Fachkräfte Krieg um die Köpfe

Die gute Nachricht: Deutschlands Wirtschaft ist innovativ. Die schlechte: Die Fachkräfte gehen langsam aus. Bis 2014 sollen bis zu 62.000 Akademiker fehlen, so ein aktueller Bericht der Bundesregierung. Es droht eine Eskalation des Kriegs um die Köpfe.

Berlin - Experten bescheinigen der deutschen Wirtschaft große Innovationskraft, die jedoch bald durch Fachkräftemangel gebremst werden könnte. Das geht aus dem "Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2007" hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin verabschiedete. Danach sind deutsche Industriebetriebe weltweit auf Expansionskurs und haben "erhebliche Spielräume für mehr Wachstum".

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, deutsche Unternehmen gehörten zu den weltweit innovativsten und profitierten deshalb von der Globalisierung. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels gebe es in Deutschland aber zu wenige Schüler, die die Hochschulreife erlangten, um später ein Ingenieurstudium zu beginnen. Die Unternehmen seien aufgefordert, mehr Partnerschaften mit Schulen und Hochschulen einzugehen, um Schüler für technische und naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern.

Im vergangenen Jahr meldeten deutsche Industrieunternehmen knapp 25.000 Patente beim Europäischen Patentamt (EPA) in München an. Das entspricht nach Angaben des Wirtschaftsministeriums den Anmeldungen Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und den Niederlanden. Nur die USA reichten mehr Patente ein.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT) machte derweil auf die rückläufigen Unternehmensgründungen in der Spitzentechnologie aufmerksam und wertete dies als "Alarmzeichen". Dies sei eine "gefährliche Fehlentwicklung", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Überlegungen zur steuerlichen Förderung von Investitionen in Forschung und Entwicklung seien zudem noch unausgereift. Das vordringliche Problem - der Mangel an hochqualifizierten Forschern - werde so nicht angegangen.

Glos will helfen

Glos will helfen

Wenn die jetzige Dynamik anhalte, fehlten bis 2014 jährlich zwischen 41.000 und 62.000 Akademiker, betonte auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Gelinge es allerdings, die Quoten der Studienabbrecher in den Fächern der Technik und Naturwissenschaften zu halbieren, seien "diese Zahlen erreichbar".

Der Bericht verdeutliche aber auch, dass sich das Umfeld für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung in Deutschland "deutlich verbessert" habe, sagte Schavan. So gehe beispielsweise die optische Industrie bis zum Ende des Jahrzehnts von einem jährlichen Zuwachs der Forschungsinvestitionen in Höhe von neun Prozent aus.

Glos will mit einem Förderprogramm die Innovationsfreude von Mittelständlern unterstützen. Das "Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand" werde für klarere Strukturen sorgen und gleichzeitig mehr Unternehmen die Finanzierung risikoreicher innovativer Projekte ermöglichen, sagte er.

Der Fachbericht wurde unter anderem von Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) verfasst. Ab 2008 soll eine international besetzte Expertenkommission im Zwei-Jahres-Takt ein Gutachten vorlegen.

manager-magazin.de mit material von ddp

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