Escada Neuer Chef plant Radikalkur

Schaurige Bestandsaufnahme bei Escada. Das Kerngeschäft krankt, die Idee, mit Accessoires mehr Geld einzunehmen, ist gescheitert, und die Shops arbeiten ineffizient. Der nach Machtscharmützeln installierte neue Konzernchef Jean-Marc Loubier will mit radikalen Mitteln gegensteuern.

München - Der neue Escada-Chef Jean-Marc Loubier will den Modekonzern radikal umbauen. Das Unternehmen aus Aschheim bei München räumte am Donnerstag Fehler ein und reagierte darauf mit dem Programm "Escada Excellence".

Damit will die neue Führung die Weichen für höhere Renditen stellen. Kurzfristig wird der Umbau aber finanzielle Belastungen mit sich bringen. Das Geschäftsjahr 2006/07, das bis 31. Oktober dauert, werde daher mit einem Nettoverlust von 25 Millionen Euro enden, teilte Escada  mit.

Aktionäre reagierten mit Verkäufen auf die jüngsten schwachen Zahlen des Konzerns. Die Aktien von Escada  brachen zeitweise um sechs Prozent auf 33 Euro ein.

Es seien zahlreiche Schwächen des Unternehmens analysiert worden, hieß es. Die Umsätze im Kerngeschäft stiegen nur wenig, Marktanteile gingen verloren. Die Escada-Shops seien zudem nicht effizient genug, das Geschäft mit Accessoires gescheitert. "Die Geschäftsentwicklung zeigt, dass wir handeln müssen. Escada kann sich nicht mit dem Status quo begnügen und ihre Geschäftspolitik einfach fortsetzen", begründete Loubier die Neuausrichtung.

Daher sollten die Marke gestärkt und das Geschäft etwa mit Handtaschen und Gürteln ausgebaut werden. Letzteres soll künftig 20 Prozent des Umsatzes ausmachen. Escada wolle sich auf Märkte wie Deutschland, USA und China konzentrieren. Die Shops würden einer Bestandsaufnahme unterzogen. Der Umsatz von durchschnittlich 7000 Euro pro Quadratmeter soll steigen. Escada und die im gehobenen mittleren Preissegment tätige Tochter Primera würden wirtschaftlich voneinander getrennt. Über einen Verkauf von Primera, die nicht in eine Luxus-Strategie passt, wird seit längerem spekuliert.

Aksenenko setzt sich durch

Die Maßnahmen entsprechen den Zielen des russischen Escada-Großaktionärs Rustam Aksenenko. Er hatte sich im Kampf um die Ausrichtung des Unternehmens durchgesetzt und die Ablösung von Firmenchef Frank Rheinboldt erreicht, der ihm zu vorsichtig agierte.

Der neue Chef Loubier ist Aksenenkos Umfeld zuzurechnen. Er saß seit Ende vergangenen Jahres im Aufsichtsrat von Escada und war zuvor 16 Jahre lang beim französischen Luxusgüterkonzern LVMH tätig.

Der Umbau kostet in diesem Geschäftsjahr rund 35 Millionen Euro. Hinzu kämen negative Steuereffekte von voraussichtlich 14 Millionen Euro. Escada rechnet beim Umsatz und beim operativen Ergebnis (Ebitda) 2006/07 jeweils mit einem moderaten Anstieg im einstelligen Prozentbereich zum Vorjahr. Damit äußerte sich das Unternehmen verhaltener als noch zuletzt.

Im zweiten Quartal verzeichnete der Luxusmode-Hersteller einen Umsatzanstieg von mehr als zehn Prozent auf 183 Millionen Euro. Das Ebitda fiel leicht auf 16 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb von Februar bis April ein Gewinn von 2,4 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.