Samstag, 25. Mai 2019

Boris Becker 1,5 Millionen auf der Serviette?

Die Erklärung soll "aus der Hüfte" an einer Bar entstanden sein. Boris Becker hatte sich verpflichtet, für Verluste von Sportgate bis zu 1,5 Millionen Euro einzustehen. Das Internetportal ging kurz darauf Pleite. Vor Gericht wird geklärt, ob Becker zahlen muss.

München - Der jahrelange Rechtsstreit um die Pleite des Internetportals Sportgate und eine Millionenforderung gegen Ex-Tennisstar Boris Becker ist in eine neue Runde gegangen. Becker erschien heute vor dem Oberlandesgericht (OLG) München.

Muss Becker zahlen oder nicht? Die Klage gegen den Ex-Tennisprofi geht in die nächste Runde
Becker sollte Werbeträger und Leitfigur des Internetportals sein. Er hatte sich schriftlich verpflichtet, für Sportgate-Verluste bis zu 1,5 Millionen Euro einzustehen. Die Firma musste kurz nach der Eintragung ins Handelsregister im August 2001 Insolvenz anmelden. Der Streit geht darum, ob Becker nun zahlen muss.

Die Aussagen der Beteiligten über die Erklärung gingen diametral auseinander, wie der Vorsitzende Richter Karl-Peter Puszkajler feststellte.

Becker sagte, er sei davon ausgegangen, dass seine Verpflichtung nur für eine Übergangszeit bis zur offiziellen Eintragung von Sportgate gelte. Danach sollte die Erklärung verschwinden. Zudem sei das Papier spontan "aus der Hüfte" an einer Hotelbar in Washington entstanden.

Es habe keine Vorbereitung gegeben, die Erklärung sei auf Deutsch auf einer Papierserviette verfasst und dann ins Englische gebracht worden. "Es war eine besondere Zeit damals - Sportportale sind aus dem Boden geschossen", begründete er sein Interesse an dem Portal.

Paulus Neef, Gründer von Sportgate und früherer Chef der Internetfirma Pixelpark, sagte hingegen aus, er sei mit der bereits vorbereiteten Erklärung nach Washington geflogen. Dort habe er sie von Becker unterschreiben lassen, um eine Sicherheit zu haben. Becker identifizierte am Donnerstag vor Gericht das Originalblatt der Erklärung. Dabei handelte es sich um ein DIN A4-Blatt - ein Format, das es laut Vorsitzendem Richter in den USA nicht gibt.

In einem ersten Urteil hatte das OLG Zahlungspflichten des Ex-Profis an den Sportgate-Insolvenzverwalter abgelehnt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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