EnBW Chef Claassen will weg

Utz Claassen, seit 2003 Chef des Energieversorgers EnBW, will seinen Vertrag nicht verlängern. "Strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" hätten ihn zu dem Schritt bewogen, begründet der 44-Jährige seinen überraschenden Rückzug.

Stuttgart - Der Vorstandschef des viertgrößten Energieversorgers Deutschlands, Energie Baden-Württemberg (EnBW ), will seinen Posten nicht über April 2008 hinaus behalten und das Unternehmen verlassen. Utz Claassen stehe für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung, teilte das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mit.

Dies habe Claassen dem Aufsichtsrat mitgeteilt und "strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" angeführt, heißt es in der am Abend veröffentlichten Mitteilung weiter. Der Manager sehe "seine Mission" bei EnBW mit Ablauf seines derzeitigen Dienstvertrages als erfüllt an. Auch der Konzern sei von der Nachricht überrascht worden, sagte ein Sprecher.

Der 44-Jährige wolle sich nun "anderen Dingen zuwenden", teilte das Unternehmen mit. Weitere Informationen zu Claassens Zukunftsplänen wurden bislang nicht bekannt. Offen ist auch die Frage, wer den EnBW-Chefposten übernehmen wird.

Hartes Sanierungsprogramm schlug an

Ebenso offen ist, ob Claassens nicht erwarteter Rückzug im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen ihn steht. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den EnBW-Manager Anklage wegen angeblicher Vorteilsgewährung erhoben, da er Ende 2005 sieben Landespolitiker zu Spielen der Fußball-WM eingeladen habe.

Claassen war im Mai 2003 zum EnBW-Chef berufen worden und hatte den angeschlagenen Versorger mit Beteiligungsverkäufen und einem Sanierungsprogramm wieder in die schwarzen Zahlen gebracht. Nach seinem Amtsantritt strich er bei dem Karlsruher Stromkonzern rund 2100 Jobs, verpasste den Beschäftigten im Kernbereich Energie eine 4,5-Tage-Woche ohne Lohnausgleich und verkaufte eine Reihe von Unternehmensbeteiligungen.

Im ersten Quartal 2007 hatte EnBW ein Ergebnis vor Ertragssteuern und Zinsen (Ebit) von 629,9 Millionen Euro verbucht - knapp 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Konzernüberschuss wuchs um etwas mehr als 13 Prozent auf 360,2 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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