Alitalia Der Präsident steigt aus

Berardino Libonati ist nach nur fünf Monaten im Amt zurückgetreten. Der Alitalia-Präsident hatte erst im Februar das Zepter bei der maroden Fluggesellschaft übernommen, nachdem Aliatalia-Chef Giancarlo Cimoli das Handtuch geworfen hatte. Nun ist die Fluglinie führungslos.

Rom - Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise bei der Alitalia  hat Aufsichtsratschef Berardino Libonati nach nur fünf Monaten im Amt seinen Rücktritt erklärt. Der angesehene Rechtswissenschaftler und vormalige Telekom-Manager hatte die Führungsposition bei der Fluggesellschaft erst im Februar übernommen. Nach der gescheiterten Verkaufsauktion für die staatliche Fluggesellschaft erklärte Libonati am Dienstagabend in Rom, für die Aufgabe seien Branchenkenntnisse erforderlich.

Libonati übernahm den Aufsichtsratsvorsitz von Giancarlo Cimoli, der im Februar in dieser Position sowie als Vorstandsvorsitzender nach fast drei Jahren entlassen worden war. Seitdem ist die Position des Vorstandschefs bei der Alitalia unbesetzt. Als Nachfolger für Libonati schlug das Wirtschaftsministerium Maurizio Prato vor, der vom Luft- und Raumfahrtunternehmen Finmeccanica  kommt.

Die Regierung in Rom hält 49,9 Prozent an Alitalia und will sich davon zumindest größtenteils trennen. Der mehrmonatige Verkaufsprozess der Gesellschaft war gescheitert, weil sich alle ursprünglichen Bieter im Laufe des Verfahrens zurückzogen hatten. Unter anderem kritisierten sie die von der Regierung gestellten Bedingungen. Zuletzt waren der US-Finanzinvestor MatlinPatterson, die russische Aeroflot und die italienische Gesellschaft Air One ausgestiegen.

Medieninformationen zufolge plant die italienische Regierung nun eine Kapitalaufstockung für die Airline. So soll der Einstieg von privaten Investoren in die hoch verschuldete Fluggesellschaft ermöglicht werden, wie die Zeitung "La Repubblica" berichtete. Einzelheiten wollte der Aufsichtsrat am Mittwoch bekannt geben.

Zuvor wollen die Verantwortlichen über einen neuen Rettungsplan für die Gesellschaft diskutieren. Dieser könnte unter anderem die Streichung unrentabler Flugverbindungen sowie einen Ausbau des Streckennetzes zwischen Italien und den europäischen Hauptstädten vorsehen, hieß es.

Alitalia machen Streiks, eine alte Flotte und ineffiziente Strukturen zu schaffen. Europäische Wettbewerber wie die Lufthansa  haben stets betont, die Airline müsse radikal umstrukturiert werden, um als Übernahmekandidat interessant zu werden. Investoren werden indes von Befürchtungen abgeschreckt, dass die italienische Regierung dem neuen Besitzer beim Abbau der derzeit 20.000 Arbeitsplätze Steine in den Weg legen könnte.

Die Fluggesellschaft hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von gut 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Am Dienstag erklärte der Konzern, die Nettoverbindlichkeiten seien im Juni im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Prozent auf 1,034 Milliarden Euro reduziert worden.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa

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