Topmanagerstudie Glückliche Schweizer

Zufrieden mit der Konjunktur, dem Unternehmen und vor allem mit sich selbst: Schweizer Manager sind die glücklichsten - gefolgt von den Österreichern. Deutsche Chefs dagegen sind die kritischsten. Dies zeigt eine Drei-Länder-Studie unter Führungskräften, deren Ergebnisse manager-magazin.de exklusiv präsentiert.
Von Alexander Zeuner

Hamburg - Boris Becker, Klaus-Michael Kühne und Theo Müller haben es erkannt. Die Schweiz, mit hohen Gehältern und niedrigen Steuern, ist das Eldorado für Unternehmer und Manager. In puncto Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen und mit der persönlichen beruflichen Lage jedenfalls führen Schweizer Manager einen Drei-Länder-Vergleich an.

Auf dem zweiten Platz folgen die Nachbarn aus Österreich. Die deutschen Führungskräfte dagegen sind tendenziell am wenigsten zufrieden, von einer schlechten Stimmung muss hierzulande trotzdem niemand sprechen. Das zeigt eine Studie des Malik Management Zentrums in St. Gallen , die manager-magazin.de exklusiv präsentiert.

Für die Studie wurden Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer von über 300 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Die Manager gaben Auskunft über die aktuelle Entwicklung ihrer Unternehmen, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten beurteilen und was sie für die Zukunft planen.

Als die wichtigste Herausforderung gilt den Befragten im Durchschnitt der drei Länder die Kundenzufriedenheit direkt gefolgt von der Aus- und Weiterbildung von Schlüsselmitarbeitern.

Internationale Politik, Zusammenschlüsse und Partnerschaften interessieren die Chefs am wenigsten. Dafür spielen die politischen Rahmenbedingungen im eigenen Land eine umso wichtigere Rolle. Von Unterstützung sei nicht viel zu sehen, kritisieren vor allem die deutschen Manager.

Die Angst der Österreicher

Die Angst der Österreicher

Voller Neid dürften deutsche Führungskräfte auf ihre Schweizer Kollegen blicken. Satte 93,1 Prozent geben an, mit der aktuellen Entwicklung ihres Unternehmens sehr oder ziemlich zufrieden zu sein. Die Österreicher schieben sich mit 90,2 Prozent Zufriedenheit auf Platz zwei. Beides lässt die ebenfalls hervorragende Stimmung der deutschen Entscheider verblassen. Hier sind es 85,3 Prozent, die sich bester Laune präsentieren, ein immer noch überwältigender Wert.

Die Angst, über nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter zu verfügen, ist in Österreich am stärksten ausgeprägt. 70,4 Prozent der Befragten messen dem Thema Aus- und Weiterbildung von Schlüsselmitarbeitern eine sehr große Bedeutung bei, 24,7 Prozent eine ziemlich große.

Auch in Deutschland und der Schweiz empfinden die Führungskräfte den Facharbeitermangel als eine große Herausforderung für die Zukunft ihrer Unternehmen. Über 90 Prozent wissen um die Bedeutung qualifizierter Mitarbeiter.

Noch wichtiger als das qualifizierte Personal (Platz 2 der Nennungen) ist den Entscheidern in allen Ländern die Kundenzufriedenheit (Rang 1). Die weiteren Top-5-Platzierungen auf der Liste, die es aus Sicht der befragten Manager abzuarbeiten gilt, sind nach Wichtigkeit: Kosten optimieren, Organisationsstrukturen anpassen und neue Märkte erschließen.

Bittet man um spontane Nennungen, werden die Unterschiede zwischen den Ländern deutlicher. In Österreich wird vor allem die EU-Erweiterung als wichtiges Thema im Unternehmensumfeld genannt.

Schweizer und deutschen Führungskräften bereiten hingegen ganz besonders die politischen Rahmenbedingungen und die Gesetzgebung Kopfzerbrechen. Umstrukturierungen scheinen nur die deutschen Manager in höherem Maße zu beschäftigen. Die Mehrwertsteuererhöhung wurde von einer einzigen der 319 befragten Führungskräfte genannt.

Der wirtschaftliche Aufschwung macht sich auch in den Chefetagen bemerkbar. Etwa 57 Prozent aller befragten Topmanager beurteilen die Zukunft ihres Unternehmens positiver als noch vor zwei Jahren. Auch hier drängen sich die Schweizer mit 64 Prozent an die Spitze im Drei-Länder-Vergleich. Deutschland liegt mit rund 51 Prozent an dritter Stelle.

Unternehmensfeind Politik?

Unternehmensfeind Politik?

Trotz der aktuell hervorragenden Stimmung sehen die Führungskräfte aber auch Risiken in der globalisierten Wirtschaft. Der Wettbewerb bereitet den Schweizern (76,1 Prozent), ganz besonders aber den Österreichern mit 79 Prozent Zustimmung Sorgen. Im Land des Exportweltmeisters sind es immerhin noch 67,3 Prozent der Befragten, die im Wettbewerb ein ziemlich oder sehr großes Problem für die Zukunft sehen.

In Deutschland folgt dicht dahinter die Nennung der politischen Rahmenbedingungen. In der Schweiz oder Österreich wird die Politik als weniger störend empfunden. 60 Prozent der deutschen Manager stimmen der Aussage zu, dass eine Unterstützung durch die Politik in der Unternehmenspraxis nur wenig spürbar sei. Eine Einschätzung, die in der Schweiz 57,9 Prozent und in Österreich 48,2 Prozent Zustimmung findet.

Vielleicht gibt man sich dort auch genügsamer. Immerhin scheinen die deutschen Chefs zu vergessen, dass zum Beispiel die umfassenden Steuererlasse für Kapitalgesellschaften aus dem Jahr 2001 Unternehmen begünstigt haben, während die Masse der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren Einschnitte verkraften musste. Auch die neue Unternehmensteuerreform soll die Abgabenlast senken. Es ist schwer, hier die beklagte mangelnde Unterstützung zu erkennen.

Bei der Frage, ob das Land über genügend gute Führungskräfte verfüge, zeigen sich die Deutschen wieder am kritischsten. 60 Prozent meinen, in der Zukunft fehle es an geeignetem Toppersonal. Genau umgekehrt ist es bei den befragten Schweizern. Über 60 Prozent glauben, dass es reichlich oder sogar mehr als genügend Manager gebe. Dazwischen liegt Österreich mit einem optimistischen Ausblick von rund 54 Prozent.

Wahre Begeisterungsstürme kommen auf, wenn die Entscheider den Maßstab an sich selbst anlegen. Da zeigen sich die Manager aller Länder enthusiastisch. Ihre eigenen Führungsqualitäten schätzen sie mit rund 90 Prozent als ziemlich oder sogar sehr gut ein. Auch hier äußern sich die Schweizer wieder am positivsten im Drei-Länder-Vergleich.

Einigkeit herrscht auch darüber, was man unter beruflichem Erfolg versteht. Auf Platz eins steht wenig überraschend das Betriebsergebnis beziehungsweise der Gewinn, dicht gefolgt von motivierten Mitarbeitern und befriedigender Arbeit. Lob und Anerkennung ist den Deutschen auffallend wichtig.

Topmanagerstudie: Die Ergebnisse im Detail

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