Dienstag, 20. August 2019

Fachkräftemangel Hausgemachte Krise

Die deutsche Industrie vermisst Fachkräfte. Vor allem Ingenieure sind heiß begehrt. Bevor die Misere die Wirtschaft bremst, will man eifrig im Ausland werben. Dabei suchen fast 27.000 Ingenieure nach Arbeit. Doch die Betriebe wollen sie nicht, weil sie einem überkommenen Berufsbild nachhängen.

Hamburg/Nürnberg - Irgendwas fehlt immer. Mal ist es Arbeit, nun sind es Fachkräfte. Seit die offiziellen Arbeitslosenzahlen sinken, tritt wieder ein Problem in den Vordergrund, das sich über lange Zeit entwickelt hat: der Mangel an Fachkräften.

Ingenieure: 27.000 sind arbeitslos, darunter überdurchschnittlich viele Frauen
"Es dauert länger, geeignete Leute zu finden. Nächstes Jahr wird das die Konjunktur bremsen", sagt Steffen Henzel vom Münchener Ifo-Institut. Und auch Alexander Koch von der HypoVereinsbank stellt gegenüber der Nachrichtenagentur AP fest, dass langsam die Fachkräfte ausgehen, sodass die Unternehmen schon jetzt nicht mehr alle Aufträge annehmen.

Nicht umsonst fordert Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) politische Schritte, um ausländischen Spitzenkräften den Zugang zum Arbeitsmarkt schmackhaft zu machen, sei es durch ein Punktesystem für Einwanderer oder durch die Absenkung des Mindestgehalts, das potenzielle Zuwanderer vorweisen sollen.

Nicht wenige kritisieren das. Der DGB etwa spricht von "Bildungsimperialismus" und warnt davor, dass gerade die aufstrebenden Staaten auf der Südhalbkugel ihre klügsten Köpfe selbst brauchen, um einen Aufschwung zu organisieren.

Ist der Brain Gain, das gezielte Anwerben gut ausgebildeter Ausländer, überhaupt nötig?

Beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Nürnberger Bundesagentur für Arbeit gehört, ist man skeptisch. Zum Teil sei der Mangel an Fachkräften in Deutschland hausgemacht. Und über das Angebot bei den Ingenieuren müssten die Betriebe am allerwenigsten klagen: "Der Arbeitsmarkt ist nicht leergefegt", stellt Franziska Schreyer fest, eine Arbeitsmarktforscherin des Instituts.

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