Mobilcom-Gründer Schmid vor Gericht

Nach Marktkapitalisierung war der Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid siebenfacher Milliardär. Vom Reichtum blieb ihm nichts, im Februar 2003 meldete er Privatinsolvenz an. Es kommt aber noch schlimmer: Er muss vor Gericht.

Kiel - Der Gründer und frühere Vorstandsvorsitzende der Mobilcom , Gerhard Schmid, muss sich vor Gericht wegen Bankrotthandlung verantworten. Das Landgericht Kiel eröffnete am Dienstag das Hauptverfahren gegen den 55-Jährigen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Schmid wird vorgeworfen, im Jahr 2002 Geld ins Ausland transferiert zu haben, obwohl die Landesbank Sachsen gegen ihn einen Pfändungsbeschluss über umgerechnet zehn Millionen Euro erwirkt hatte. Wegen der Übertragung des Geldes ins Ausland sei die Zwangsvollstreckung der Bank erfolglos geblieben, gab die Staatsanwaltschaft an.

Schmid gründete die Mobilcom 1994 und stieg zum größten Konkurrenten der Telekom auf. Er gewann die France Telecom  als Großaktionär, ein Streit über den geplanten Ausbau des UMTS-Netzes kostete ihn schlussendlich seinen Job als Chef der Mobilcom.

2002 musste Schmid das Unternehmen verlassen, ein Jahr später meldete er Privatinsolvenz an.

Schmid begann 1977 als Vorstandsassistent beim Porzellanhersteller Hutschenreuther und wechselte 1986 als Geschäftsführer zu einem Ostseebad. 1989 wurde er in den Vorstand der Autovermietungsfirma Sixt  berufen, wenige Jahre später stieg er in das Telekommunikationsgeschäft ein.

An der Börse war die Mobilcom zu Spitzenzeiten zwölf Milliarden Euro wert. Schmid hielt 60 Prozent am Unternehmen, rein rechnerisch verfügte er über rund sieben Milliarden Euro.

Schmid ist derzeit Geschäftsführer eines Stromanbieters, der im Besitz seiner Frau ist. Mit billigen Tarifen für den Mittelstand möchte er zurück ins Geschäft und mit den großen Energiekonzernen konkurrieren. Ein Konzept, dass sich schon einmal bewährt hat.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx