U-Haft-Petition Razzia bei Betz

Eine ungewöhnliche Solidaraktion sollen Mitarbeiter der Großspedition Betz gestartet haben. Angeblich wurden Mitarbeiter genötigt, ein Haftentlassungsgesuch zu unterzeichnen. In dem Brief an Ministerpräsident Günther Oettinger wurde gefordert, Speditionschef Willi Betz aus der U-Haft zu entlassen.

Stuttgart - Polizei und Zoll haben am Dienstag die Büros von Führungskräften der Großspedition Willi Betz in Reutlingen und zweier Logistikfirmen in Böblingen, Stuttgart und dem nahegelegenen Bondorf durchsucht. Vier beschuldigte Führungsleute stünden im Verdacht der Nötigung von Mitarbeitern aus der Unternehmensgruppe, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit.

Die vier Männer im Alter von 34 bis 50 Jahren sollen insgesamt 565 Beschäftigte der Spedition und der Logistikfirmen veranlasst haben, ein Schreiben an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) zu unterzeichnen. Darin wird die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft gegen den Speditionsgeschäftsführer Thomas Betz als willkürlich und untragbar bezeichnet. In dem Schreiben vom 2. März 2007 wird Oettinger aufgefordert, das Seine zu tun, um diesen Zustand zu beenden.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die beschuldigten Führungskräfte die Mitarbeiter unter Druck gesetzt zu haben, um Betz einen Rückhalt in der Belegschaft zu verschaffen. Den Mitarbeitern sei unter anderem mit Entlassungen gedroht worden, sollten sie nicht unterschreiben, erläuterte die Staatsanwaltschaft unter Berufung auf zwei anonyme Strafanzeigen.

Betz seit 21 Monaten in Untersuchungshaft

Hintergrund des 104-seitigen Schreibens an Oettinger ist das Strafverfahren gegen Betz, das seit September 2006 am Landgericht Stuttgart verhandelt wird. Betz befindet sich bereits länger als 21 Monate in Untersuchungshaft. Ihm wird Bestechung und Sozialversicherungsbetrug mit einem Schaden von rund 50 Millionen Euro vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass mehrere hundert bulgarische Fahrer nicht in Bulgarien, sondern in Wahrheit bei der Firma in Deutschland beschäftigt waren. Außerdem sollen Schmiergelder an Amtsträger in Aserbeidschan und Georgien geflossen sein, um Genehmigungen für den grenzüberschreitenden Transportverkehr zu erhalten. Weitere Vorwürfe beziehen sich auf mutmaßlich gefälschte Kfz-Kennzeichen und erschlichene Visa.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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