Doppelspitze Enders soll EADS allein führen

Der Co-Vorstandschef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Thomas Enders, soll Medienberichten zufolge alleiniger Chef des Unternehmens werden. Dafür könnten die Franzosen andere Positionen im Konzern besetzen.

Berlin - Im Streit über die Führung des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  ist die Bundesregierung fest entschlossen, den bisherigen Co-Chef Thomas Enders als alleinigen Vorstandsvorsitzenden durchzusetzen. Der Verwaltungsratsvorsitz und die Führung der EADS-Tochter Airbus sollten im Gegenzug mit Franzosen besetzt werden, berichtete der "Spiegel" am Sonnabend vorab. Die französische Regierung habe hierfür bereits Zustimmung signalisiert.

Die "Financial Times" zitierte eine mit den Verhandlungen vertraute Person mit den Worten: "Enders ist der Dreh- und Angelpunkt der deutschen Position". Der EADS-Großaktionär DaimlerChrysler  sei fest entschlossen, Enders nicht für einen Kompromiss mit den Franzosen zu opfern.

Die "Wirtschaftswoche" zitierte am Sonnabend vorab ein hochrangiges Mitglied der Bundesregierung: "Wir drängen darauf, dass Enders in jedem Fall seinen Posten behält." Zu Enders gebe es "für uns keine Alternative".

Auch für den Fall, dass die Franzosen eine Kapitalerhöhung verlangten, habe die Bundesregierung eine Lösung gefunden, berichtete der "Spiegel". Danach würde DaimlerChrysler Kapital nachschießen, damit der deutsche Anteil auf dem französischen Niveau bliebe. Auch die "FT" berichtete, DaimlerChrysler gebe offenbar seine Bedenken gegen eine Kapitalerhöhung auf. Von der Bundesregierung war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. DaimlerChrysler wollte sich nicht äußern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen am 16. Juli bei einem Treffen am Airbus-Konzernsitz in Toulouse über EADS  beraten.

Der Streit über die deutsch-französische Doppelspitze bei EADS flammt seit Jahren immer wieder auf. Die französische Regierung fordert ihre Abschaffung, um klare Entscheidungsstrukturen zu bekommen. Vor einigen Tagen hatte ein Bericht der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" für Wirbel gesorgt, demzufolge Deutschland und Frankreich sich über das Ausscheiden von Enders einig sind. Danach sollte der Konzern künftig allein von dem Franzosen Louis Gallois geführt werden. In deutschen Regierungskreisen wurde der Bericht zurückgewiesen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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