegen die Umbenennung des Hamburger Handelsunternehmens in "Maxingvest" vor. Herz ließ über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Coro am Mittwoch mitteilen, er habe beim Landgericht Hamburg Anfechtungsklage gegen sämtliche Beschlüsse der Hauptversammlung von Anfang Juli eingereicht.

Neben der Umbenennung gehören dazu auch die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der Dividendenbeschluss. Seiner Auffassung nach hätten seine Brüder Michael und Wolfgang Herz gegen aktienrechtliche Meldepflichten verstoßen. Das ließ Joachim Herz am Mittwoch über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Coro mitteilen. Maxingvest wollte sich nicht dazu äußern. Auch ein Tchibo-Sprecher wollte die Mitteilung von Joachim Herz nicht bewerten.

Mit zusammen rund 85 Prozent der Stimmrechte hatten Michael und Wolfgang Herz sowie die Mutter der beiden Tchibo-Erben, Ingeburg Herz, am 5. Juli alle Beschlüsse gefasst - von der Umbenennung der Holding bis zur Dividendenausschüttung. Joachim Herz hält nach eigenen Angaben 14,24 Prozent der Stimmrechte.

Mit dem neuen Namen soll nach Darstellung der Firma der Charakter als Familienunternehmen unterstrichen werden. Der Name weist auf die Gründer Max und Ingeburg Herz hin. Bislang wurde der aus dem Kaffeegeschäft stammende Name Tchibo ("Tchilling- Bohne") oft mit dem Gesamtkonzern gleichgesetzt. Die Tatsache, dass Tchibo zugleich Mehrheitseigner des Kosmetikherstellers Beiersdorf  ist, trat in den Hintergrund.

Joachim Herz fühlt sich von seinen Brüdern Michael und Wolfgang bei der Kontrolle des Konzerns an den Rand gedrängt. Er hatte deshalb vermutlich dem Kölner Investor Karl-Michael Freitag vier Aktien überlassen, damit dieser bei der Hauptversammlung zusätzliche Fragen stellen konnte. In dem Unternehmen war die Klage erwartet worden, nachdem Joachim Herz bereits in der Vergangenheit mehrfach gerichtlich gegen seine Brüder vorgegangen war, in der Regel ohne Erfolg.

Der Geschwisterstreit bei Tchibo hatte schon vor mehreren Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Zwischen dem langjährigen Vorstandschef Günter Herz und seinen Brüdern kam es damals zum Bruch. Günter und seine Schwester Daniela Herz verkauften ihre Anteile in Höhe von 40 Prozent am Unternehmen für mehr als vier Milliarden Euro an die Geschwister. Das Geld steckten sie in die Investmentfirma Mayfair, über die sie sich an mehreren Firmen beteiligten - zuletzt an der Hamburger Schiffsklassifizierungsgesellschaft Germanischer Lloyd.

Dort hat Günter Herz gerade einen Vertrauten in den Vorstand geholt. Der Tchibo-Manager Joachim Segatz, der zuletzt die Tchibo Logistik in Bremen leitete, werde im September den kaufmännischen Bereich im GL-Vorstand übernehmen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit. Segatz wird Nachfolger des 63- jährigen Rainer Schöndube, der dem Germanischen Lloyd als Berater verbunden bleiben.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa