WestLB Goldener Abschied?

Der ehemalige Chef der WestLB, Thomas Fischer, soll für seinen Abgang angeblich eine hohe Summe erhalten. Rund fünf Millionen Euro werden offenbar bald auf das Konto des Bankers fließen. Die WestLB schweigt dazu.

Düsseldorf - Thomas Fischer soll seine Abberufung als Chef der WestLB offenbar mit einer hohen Schlusszahlung versüßt werden. "Der Mann wird für die eineinhalb Jahre, die sein Vertrag eigentlich noch laufen sollte, rund fünf Millionen Euro bekommen", zitiert der "Tagesspiegel" einen Eigentümervertreter.

Grund für die Zahlung sei die Auffassung des Aufsichtsrats, dass man Fischer juristisch kaum einen gravierenden Fehler nachweisen könne. Fischer müsse deshalb zugestanden werden, sein Gehalt bis zur Ende dieser Laufzeit zu beziehen.

Die WestLB selbst nahm zu dem Bericht nicht Stellung. "Vertragsangelegenheiten wollen wir intern behandeln, auch wenn mir bekannt ist, dass die Öffentlichkeit daran interessiert ist", sagte WestLB-Aufsichtsratschef Rolf Gerlach.

Der Chefkontrolleur der Düsseldorfer Bank hatte gestern den Vertrag mit Fischer mit sofortiger Wirkung aufgehoben und Alexander Stuhlmann zum neuen Chef der Landesbank ernannt. Fischer hatte das Unternehmen seit dem Jahr 2004 geführt und das Geldhaus auch fast wieder auf Kurs gebracht; so gelang es ihm beispielsweise, die Eigenkapitalbasis der bank deutlich zu verbessern. Schließlich musste er aber wohl die Verantwortung für Fehlspekulationen des Eigenhandels des Kreditinstitutes übernehmen: Gescheiterte Aktiengeschäfte hatten zu einem Verlust von zumindest 240 bMillionen Euro geführt.

Der neue starke Mann der WestLB ist Stuhlmann, der frühere Chef der HSH Nordbank. Er gilt als ein Fusionsexperte und soll die Düsseldorfer Bank offenbar helfen, gemeinsam mit Partnern fit für die Zukunft zu machen.

In Eigentümerkreisen der WestLB verlautete am Freitag in Düsseldorf, dass in mehrere Richtungen Zusammenschlüsse denkbar seien. Die öffentlich-rechtliche Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) stehe dabei nach wie vor im Vordergrund, hieß es im Sparkassenlager. heoretisch käme auch ein Zusammenschluss mit der HSH Nordbank oder ein Dreier-Verbund WestLB, LBBW und HSH Nordbank in Betracht. Die Aktiengesellschaften WestLB und HSH seien leichter zu verbinden. Von den Hanseaten gab es auf Nachfrage von manager-magazin.de allerdings ein klares Dementi. "Es gibt keine Gespräche", so HSH-Sprecher Bernhard Blohm.

Nach dem Führungswechsel in der Chefetage der WestLB hat der Chef der Bankenaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, dem WestLB-Aufsichtsrat Handlungsfähigkeit bescheinigt. "Der Aufsichtsrat der WestLB hat in einer Situation, die für die Bank ungeheuer schwierig ist, verantwortungsvoll und zum Wohl der Bank gehandelt", sagte Sanio. "Ich habe uneingeschränktes Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrates, der fest entschlossen ist, die Bank auf Kurs zu bringen", unterstrich der BaFin-Chef.

Stuhlmann hat sich am ersten Arbeitstag mit einem Brief an die Mitarbeiter der drittgrößten deutschen Landesbank gewandt. Dem Vernehmen nach wirbt er darin um das Vertrauen der konzernweit rund 6000 Beschäftigten. Wichtig sei nach den Turbulenzen, dass die Geschäfte wieder rund liefen und sich die WestLB am Markt behaupte.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und dpa

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