IWF Zweiter Zwilling verabschiedet sich

Nach dem Ausscheiden des umstrittenen Weltbank-Direktors Paul Wolfowitz, geht nun auch sein Pendant im IWF. Rodrigo de Rato gab überraschend seinen Rücktritt bekannt. Als Beweggrund gibt er persönliche Motive an.

Washington - Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) sind als Zwillingsinstitutionen bekannt. Während sich die Weltbank unter anderem um die Kreditvergabe an Entwicklungsländer kümmert, überwacht der IWF vor allem die internationale Währungspolitik. Beide Finanzorganisationen verlieren innerhalb kurzer Zeit ihre Führungsköpfe, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Nachdem der Weltbank-Direktor Paul Wolfowitz im Zuge einer Affäre um Günstlingswirtschaft zurückgetreten war, folgt nun der Abgang von Rodrigo de Rato, Chef des IWF.

De Rato werde nach der Jahrestagung im Oktober zurücktreten, teilte der Währungsfond mit. Familiäre Umstände, besonders die Erziehung seiner Kinder, hätten ihn zum vorzeitigen Rücktritt veranlasst, begründet de Rato seinen Entschluss. De Ratos Vertrag wäre erst 2009 ausgelaufen.

In de Ratos Heimatland gab es unterdessen Spekulationen, er könnte in die spanische Politik zurückkehren und bei den Wahlen Anfang nächsten Jahres bei der konservativen Volkspartei als Nummer zwei hinter Parteichef Mariano Rajoy kandidieren.

Der Spanier wurde im Juni 2004 zum geschäftsführenden Direktor des IWF gewählt. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften bekleidete er in Spanien verschiedene Ämter in der konservativen Volkpartei Partido Popular. Von 1996 bis zur Wahlniederlage der Aznar-Regierung im März 2004 war er Spaniens Wirtschaftsminister.

Schon sein Vorgänger, Horst Köhler, war vorzeitig zurückgetreten, nachdem er als Kandidat für das Bundespräsidentenamt ernannt wurde.

Der Tradition folgend, wird auch der nächste IWF-Chef von den Europäern ernannt, während an die Spitze der Weltbank ein Amerikaner bestellt wird.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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