Ranking Der reichste Mann der Welt

Ein mexikanischer Großunternehmer verweist Bill Gates und Warren Buffett auf die Plätze. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 68 Milliarden Dollar führt Carlos Slim die Liste der reichsten Männer der Welt an. Ein Mobilfunkunternehmen soll den Ausschlag gegeben haben.

Mexiko-Stadt - Slims Vermögen wird nach einem Bericht des Finanzmagazins "Sentido Comun" auf 67,8 Milliarden Dollar geschätzt, das von Gates auf 59,2 Milliarden. Schon im April hatte das Wirtschaftsmagazin "Forbes" berichtet, dass Slim an Warren Buffett vorbei auf Platz Zwei vorgerückt sei und seinem Rivalen Gates bald den Titel abjagen könnte. Von Slim selbst, aber auch von "Forbes" gab es zunächst keine Stellungnahme.

Dem jüngsten Bericht nach wurde Slim vor allem deshalb an die Spitze der Reichsten der Welt katapultiert, weil sich die Aktien des von ihm kontrollierten Mobilfunkkonzerns America Movil zwischen März und Juni um 27 Prozent verteuerten. Dieser Aktiensprung mache Slim um etwa 8,6 Milliarden Dollar reicher als Gates, sagte Eduardo Garcia von "Sentido Comun". Der Sprung der Microsoft -Aktien um 5,7 Prozent reiche nicht aus, um das Vermögen von Gates im gleichen Umfang zu steigern.

Schon vor drei Monaten war das mexikanische Finanzblatt anderer Meinung als Forbes und hatte das Vermögen von Slim höher berechnet als das von Gates - allerdings lag Slim damals nur um Haaresbreite vorne. Jetzt habe er allerdings keinen Zweifel mehr, dass Slim mit seinem Vermögen bei dem derzeitigen Aktienkurs vorne liege, sagte Garcia.

Slim wird auch der "moderne König Midas" genannt. Er verdankt seinen Reichtum einem akuten Gespür für anderer Leute Urteilsschwäche - und ihrem mangelnden Mut: Slim kauft immer dann, wenn andere sich nicht trauen - und deshalb meist recht billig. So verdiente er mit Aktien des Computer-Herstellers Apple  oder mit Optionsscheinen des bankrotten Telekomkonzerns WorldCom Millionen.

Staaten bitten Slim um Geld

Gleichzeitig steht Slim in der Kritik, weil viele seiner Geschäfte auf politischem Klüngel und seiner Monopolstellung beruhen sollen. Seinen spektakulärsten Coup landete Slim, als der mexikanische Staat die Telefongesellschaft Teléfonos de Mexico, kurz Telmex, privatisierte. Damals bekam das Konsortium von Slim den Zuschlag für 1,8 Milliarden Dollar - ein grotesker Ramschpreis für einen Konzern, den die Börse heute mit nahezu 36 Milliarden Dollar bewertet.

Kritiker behaupten, Slims Drähte zum früheren mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas dürften bei der Telmex-Auktion zumindest nicht geschadet haben. Später soll Slim durch gezieltes Lobbying sichergestellt haben, dass Telmex mit Milde reguliert und ausländischer Konkurrenz der Markteintritt erschwert wurde.

Als reichster Mann im vergleichsweise armen Lateinamerika spielt Slim die Rolle einer "Ein-Mann-Weltbank" ("Financial Times"). Die Regierungen der Nachbarstaaten Panama und Guatemala pumpten den Mogul aus Mexiko an und baten, er möge ihnen bei Investitionen in ihre Straßen und Kanäle assistieren. Tatsächlich macht Slims Vermögen laut "Forbes" etwa sieben Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Mexikos aus. Würde man die Rangliste an Hand dieses Kriteriums erstellen, rangierten Gates und Buffett ohnehin unter "ferner liefen": Sie müssten jeweils 875 Milliarden Dollar schwer sein, um einen ähnlichen Anteil am BIP der USA zu besitzen.

Anfang des Jahres hatte der Unternehmer Kritik zurückgewiesen, wonach sein Unternehmen ein Monopol sei. Der Mexikaner kritisierte zudem Gates und Buffett dafür, einen großen Teil ihres Reichtums in wohltätige Stiftungen gesteckt zu haben. "Die Armut wird nicht durch Gaben beseitigt", sagte er laut "Forbes". Das Unternehmertum könne mehr für die Gesellschaft leisten als "herumzulaufen wie der Weihnachtsmann".

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