Schreibtisch Schnüffeln verboten

Den meisten Arbeitnehmern gehört zwar der Platz nicht, an dem sie arbeiten. Doch sie verhalten sich so: Jeder verteidigt das Revier, in dem er schaltet und waltet. Die Kollegen tun gut daran, diese Privatsphäre zu akzeptieren.

Berlin - Die Privatsphäre ist das menschliche Gegenstück zum Revierverhalten. Und wie wichtig Mensch wie Tier ihr Revier ist, weiß jeder, der schon mal einen Hof betreten hat, den ein Hund bewachte.

Für die meisten Arbeitnehmer zählt der Schreibtisch zu ihrem persönlichen Bereich. Das Möbelstück selbst und die Utensilien darauf gehören zwar meist der Firma. "Dies darf aber kein Freibrief für Chefs oder Kollegen sein, darüber zu verfügen", sagt Jan Schaumann, Stiltrainer in Berlin. Alle Beteiligten sollten gegenseitig auf ihre Privatsphäre Rücksicht nehmen.

Diese Rücksichtnahme müssen aber nicht nur für vermeintliche Eindringlinge aufbringen, sondern auch Revierverteidiger. Schließlich befindet man sich mit dem Arbeitsplatz in einem Raum, den man mit anderen Teilen muss. Um die nicht in Verlegenheit zu bringen, sollte man daher nichts an seinem Arbeitsplatz liegen lassen, das nicht öffentlich werden darf.

"Dies gilt für private Papiere ebenso wie für vertrauliche Geschäftsakten", sagt Schaumann. Solche Dinge könne man in der Pause oder nach Feierabend in eine Schreibtischschublade legen oder anderweitig wegschließen.

Wie verhält man sich, wenn man am Platz eines abwesenden Kollegen eine schriftliche Nachricht oder einen Aktenstapel hinterlassen will? "Die Sachen sollte man hinlegen ohne sich neugierig umzusehen", empfiehlt der Stiltrainer. Außerdem dürfe man die Ordnung des anderen nicht stören. Falls man die Papiere deshalb an einen sehr unauffälligen Ort platzieren müsse, könne man den Kollegen mit einem Zettel auf der Computertastatur darauf aufmerksam machen.

Darf man den Schreibtisch durchsuchen?

Darf man den Schreibtisch durchsuchen?

Etwas heikler kann die Situation werden, wenn man auf einem fremden Schreibtisch nach etwas sucht. Denn unter Umständen muss man lange in den Papieren eines Kollegen kramen. "Man sollte möglichst zielgerichtet schauen", sagt der Experte. Je weniger man mitbekomme, umso besser - auch im Hinblick auf das eigene Gefühl. Zudem sollte man dem Kollegen eine kurze Notiz hinterlassen, dass man sich etwas genommen habe.

Falls man unabsichtlich etwas Vertrauliches gesehen habe, sollte man Diskretion bewahren. "Auf keinen Fall darf man den anderen damit später in Verlegenheit bringen", warnt Schaumann. Auch Familienbilder oder persönliche Dekorationsgegenstände sollte man ignorieren.

Schließlich: Spitze Kommentare über den Ordnungsstil eines Kollegen sind verletzend und wenig effektiv. "Man kann den anderen nicht ändern", sagt Schaumann. Wenn es die gemeinsame Arbeit oder das eigene Wohlbefinden betreffe, sollte man das Problem offen ansprechen. Dann würden auch Chaoten und Ordnungsfanatiker Kompromisse finden, mit denen sich beide wohl fühlen können.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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