ULA-Managerstudie Gutes Klima, schlechtes Klima

Die überwältigende Mehrzahl der Führungskräfte in Deutschland blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Allerdings hat sich das Betriebsklima außerhalb der Chefetagen spürbar verschlechtert. manager-magazin.de präsentiert exklusiv die Ergebnisse einer Befragung des Deutschen Führungskräfteverbands.
Von Alexander Zeuner

Hamburg - Sparkurs bei Daimler. Restrukturierungen bei EADS. Sanierungsprogramme bei Opel. Das sind nur drei Beispiele der vergangenen zwei Jahre, bei denen der Rotstift auch vor den Managementebenen nicht haltmachte.

Angst ging um in den Chefetagen deutscher Unternehmen. Doch das war einmal. Der Großteil der Führungskräfte hatte in den vergangenen Jahren mit Umstrukturierungen zu tun. Auch der eigene Arbeitsplatz konnte eingespart werden - vor Kostensenkungsprogrammen war niemand sicher. Nun werden die Auswirkungen der Rosskur aber positiv bewertet, was die persönliche Situation der Manager betrifft.

Trotz guter Stimmung sind die Führungskräfte nicht voll und ganz von ihren Fähigkeiten überzeugt: Ihre Chancen am Arbeitsmarkt beurteilen sie verhalten. Zumindest auf dem Papier sind die Entscheider flexibel: Die Bereitschaft, für ihren Job den Wohnort zu wechseln, ist groß.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine groß angelegte Studie des Deutschen Führungskräfteverbands , der weiterhin das Kürzel des alten Namens Union Leitender Angestellter ULA trägt. Die "Sozialenquete" der ULA gibt Einblick in die soziale und wirtschaftliche Situation deutscher Manager, die in dem Dachverband organisiert sind.

Im Zeitraum Oktober 2006 bis Januar 2007 wurden rund 3500 Mitglieder befragt. Die Spanne der Fragen reichte von reinen Befindlichkeitsbekundungen bis hin zu harten Daten, wie etwa dem monatlichen Einkommen oder der Art der Krankenversicherung. manager-magazin.de präsentiert exklusiv die wichtigsten Ergebnisse der Studie.

Zweifel an den eigenen Fähigkeiten

Gute Stimmung nur in der Chefetage

Restrukturierungen prägten die vergangenen Jahre. Etwa 75 Prozent der befragten Teilnehmer gaben an, dass wesentliche strukturelle Veränderungen in ihrem Unternehmen stattgefunden hätten. Fusionen, Übernahmen und Ausgliederungen standen auf der Tagesordnung. Dieser Druck zur Veränderung reicht vom mittelständischen Betrieb bis hin zum Großkonzern und umfasst alle Branchen.

Ebenso unabhängig von Unternehmensgröße und Branchenzugehörigkeit werden diese Entwicklungen der letzten Jahre von den Managern auch überwiegend positiv bewertet. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass die Umbauten positive Auswirkungen auf ihre persönliche Situation gehabt hätten.

Dennoch hat sich das Betriebsklima verschlechtert. Mehr als die Hälfte aller Befragten (52,1 Prozent) spüren im Vergleich zu früheren Jahren eine geringe, beziehungsweise deutliche Verschlechterung der Stimmung ihrer Mitarbeiter. Nur in rund 27 Prozent der Unternehmen zeigt die Gute-Laune-Kurve nach oben. Auch wenn sich die Stimmung in den Unternehmen also verschlechtert hat, schlecht ist die gefühlte Lage deshalb noch lange nicht: 48 Prozent der Befragten schätzen das aktuelle Betriebsklima als überwiegend gut oder sogar sehr gut ein, 21 Prozent halten es für unbeständig.

Zweifel an den eigenen Fähigkeiten

Das Stimmungshoch beschränkt sich nicht auf ULA-Mitglieder. Das Malik Management Zentrum in St. Gallen führte vor Kurzem ebenfalls eine Managerbefragung in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Ergebnis: Der Stimmungsaufschwung ist in allen drei Ländern zu beobachten, wenngleich sich die deutschen Führungskräfte am kritischsten zeigten.

"Die Stimmung im Unternehmen hat sich in den letzten Jahren ..."

deutlich verbessert 8,5%
geringfügig verbessert 18,6%
weder verbessert noch verschlechtert 20,8%
geringfügig verschlechtert 22,4%
deutlich verschlechtert 29,7%
Quelle: ULA-Sozialenquete 2007

Angst, ihren Führungsposten zu verlieren, haben die wenigsten der befragten Manager. Immerhin 17 Prozent stufen den eigenen Job allerdings als unsicher ein. Auch wenn die Führungskräfte ihre eigenen Chancen am Arbeitsmarkt bewerten, machen sich Selbstzweifel bemerkbar. Die Perspektive, bei einem Arbeitsplatzwechsel ähnliche oder bessere Bedingungen anzutreffen, bewerten 56 Prozent als eher schlecht, beziehungsweise sehr schlecht. In der Vorgängerstudie zur "Sozialenquete" von 1996 war das Stimmungsbild mit 61 Prozent noch düsterer.

Hohe Bereitschaft zum Ortswechsel

Junge Manager sind optimistischer

Nach Altersklassen gewichtet, zeigt sich: Je älter die Umfrageteilnehmer sind, desto negativer beurteilten sie ihre persönlichen Chancen am Arbeitsmarkt. Bei einem Arbeitsplatzverlust im hohen Alter stehen finanzielle Ängste im Vordergrund.

Altersbezogene Unterschiede bei den Einschätzungen zu den Arbeitsmarktchancen im Falle eines Jobwechsels*

Unter 40 40 bis 44 45 bis 49 50 bis 54 55 bis 59 60 bis 64
sehr gut 11,9 3,8 2,8 1,7 1,9 3,5
eher gut 53,9 39,2 27,0 17,1 12,5 18,6
eher schlecht 20,3 37,0 44,0 44,3 38,1 34,3
sehr schlecht 2,2 5,6 14,4 27,2 38,8 31,4
schwer zu beurteilen 11,7 14,4 11,8 9,8 8,6 12,2
* in Prozent der Befragten. Quelle: ULA-Sozialenquete 2007

Die junge Führungselite hingegen untermauert den neuen Optimismus. Fast 66 Prozent der unter 40-Jährigen glauben, ähnliche oder sogar bessere Bedingungen bei einem Wechsel vorzufinden. In der nächsten Altersklasse, bei den 40 bis 44-Jährigen, sinkt die positive Einschätzung aber wieder auf 43 Prozent sprunghaft ab. Die Zeiten der Angestellten auf Lebenszeit jedenfalls sind vorbei, bestätigt die ULA-Studie. 77 Prozent der Befragten geben an, bisher für mindestens zwei Arbeitgeber tätig gewesen zu sein.

Hohe Bereitschaft zum Ortswechsel

Ein Arbeitsplatzwechsel geht nicht selten mit einem Umzug einher. Die Bereitschaft, den Wohnort zu wechseln, ist beachtlich hoch. Die Frage "Wären Sie derzeit zu einem Umzug bereit, um Ihren Arbeitsplatz zu erhalten oder einen attraktiveren Arbeitsplatz zu erlangen?" bejahten etwa 75 Prozent der Studienteilnehmer.

Der Enthusiasmus kühlt sich sehr schnell wieder ab, wenn man in ein anderes Unternehmen mit einer interessanteren Aufgabenstellung aber gleicher Bezahlung wechseln könnte.

"Wären Sie bereit, für eine Stelle mit einer interessanteren Aufgabenstellung und ungefähr der gleichen Bezahlung Ihr Unternehmen zu verlassen?" Nein, sagen hier rund 46 Prozent. Nur etwas mehr als die Hälfte wäre bereit, den Schreibtisch zu räumen und eine neue Herausforderung anzupacken.

Work-Life-Balance kein Problem

Work-Life-Balance kein Problem

Der Zusammenhang mit der persönlichen Einschätzung der Chancen am Arbeitsmarkt drängt sich auf. Bewerten die Führungskräfte ihre Perspektiven bei einem Arbeitsplatzwechsel negativ, überlegen sie zweimal, ob sich ein Ortswechsel für den Job lohnt. Familienstand und Kinderanzahl ändern die Mobilitätsbereitschaft der Manager nicht.

Die Mehrheit der Befragten arbeitet über 49 Stunden pro Woche (58 Prozent) und ist verheiratet (87 Prozent). Die Kinderanzahl variiert stark mit dem Alter. Die Altersgruppe der unter 35-Jährigen hat zu 74 Prozent keine Kinder. Bei den 35- bis 39-Jährigen sind noch 63 Prozent kinderlos. Die 40- bis 45-Jährigen hingegen haben mit einer überwältigenden Mehrheit von rund 75 Prozent mindestens ein Kind.

Mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Befragten ist der Ansicht, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Beruf und Freizeit zu finden. Arbeit und Privatleben scheint aber nicht nur für die ULA-Mitglieder gut zusammenzupassen.

Eine Studie der Beratung Kienbaum Management Consultants in Zusammenarbeit mit dem Harvard Businessmanager zeichnet ein ähnliches Bild. 142 deutsche Manager wurden zu ihrem Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben befragt. Das Ergebnis: Zwei Drittel arbeiten mehr als 50 Stunden in der Woche und sind dennoch mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden.

Unter dem Strich zeigt die "Sozialenquete" gute Gründe für die positive Stimmung der Manager. Der Arbeitsplatz scheint vergleichsweise sicher, und für Freizeit und Familie bleibt ausreichend Zeit. Umstrukturierungen musste eine überragende Mehrheit der Führungskräfte bewältigen, die im Ergebnis positive Auswirkungen hatten. Nur ältere Führungskräfte schätzen ihre Chancen am Arbeitsmarkt verhalten ein.

ULA-Managerstudie: Die wichtigsten Ergebnisse

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.