Blairs Auszug Ende einer Ära

Noch einmal spricht er als Regierungschef im Unterhaus, dann reicht er bei der Queen seinen Rücktritt ein: Die Ära Tony Blairs geht zu Ende. Möbelpacker räumen seinen Amtssitz in der Londoner Downing Street, George Bush sagt, Blair sei nie sein Pudel gewesen.

London - Von Teppichen über Sessel und Betten bis hin zu den Matratzen holten die Möbelpacker am Vormittag vor laufenden Fernsehkameras Blairs Einrichtungsgegenstände ab. Der Premierminister wird am Mittag bei seiner letzten Fragestunde im Unterhaus Rede und Antwort stehen, ehe er zu Königin Elizabeth II. in den Buckingham-Palast fährt, um seine Rücktrittserklärung zu überreichen. Anschließend wird die Queen als Staatsoberhaupt Blairs Nachfolger Gordon Brown den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen.

Der Machtwechsel wurde von einer neuen Umfrage begleitet, nach der die konservative Opposition erstmals seit Wochen bei den Wählern wieder einen leichten Vorsprung vor der regierenden Labour-Partei hat. Danach würden sich 37 Prozent für die Konservative Partei entscheiden und 36 Prozent für Labour.

Blair, 54, wird nach seinem Abtritt aber schon sehr bald auf einer neuen Bühne wieder antreten: Der Premier hat nach Angaben des irischen Regierungschefs Bertie Ahern eine Berufung zum neuen internationalen Nahost-Beauftragten angenommen. Er habe mit Blair telefoniert, "und dies ist genau das, was er tun wird", sagte Ahern heute in Dublin. Eine offizielle Ernennung Blairs durch das Nahost-Quartett aus EU, Uno, den USA und Russland wird noch heute erwartet.

Blair werde einen großen Teil seiner Zeit dem Nahostkonflikt widmen, sagte Ahern. Der Labour-Politiker sei der Auffassung, dass Ausdauer ähnlich wie im Nordirland-Konflikt der Schlüssel zur Lösung der Probleme sei.

US-Präsident George W. Bush hat den scheidenden britischen Premierminister unterdessen gegen den Vorwurf in Schutz genommen, er habe sich wie der "Pudel" des amerikanischen Staatschefs benommen.

Blair ist größer als ein Pudel

"Ich habe gehört, dass er "Bush's Pudel" genannt wurde. Er ist größer als das", sagte der Präsident nach Angaben der britischen Boulevardzeitung "The Sun" in einem Interview. Derartige Vorhaltungen seien "nur Hintergrundgeräusche, eine Ablenkung von den großen Dingen".

Bush erklärte in dem Gespräch zum Ende der zehnjährigen Amtszeit des britischen Regierungschefs weiter, Blair und er hätten zusammen gearbeitet, "um im Angesicht enormer Gefahren globalen Frieden zu erreichen". Blair deshalb als "Pudel" zu bezeichnen, sei "albern".

"Irgendwie wurde unsere Beziehung gesehen, als wenn Bush zu Blair sagt "Spring!" und Blair sagt "Wie hoch?". Aber so läuft das nicht. Es ist eine Beziehung, in der wir sagen, wir beide werden zusammen springen."

"Wir haben gemeinsam in Zeiten des Krieges gedient und wir stimmten in der Entschlossenheit überein zu gewinnen", sagte Bush nach Angaben der "Sun", deren Besitzer der Bush- und Blair-freundliche australische Milliardär und Irak-Kriegsbefürworter Rupert Murdoch ist. Der US-Präsident zeigte Anteilnahme für den Druck, unter dem Blair "zu Hause wegen Irak" gestanden habe.

"Ich habe ihn danach gefragt, habe als Freund versucht, ihn aufzurichten. (...) Aber die Wahrheit ist, dass jeder seine eigene Last zu tragen hat." Er habe viel von Blair gelernt und sei selbst "viel toleranter" geworden, fügte Bush hinzu.

manager-magazin mit Material von dpa und AP

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