Private Equity "Eine Kraft des Guten"

Auch in England wird eine Heuschrecken-Debatte geführt. Mit dem Unterschied, dass sich dort sogar staatliche Organe damit befassen. Eine Parlamentskommission lud vier Private-Equity-Manager vor. Denen war ihr erster öffentlicher Auftritt sehr peinlich.

London - "Sie sind die Herren des Universums, und können mir nicht einmal verraten, wie viel Steuern sie auf ihre Kapitalgewinne zahlen?" John McFall war sehr aufgebracht. Robert Easton bestätigte: Er sei nicht imstande, dazu etwas zu sagen. Da war McFall fast sprachlos: "Das ist unglaublich."

Es spielt eine Rolle, was John McFall glaubt oder nicht. Zwar trifft er selbst keine politischen Entscheidungen. Aber er leitet eine Kommission des britischen Unterhauses, die wiederum das britische Finanzministerium berät. McFall ist dort sehr angesehen. Wenn er Dinge im Argen sieht, schenkt man ihm dort Glauben.

Derzeit denkt er, dass bei der Besteuerung von Kapitalgewinnen etwas im Argen liegt. Eine Regelung, die vor allem Unternehmer zu Investitionen ermuntern soll, führt dazu, dass die Manager von Private-Equity-Gesellschaften nur 10 Prozent Steuern zahlen, teilweise weniger. Schatzkanzler Gordon Brown erklärte bereits, dass hier Änderungen wahrscheinlich seien - je nachdem, zu welchem Ergebnis McFalls Kommission kommt.

Private Steuerbekenntnisse

So hatte der am Mittwoch Robert Easton von der Gesellschaft Carlyle eingeladen. Dazu Dominic Murphy von Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Philip Yea von 3i, Damon Buffini von Permira. Geschätzte 1,2 Millionen Menschen arbeiten in Firmen, die den Gesellschaften dieser Herren ganz oder teilweise gehören: McFalls "Herren des Universums".

Das Quartett fühlte sich sichtlich unwohl. Schließlich war der Auftritt eine Premiere, begleitet von hämischen Berichten nicht nur der Boulevardpresse, die sich auf ein "Grillfest" freute. Private-Equity-Gesellschaften scheuen die Öffentlichkeit. Erst recht, wenn ihnen vor den Augen des Landes persönliche Fragen gestellt werden. Wieviel sie verdienen, wie hoch ihre Steuerlast ist. Sehr oft wichen sie aus.

Sie verwiesen darauf, dass sie nichts Unrechtes tun. Tatsächlich erlaubt ihnen das Steuerrecht ihre Kleinrechnerei. Die entsprechenden Paragrafen des so genannten "taper relief" hatte Finanzminister Brown 1998 selbst eingeführt. Zunächst mussten Firmenanteile zehn Jahre gehalten werrden, um diesen Steuervorteil zu genießen. Peu à peu sank die Frist auf zwei Jahre, was eben nicht nur für nachhaltige Investoren attraktiv ist.

Outing als Steuerflüchtling

Outing als Steuerflüchtling

So verwundert es nicht, dass sich selbst in der Private-Equity-Branche kritische Stimmen erhoben. Er könne den Nutzen nicht erkennen, wenn er und seinesgleichen weniger Steuern zahlen als ihr Reinigungspersonal, sagte Investmentlegende Nicholas Ferguson.

Dem versuchte das Quartett in der Anhörung zu widersprechen. Von ihren Investitionen profitierten nicht nur sie, sondern die Gesellschaft als solche: "Private Equity ist eine Kraft des Guten". Damon Buffini betonte, dass ein Großteil des britischen Wachstums der vergangenen Jahre auf den verhandelten Steuervorteil zurückzuführen sei. Die anderen sekundierten: Mit ihren Geschäften seien insgesamt mehr Jobs geschaffen als vernichtet worden.

An diversen Entlassungswellen freilich hatte sich der Zorn auf die Private Equities entzündet. Spektakulären Übernahmen folgten massive Stellenstreichungen, etwa bei der Drogeriekette Boots oder bei der Automobile Association (AA), dem Pendant zum deutschen ADAC. Die öffentliche Empörung darüber nutzten britische Gewerkschaften, um grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen zu diskutieren. Die Armutsschere in Großbritannien wird angesichts der Gewinne der Manager besonders augenfällig.

Im Verhör der Kommission blieben die vier Großverdiener in der Defensive. Besonders unangenehm war es für Dominic Murphy von KKR. Die Öffentlichkeit erfuhr aus erster Hand, dass er ein Steuerflüchtling ist. Seinen offiziellen Wohnsitz hat er nach Irland verlegt, um noch mehr Geld zu sparen.

Wie die Kommission im Detail entscheiden wird, ist nicht bekannt. Der Tenor während der Anhörung war sehr kritisch, doch weitere Befragungen folgen. In der kommenden Woche stehen Vertreter der britischen Finanzkontrollbehörden Rede und Antwort. Und im Juli soll ein Amerikaner gegrillt werden: David Blitzer von Blackstone.