Lothar Späth "Nicht an beiden Enden"

Lothar Späth ist als Aufsichtsratschef der Holtzbrinck-Gruppe zurückgetreten. Begründet wird dieser Schritt mit potenziellen Interessenskonflikten: Späth ist Deutschland-Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch, die sich auch im Medienbereich engagiert.

Stuttgart - Lothar Späth hat seinen Posten als Chefkontrolleur der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck niedergelegt, wie nun bekannt geworden ist. Bereits vor ein paar Wochen habe man sich mit Herrn Späth geeinigt, sagte Geschäftsführer Jochen Gutbrod gegenüber manager-magazin.de.

Ein Nachfolger soll voraussichtlich im September vorgestellt werden. Grund für den Abgang Späths ist sein Vollzeitjob als Deutschlandchef der Investmentbank Merrill Lynch , die sich zurzeit verstärkt im Medienbereich betätigt.

Der Holtzbrinck-Verlag hatte zuletzt sein Interesse am Kauf des Süddeutschen Verlages gezeigt. Der mögliche Interessenskonflikt ist zu groß: "Man kann nicht an beiden Enden eines Tisches sitzen", erklärt Gutbrod.

Die Person Späth

Der Ex-CDU-Politiker Späth war in der Zeit von 1978 bis 1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Anfang der neunziger Jahre kam er durch einen Parteispendenprozess und Begünstigungsvorwürfe in Bedrängnis. Ein Untersuchungsausschuss stellte zwar keine persönliche Schuld fest, Späth trat aber dennoch vom Landesvorsitz zurück.

Nach seiner Zeit als Politiker begann er 1991 die Landesregierung Thüringen bei der Übernahme der Carl-Zeiss-Stiftung zu beraten. Mit staatlichen Finanzspritzen in Milliardenhöhe sanierte er die konkursreife Jenoptik . Das Optikunternehmen wurde vom Land Thüringen übernommen, nachdem die Stiftung in die Carl Zeiss Jena GmbH und die Jenoptik aufgeteilt wurde. Er baute rund 15.500 Stellen ab und trennte sich sowohl von der größten Konzerntocher M+W Zander als auch von der Beteiligungsgesellschaft DEWB. 2003 legte Späth sein Amt als Vorstandsvorsitzender zurück und wechselte in den Aufsichtsrat.

Im selben Jahr begann er, für die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch zu arbeiten. 2005 folgte die Beförderung vom Vizedirektor zum Deutschlandchef der Bank.

Als sich der Miteigentümer des Holtzbrinck-Verlages, Dieter von Holtzbrinck, im Juni letzten Jahres aus dem Aufsichtsrat zurückzog, folgte Späth als Nachfolger.

manager-magazin.de

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