Chrysler-Chef Nardelli Aus dem Baumarkt an die Chrysler-Spitze

Bob Nardelli eilt der Ruf eines knallharten Sanierers voraus. Trotzdem musste der neue Chrysler-Chef erst vor wenigen Monaten beim US-Baumarktbetreiber Home Depot seinen Hut nehmen.

New York - Der neue Chrysler-Boss Bob Nardelli (59) musste Anfang Januar bei Home Depot , dem weltgrößten Baumarkt-Betreiber und zweitgrößten US-Einzelhändler nach Wal-Mart , seinen Posten räumen. Zwar hatte er bei dem Ende der neunziger Jahre angeschlagenen Unternehmen innerhalb von sechs Jahren den Umsatz auf 90,8 Milliarden Dollar verdoppelt. Der Home-Depot-Aktienkurs  stagnierte jedoch. Nardelli ließ sich trotzdem fürstlich bezahlen.

Der Abschied wurde ihm im Januar mit einem gewaltigen Abfindungs- und Entlohnungspaket von 210 Millionen Dollar versüßt. Die Aktionäre und tausende von Home-Depot-Mitarbeitern atmeten auf. Denn Hauptkonkurrent Lowe's hatte Home Depot während der Nardelli-Amtszeit mit besser geführten Geschäften, mehr Personal in seinen Baumärkten und einem guten Kundendienst viele Käufer weggelockt.

Ursprünglich hatte Nardelli bei General Electric  Karriere gemacht. Er schied jedoch aus, weil er nicht Nachfolger des legendären GE-Konzernchefs Jack Welch wurde. Cerberus hat bei seinen mehr als 50 Unternehmen nie gezögert, neue Spitzenmanager einzusetzen und sie wieder zu feuern, falls sie die vorgegebenen Unternehmensziele nicht erreichten.

Der neue Chrysler-Chef wird US-Presseberichten zufolge nur nach Leistung bezahlt und erhält kein festes Gehalt. Der bisherige Chrysler-Chef Tom LaSorda verliert die Führungsposition und wird Mann Nummer zwei bei dem amerikanischen Autohersteller. Er wird Nardelli unterstellt, bleibt aber Chrysler-Präsident und wird stellvertretender Vorsitzender des neuen Chrysler-Verwaltungsrates. Der bisher für die Tagesgeschäfte zuständige Spitzenmanager Eric Ridenour schied mit sofortiger Wirkung nach 23 Jahren bei Chrysler aus. Sein Posten wird nicht mehr besetzt

Nardelli ist der zweite Spitzenmanager bei den Großen der US-Autobranche, der von Außen geholt wurde, um eine Sanierung zu forcieren. Ford  hatte im vergangenen Herbst den erfolgreichen Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte Alan Mulally als neuen Konzernchef angeheuert. Branchenkenner gehen davon aus, dass Manager mit einer Außensicht besser die tief eingefahrenen Strukturen Detroits aufbrechen können.

Die Tarifverhandlungen der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) über einen neuen vierjährigen Tarifvertrag mit Chrysler, General Motors  und Ford  sind gerade angelaufen. Die US-Autohersteller verlangen Milliardenkonzessionen vor allem bei den eskalierenden Krankenversicherungskosten, um kostenmäßig gegenüber den nicht unter Altlasten leidenden japanischen Anbietern Toyota , Honda  und Nissan  aufzuholen.

GM, Ford und Chrysler hatten seit Anfang 2005 Gesamtverluste von mehr als 26 Milliarden Dollar verbucht. Chrysler hatte dabei seit Anfang vergangenen Jahres Milliardenverluste erlitten und liegt inzwischen gemessen am Absatz auf dem US-Markt hinter General Motors, Toyota und Ford nur noch auf Platz vier.

Peter Bauer, dpa