NDR Lutz Marmor wird Intendant

Der NDR-Rundfunkrat hat entschieden: Der neue Intendant des Senders heißt Lutz Marmor. Damit übernimmt ein Mann mit reichem ARD-Erfahrungsschatz das Ruder bei dem Sender. Marmor spricht sich dafür aus, sich stärker jungen Zuschauern zuzuwenden.

Hamburg - Neuer Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wird Lutz Marmor (53). Der NDR-Rundfunkrat wählte den WDR-Verwaltungsdirektor am Freitag zum Nachfolger von Jobst Plog (66), den er im Januar 2008 ablöst.

In einem vorab veröffentlichten Interview sprach sich Marmor dafür aus, stärker auf Interessen der Gebührenzahler und der jüngeren Fernsehzuschauer zu achten. "Die fetten Jahre der ARD sind lange vorbei", sagte Marmor dem SPIEGEL. Er betonte: "Mehr denn je müssen wir bei allem, was wir tun, die Gebührenzahler im Blick haben."

Ein radikaler Sparkurs sei jedoch nicht angesagt, sagte der designierte Intendant. Mit Blick auf das Fernsehpublikum sagte Marmor, es sei "wichtig, dass wir den Kontakt zu den jungen Leuten wieder stärker bekommen". Weiter: "Im Fernsehen müssen wir uns stärker als bisher den 25- bis 49-Jährigen zuwenden ohne die Älteren zu verlieren." Eine vernünftige Balance sei nötig. "Wir bekommen schließlich von allen Gebührenzahlern Geld, da müssen wir auch Programm für alle machen."

Seine Amtszeit beträgt zunächst sechs Jahre. Als Stellvertreter Marmors entschieden sich die Ratsmitglieder für den NDR-Landesfunkhausdirektor in Hannover, Arno Beyer (52). Die beiden Kandidaten waren vom NDR-Verwaltungsrat vorgeschlagen worden.

Sowohl Marmor als auch Beyer kamen nach Angaben des NDR in geheimer Abstimmung deutlich über die vom NDR-Staatsvertrag geforderte Zwei-Drittel-Mehrheit. Von den 53 abgegebenen Stimmen erhielten beide 51 Ja-Stimmen. Zwei Stimmen waren ungültig. Marmor war von 1995 bis 2006 bereits beim NDR als Verwaltungsdirektor tätig.

Im obersten NDR-Kontrollorgan sind gesellschaftlich relevante Gruppen wie Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Umweltverbände vertreten. Sie überwachen das Programm und wählen den Intendanten.

Ein halbes Leben beim Rundfunk

Fast die Hälfte seines Lebens hat Lutz Marmor für den Rundfunk gearbeitet, doch einem breiten Publikum ist er nicht bekannt geworden. Der 53-Jährige wirkte stets im Hintergrund von Hörfunk und Fernsehen - zuletzt als Verwaltungsdirektor des Westdeutschen Rundfunks (WDR), davor in gleicher Position beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Jetzt kehrt der gebürtige Kölner wieder nach Hamburg zurück.

Der Parteilose, der als "unabhängiger Kopf" gilt, wurde vom NDR-Verwaltungsrat als neuer Intendant der Vier- Länder-Anstalt vorgeschlagen und vom Rundfunkrat am Freitag mit überwältigender Mehrheit gewählt. Im Januar 2008 tritt er die Nachfolge von Jobst Plog an, der nach 17 Jahren ausscheidet.

Marmor war 1983 zum WDR gekommen, nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln, wissenschaftlichen Tätigkeiten und freiberuflicher Arbeit als Unternehmensberater. Von Anfang an beschäftigte er sich beim WDR mit den Finanzen des Senders und wurde binnen vier Jahren Abteilungsleiter für das Rechnungswesen. Mit der deutschen Wiedervereinigung ging Marmor 1991 zum neugegründeten Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) nach Potsdam - inzwischen fusioniert zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) - und leistete Aufbauarbeit.

Erfahrung mit Finanzbedarf

Der nächste Wechsel folgte 1995, als Marmor Verwaltungsdirektor des NDR wurde. Dort koordinierte er seit 2002 auch die Kommunikation zwischen der ARD und der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF), die Vorschläge zur Höhe der Rundfunkgebühren macht. Als sein Heimatsender WDR Marmor im vergangenen Jahr als Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant zurück nach Köln holte, lobte ihn der damalige Intendant Fritz Pleitgen als Kenner des öffentlich- rechtlichen Rundfunks: "Marmor genießt in der ARD hohes Ansehen." Die inhaltliche Programmgestaltung gehörte dagegen bisher nicht zu Marmors Arbeitsschwerpunkten.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa