IWF Strauss-Kahn ist Kandidat

Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt traditionell aus Europa. Die Postenvergabe sorgt aber selbst innerhalb der EU für Ärger. Nach langem Gerangel und überraschenden Nominierungen steht nun der Favorit der Union fest.

Brüssel - Die EU will den früheren französischen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn als neuen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorschlagen. Die Finanzminister der 27 Mitgliedstaaten verständigten sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen am Dienstag in Brüssel darauf, die Kandidatur Strauss-Kahns für das traditionell von einem Europäer besetzte Amt zu unterstützen.

Der Sozialist war vom konservativen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy empfohlen worden. Der jetzige IWF-Direktor Rodrigo de Rato scheidet im Oktober aus dem Amt. Seit der Schaffung des IWF im Jahr 1945 war der Direktor des Währungsfonds immer ein Europäer, während der Präsident der Weltbank bislang stets von den USA benannt wurde. Große Schwellenländer wie Brasilien und Indien haben diese Tradition jedoch wiederholt kritisiert.

Auch der britische Finanzminister Alistair Darling erklärte am Dienstag, die nicht-europäischen IWF-Staaten müssten bei der Entscheidung über Ratos Nachfolge mitreden dürfen. "Alle IWF-Mitglieder müssen Gelegenheit erhalten, ihre eigene Bewertung über die einzelnen Kandidaten vorzunehmen ... und dann natürlich den besten Kandidaten auswählen", sagte Darling am Rande des Treffens in Brüssel.

Nach der Entscheidung für Strauss-Kahn erklärte der britische Minister, der Franzose sei ein "glaubwürdiger Kandidat", er sei aber auch auf die Vorschläge anderer Staaten gespannt. Für Strauss-Kahn hatte sich neben Frankreich besonders auch Deutschland stark gemacht.

Die polnische Regierung hat zwischenzeitlich den früheren Regierungschef Marek Belka als Kandidaten für den IWF-Chefposten ins Gespräch gebracht. Belka gilt als ausgewiesener Finanzexperte. Er war zwei Mal Finanzminister und von 2004 bis 2005 Regierungschef. International spielte er in der Übergangsregierung für Irak 2003 eine Rolle, in der er für Wirtschaftsfragen zuständig war.

Frankreich besetzt bereits drei wichtige internationale Wirtschaftschefposten: Jean-Claude Trichet ist Präsident der Europäischen Zentralbank, Pascal Lamy ist Chef der Welthandelsorganisation (WTO) und Jean Lemierre leitet die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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