Alitalia Kurswechsel, neuer Chef

Die italienische Fluggesellschaft hat einen neuen Lenker. Maurizio Prato soll Alitalia für einen privaten Investor fit machen. Dafür erhält er Kompetenzen, die sein Vorgänger nicht hatte. Die Regierung soll sich aus den Verkaufsverhandlungen zurückziehen.

Rom - Nach der gescheiterten Privatisierung der maroden Fluggesellschaft Alitalia  will die italienische Regierung ihre Strategie ändern. Bei einer Aufsichtsratssitzung der Airline wurde Maurizio Prato zum Nachfolger des zurückgetretenen bisherigen Alitalia-Chefs Berardino Libonati ernannt. Er werde mehr operative Aufgaben übernehmen als sein Vorgänger und solle so das Ruder des angeschlagenen Unternehmens herumreißen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Regierung in Rom hatte Prato, einen erfahrenen Manager vom Luft- und Raumfahrtunternehmen Finmeccanica , für den Posten vorgeschlagen. Damit sollen nun die weiteren Verhandlungen über den Verkauf direkt von der Alitalia-Führung und nicht mehr vom Wirtschaftsministerium geführt werden, berichtete die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera".

Der Rechtswissenschaftler Libonati hatte seinen Rücktritt nach nur fünf Monaten damit begründet, dass Alitalia jetzt einen Chef mit besseren Branchenkenntnissen brauche.

Der Wechsel an der Spitze zeige, "dass das Wirtschaftsministerium einen Schritt zurückmachen und die Privatisierung jetzt der Gesellschaft anvertrauen will. Auf diese Weise kann das Unternehmen jene private Verhandlung ohne Hürden und Hindernisse einleiten, die der Hauptaktionär nicht hätte führen können", schrieb das Blatt. Dennoch stürzte die Aktie des Unternehmens an der Mailänder Börse am Mittwochmorgen um 3,99 Prozent auf 0,852 Euro ab.

Die italienische Regierung will mindestens 39,9 Prozent, möglicherweise aber auch ihren gesamten Alitalia-Anteil von 49,9 Prozent an einen privaten Investor verkaufen. Jedoch war das Bieterverfahren Mitte Juli gescheitert, nachdem mit der Fluglinie Air One auch der letzte Interessent ausgestiegen war.

Investoren werden unter anderem durch Befürchtungen abgeschreckt, dass die Regierung dem neuen Besitzer bei dem Arbeitsplatzabbau Steine in den Weg legen könnte. Alitalia beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter.

Streiks, eine alte Flotte und ineffiziente Strukturen machen der Fluggesellschaft zu schaffen. Täglich fliegt das Unternehmen einen Verlust von mehr als einer Million Euro ein. Im vergangenen Jahr summierte sich das Minus sogar auf gut 600 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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