BMW "Viele Familien haben weniger"

Nicht für ein luxuriöses Leben, sondern für seine drei Kinder habe er Schmiergelder angenommen, gestand ein ehemaliger BMW-Manager. Das ist kein Grund für Rechtsbruch, urteilte das Gericht heute und verhängte eine Haftstrafe. Dennoch kam es ihm bei der Strafhöhe entgegen.

München - Wegen Bestechlichkeit muss ein ehemaliger leitender Mitarbeiter von BMW  für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das Münchner Landgericht verurteilte den geständigen Angeklagten zu der Haftstrafe. Er hatte in dem Prozess eingeräumt, von 2003 bis 2005 insgesamt rund 500.000 Euro Schmiergeld von Zulieferern des Autoherstellers angenommen zu haben.

Die Richter sahen den Sachverhalt nach dem Geständnis des Angeklagten und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft als erwiesen an. Der 43-Jährige habe seine Position als Gruppenleiter im Einkauf des BMW-Werks in Spartanburg (US-Bundesstaat South Carolina) ausgenutzt, um vier Zulieferer unter Druck zu setzen. Um die Chancen bei der Vergabe hoch dotierter Aufträge nicht zu gefährden, seien die Betriebe den Forderungen des Einkäufers nachgekommen.

Den langen Zeitraum, in dem der Mann Schmiergelder annahm und von den Zulieferern forderte, sowie die Höhe der Beträge werteten die Richter zu Lasten des Angeklagten. Angesichts seiner leitenden Position sei er in der Lage gewesen, selbst "Vermögen zu schaffen".

"Viele Familien haben weniger", sagte der Vorsitzende Richter und warf dem Angeklagten Unverfrorenheit und Gier vor. Im Prozess hatte der Beschuldigte ausgesagt, er habe das Geld nicht genutzt, um sich ein luxuriöses Leben zu gönnen. Vielmehr habe er es für seine drei Kinder gespart.

Strafmildernde Wiedergutmachung

Strafmildernd werteten die Richter das Geständnis und die Bemühungen des Angeklagten, den entstandenen Schaden wieder gutzumachen. Der Mann hatte sich mit dem Autohersteller auf einen Vergleich geeinigt und sich verpflichtet, Zahlungen von insgesamt 400.000 Euro an BMW zu leisten. Zudem überwies er eine Steuernachzahlung von rund 168.000 Euro an das Finanzamt.

Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten zugesagt, dass die Strafe bei voller Schadenswiedergutmachung und einem umfassenden Geständnis nicht mehr als zwei Jahre und neun Monate betragen werde.

Von Max Mittereder, ddp