Studium und Beruf Karriere en passant

Wer Karriere machen will, muss nicht zuerst studieren. Häufig lohnt es sich, seinen Abschluss während des Jobs zu machen. Denn viele Unternehmen fördern junge Aufsteiger. Außerdem sind die Kosten steuerlich absetzbar.

Düsseldorf - Nach fast acht Stunden Arbeit in der Finanzbuchhaltung eines Großunternehmens in Düsseldorf beginnt für den 25 Jahre alten Sven Thormann die "zweite Schicht" des Tages: Zwei Stunden drückt er nach einer kurzen Pause abends die Schulbank. In einer privaten Fachhochschule macht er berufsbegleitend den Bachelor of Arts in Steuerrecht. Das bedeutend dreimal in der Woche und jeden zweiten Samstag Unterricht, dazu kommen Hausaufgaben.

Zehntausende überwiegend junge Männer und Frauen studieren berufsbegleitend, um einen akademischen Abschluss zu erlangen und damit eine Basis für die weitere Karriere zu schaffen. Unternehmen begrüßen diesen Lerneifer und honorieren ihn teils auch mit einem Zuschuss zu den Studiengebühren oder übernehmen sie sogar ganz. In anderen Fällen kommen sie bei der Arbeitszeitgestaltung entgegen. "Das muss jeweils ausgehandelt werden", sagt etwa Personalreferent Gerd Obermann, der Thormanns Kursgebühren überweist.

Der Leiter der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) in Köln, Michael Vennemann, macht darauf aufmerksam, dass "ohne ein entsprechendes Zulassungssiegel keine Fernkurse gegen Entgelt angeboten werden dürfen". Dies schützt den Verbraucher. Weitere Anbieter sind die staatlichen und staatlich zugelassenen Hochschulen. "Jedes Studium dieser Art erfordert hohe Selbstdisziplin", sagt Vennemann. Es schließt mit den entsprechenden Prüfungen ab, die zum Führen des akademischen Titels berechtigen.

Den Bachelor of Arts erwirbt man beispielsweise in der privaten Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM), einem der führenden Institute für Wirtschaft. "Wir unterrichten an unseren 17 Standorten in ganz Deutschland fast 8000 Studierende", sagt deren Sprecher Carsten Döpp in der Zentrale in Essen. "Ein Fünftel von ihnen sind Auszubildende." Zugangsvoraussetzung sind Abitur oder Fachhochschulreife. Die Gebühren für sieben Semester Regelstudienzeit liegen bei insgesamt etwa 13.000 Euro.

"Die Leute wissen aber, worauf sie sich einlassen", sagt Döpp. Dreimal wöchentlich heißt es, für drei Stunden die Schulbank drücken, zweimal im Monat ist von 08.30 bis etwa 16.00 Uhr Unterricht. Die Zahl der Abbrecher liegt unter 20 Prozent. Nach dem Abschluss winkt der Sprung auf die Managementebene.

Welche Studienrichtung und Studienart der Karriere förderlich sind, müssen Interessenten sorgfältig prüfen. Gespräche mit den Vorgesetzten oder der Personalleitung über eine Kostenbeteiligung sollten in Betracht gezogen werden. Zu klären wäre auch, in welchem Umfang die Gebühren von der Steuer abgesetzt werden können.

Manager für den Mittelstand

Manager für den Mittelstand

"Auf jeden Fall muss das Vorhaben mit dem Partner oder der Familie abgesprochen werden, denn die Belastung ist hoch - nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich", sagt Kauffrau Vanessa Richter, die in Hamburg noch zwei Semester bis zum Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft braucht. Ihr Freund macht seinen Bachelor of Laws in Verbindung mit einem fachspezifischen Englischstudium.

Einen besonderen Weg zu diesem akademischen Titel bietet die Berufsakademie Hamburg an. Fachhochschulreife oder Abi vorausgesetzt, können hier handwerkliche Lehre und Bachelorstudium verbunden werden.

"Vier Jahre dauert diese duale Ausbildung", erläutert Heinz Oberland von der Handwerkskammer Hamburg, einem der Träger des Modells. "Sie dient der Nachwuchsförderung für das Management kleinerer und mittlerer Betriebe." Zusätzlich zur Arbeit im Betrieb und dem Besuch der Berufsschule findet am Wochenende Unterricht statt.

Die Angebote der berufsbegleitenden Fortbildung richten sich auch gezielt an bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel an ausgebildete Zahnärzte. Die Technische Hochschule Aachen bietet seit 2004 für sie ein zweijähriges Studium zum Laserspezialisten an. "Das gibt es sonst nicht in Deutschland. Die Absolventen erhalten den Titel Master of Science", erläutert Leon Vanweersch von der TH. Billig ist diese Spezialistenausbildung nicht: Insgesamt werden 23.000 Euro Gebühren fällig.

Zahlreiche deutsche Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen bieten ein berufsbegleitendes Studium an, das mit einem staatlich anerkannten Examen endet. "Den besten Überblick bietet der ständig aktualisierte Hochschulkompass", sagt Susanne Schilden von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn.

Die Auswahl ist groß. Am stärksten vertreten sind die 170 Fachhochschulen, von denen 70 in privater oder kirchlicher Regie betrieben werden. Das berufsbegleitende Studium ist in verschiedenen Varianten möglich. Berufsintegrierende Studiengänge (BI) verlangen den Abschluss der beruflichen Ausbildung: Während des Studiums soll der Job in Teilzeitarbeit weiterlaufen. Bei Berufsbegleitenden Studiengängen absolviert der angehende Akademiker sein Pensum in der Freizeit durch Selbststudium und Begleitseminare.

Horst Heinz Grimm, dpa

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