Karriere Akademiker im Eiltempo

Der Bachelor macht's möglich - wer sich beeilt, kann nach nur drei Jahren seinen Abschluss in der Tasche haben. Nötig dafür sind eiserne Disziplin und die Bereitschaft, 50 bis 60 Stunden pro Woche an der Uni zu verbringen.

Berlin/Hamburg - Bis mittags schlafen, dann ein paar Stunden im Hörsaal herumlümmeln und abends auf die Wohnheimparty: Dieses weit verbreitete Klischee vom studentischen Lotterleben ist Legende.

Rund 60 Prozent der Studenten müssen heute neben dem Studium arbeiten. Das geht aus der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) hervor. Aber gerade für Bachelor-Studenten mit ihren straffen Stundenplänen kann das schnell zum organisatorischen Kraftakt werden. Vielen lasse die Doppelbelastung aus Studium und Nebenjob nur wenig Freizeit - und mit der Einführung von Bachelor (BA) und Master (MA) werde diese noch knapper, sagt Stefan Grob, Sprecher des DSW in Berlin.

Denn die meist dicht gefüllten Stundenpläne der verschulten BA-Studiengänge, die seit 1998 in Deutschland nach und nach eingeführt werden, lassen wenig Spielraum. Nach den Studiengängen, die mit einem Staatsexamen abschließen, sind BA-Studiengänge mit der höchsten zeitlichen Belastung verbunden. "Unsere Berater beobachten, dass Studenten, die ihren Bachelor in sechs Semestern durchziehen wollen, nicht selten zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche an der Uni verbringen", sagt Grob.

Auch beim besten Zeitmanagement hilft in vielen Fällen nur eines: Es muss in anderen Bereichen zurückgesteckt werden. "Jede Stunde, die Studierende erwerbstätig sind, vermindert sowohl ihren Studienaufwand als auch ihre Freizeit um jeweils etwa 30 Minuten", heißt es in der DSW-Studie. Im Klartext: Wer Studium und Nebenjob unter einen Hut bringen will, muss öfter auf gemeinsame Abende mit Freunden oder dem Partner verzichten.

Viel Geld in kurzer Zeit

Viel Geld in kurzer Zeit

Camilla Wolf hat derzeit vier Nebenjobs: Die 27-jährige Studentin aus Augsburg kellnert in einer Bar, steht in einer Videothek am Tresen, verdingt sich bei einem Kulturfestival als Mädchen für alles und betreut von Zeit zu Zeit die Tochter einer Bekannten. Mindestens fünf Mal pro Woche arbeitet sie - vor allem abends, aber auch samstags. Freizeit bleibt ihr nur noch an den Sonntagen. "Meine Freunde sehe ich im Durchschnitt alle zwei Monate."

Einen Job zurückzufahren oder zu kündigen, kann sie sich nicht leisten. Sie braucht das Geld, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, genauso wie 57 Prozent der erwerbstätigen Studenten. Die Unterhaltszahlungen von durchschnittlich 448 Euro, die 90 Prozent der Studenten von ihren Eltern erhalten, reichen vor allem in teuren Großstädten nicht aus. BAföG beziehen nur 29 Prozent.

Und durch die Einführung von Studiengebühren dürfte der Finanzbedarf noch steigen. Viele Studenten benötigen laut Grob bei der Organisation ihrer Finanzierung Beratung, 40 Prozent bezeichnen ihre Finanzlage als nicht gesichert. Wie aber klappt der Spagat zwischen Studieren und Arbeiten? Benjamin Gildemeister vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) der Uni Hamburg rät zu Jobs mit möglichst flexiblen Arbeitszeiten.

Viel Geld in kurzer Zeit lässt sich etwa bei manchen Promotionjobs verdienen. Der Münchner Student Thomas Heckl arbeitet auf den jährlichen Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften. Die Termine könne er flexibel auswählen, und pro Tag verdiene er mindestens 130 Euro. Dazu kämen üppige Zuschläge für Sonntage und Überstunden.

Und auch Tätigkeiten an der Uni, etwa in den Computerräumen, seien ordentlich bezahlt, sagt Benjamin Gildemeister. Gegenüber vielen anderen Jobs hätten sie zudem den Vorteil, gut in den Alltag am Campus integrierbar zu sein. "Vor allem zu Beginn des Studiums sollten Studenten aufpassen, dass sie ihren Stundenplan nicht überfrachten." Diesen Fehler würden viele begehen und dann die Übersicht verlieren, wenn sie vor einer Lawine aus Prüfungen stehen.

Florian Sanktjohanser, dpa

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